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Mein Lieblingstext in der Bibel (9)

Präses Ansgar Hörsting spricht über Psalm 86,11.


Mein Lieblingsvers ist auf den ersten Blick ein stiller, kein schriller Begleiter. Er drängt sich nicht in den Vordergrund. Er ist einfach da. Aber er hat seine Wirkung in meinem Leben verbreitet. 

„Weise mir Herr, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit, erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich deinen Namen fürchte.“ Psalm 86,11.

 

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Es ist mein Taufspruch. Ich war 20 Jahre alt. Ich habe ihn immer wieder gelesen, gebetet und bedacht. Irgendwann fing er an mich zu wärmen und zu beeinflussen. Steter Tropfen höhlt den Stein, sagt man. Durch ständigen Gebrauch, scheint mir, wurde der Vers zu meinem Lieblingsvers. 

Gottes Weg gehen, in Gottes Wahrheit leben – so lautet die Bitte. Gottes sieht mich, wie ich bin. Er sieht die Welt, wie sie ist. Und „die Wahrheit wird euch frei machen“ (Johannes 8,32), sagte Jesus. Ich habe festgestellt, dass Gottes Wahrheit zuerst ganz schön hart sein kann. Seine Diagnose lautet, dass ich Sünder bin, durch und durch verloren. Ich bin nicht in der Lage, ihm zu gefallen. Arm, nackt, blind. Aber seine zweite Wahrheit ist stärker, nämlich dass er mich liebt, dass ich ihm doch gefalle. Dass er mich durch Jesus befreit und erneuert. Seine Verheißungen sind seine Wahrheit. Gottes Wahrheit hat mich davon befreit, aus mir selbst zu leben.

Ich habe mir mit meinem Lieblingsvers angewöhnt, immer wieder in Gottes Wahrheit einzutauchen wie in ein erfrischendes und erneuerndes Bad. Ich lebe in Gottes Wahrheit, nicht in „meiner“ eigenen. Gottes Wahrheit ist einfach zuverlässiger. „Weise mir Herr deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit.“

Und dann: „Erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich deinen Namen fürchte.“ Andere übersetzen: „Fasse mein Herz zusammen…“. Konzentriere es.

Mein Herz ist oft zerfleddert, verwirrt, mit zu vielen Dingen beschäftigt. Es ist hin und her gerissen zwischen Erwartungen, Aufgaben und Signalen, die meine Aufmerksamkeit verlangen. Ein konzentriertes, ein ganzes Herz hilft mir, in der Fülle an Aufgaben und Gedanken Kurs zu halten. Es hilft mir in der Fülle von Zweifeln und Klagen immer wieder zu dem Einen zu kommen, zu Gott selbst.

Seinen Namen fürchten. Ich verstehe es so: Ich will Gott ehren und mich seiner Herrschaft unterstellen. Es ist derselbe Gott, der mich bedingungslos mit Liebe überschüttet und den ich lieben darf. Aber es ist und bleibt Gott, dem das All und die Welt gehört und dem ich gehöre. Fürchten und lieben sind bei Jesus keine Widersprüche.

Ich glaube, dass Gott mir diesen sperrigen Vers gegeben hat, damit ich nicht mein Ding mache, nicht meinen Weg gehe und nicht singe: „I did it my way“. Ich soll seinen Weg gehen, seine Wahrheit empfangen und seinen Namen ehren. Für mich ist dieser Vers ein wichtiger Kompass in die Freiheit geworden.


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