Das Dritte Gebot

Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; [...] (2. Mose 20, 7/ 5. Mose 5, 11) - In meiner Schulzeit hätte ich manchmal gern meinen Namen „Gerda“ abgelegt. Nicht gerade ein moderner Mädchenname. Oft haben Mitschüler, die mich ärgern wollten, ihn mir hinterher geschrieen. Dabei haben sie das Wort Gerda in die Länge gezogen, überbetont oder absichtlich verkehrt ausgesprochen. Manchmal machten sie irgendwelche komischen Reime damit. Mein Name gefiel mir gar nicht mehr. Und er wurde ja auch nicht benutzt, um mich anzusprechen, sondern um mich zu beschimpfen...

In meiner Schulzeit hätte ich manchmal gern meinen Namen „Gerda“ abgelegt. Nicht gerade ein moderner Mädchenname. Oft haben Mitschüler, die mich ärgern wollten, ihn mir hinterher geschrieen. Dabei haben sie das Wort Gerda in die Länge gezogen, überbetont oder absichtlich verkehrt ausgesprochen. Manchmal machten sie irgendwelche komischen Reime damit. Mein Name gefiel mir gar nicht mehr. Und er wurde ja auch nicht benutzt, um mich anzusprechen, sondern um mich zu beschimpfen. 

Diese Kinder hatten meinen Namen missbraucht. Das war ich, den sie beschimpften und veräppelten – und sie missbrauchten dazu meinen Namen.

Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.

2.Mose 20,7

und
5.Mose 5,11
Das Dritte der Zehn Gebote rankt sich um den Namen Gottes. Und dieser Name soll nicht missbraucht werden. Das dritte Gebot steht in direktem Zusammenhang mit dem ersten und dem zweiten Gebot: Keine anderen Götter sind nebenher erlaubt, keine Bildnisse sollen die Menschen von Gott anfertigen und den Namen Gottes sollen wir nicht missbrauchen. Aber was bedeutet das überhaupt? Wir können Gott kaum hinterherlaufen und seinen Namen in die Länge ziehen. Oder?

Denke ich daran, wie oft ich Phrasen wie „Oh mein Gott“ oder „Gott sei Dank“ benutze, wird mir schlagartig klar, dass ich manchmal völlig zusammenhangslos über Gott rede, ohne in wirklich anzusprechen. Der jüdische Name Gottes Jahwe oder Jachwe wird deswegen von den Juden nicht ausgesprochen, damit sie nicht in Versuchung geraten, ihn zu missbrauchen. Immer, wenn aus den Schriftrollen vorgelesen wird, sagen sie respektvoll satt des Namens das Wort „Adonai“, was „Herr“ bedeutet, oder das Wort „Elohim“, ein Pluralwort für „Mächtiger, Starker“ was aber benutzt wird, als stünde es in der Einzahl, im Singular. Martin Luther hat diese Tradition übrigens beim Übersetzen der Bibel übernommen und an vielen Stellen den Namen Gottes mit »HErr« übersetzt – und zwar in dieser Schreibweise oder ausschließlich in Großbuchstaben. 

Den Namen kennen

Die Juden haben eine andere Beziehung zu Namen, als wir Mitteleuropäer. Sie glauben, dass die Enthüllung eines Namens immer das ganze Wesen des Namensträgers enthüllt. Der Name zwingt die Gestalt zu bleiben und verbürgt, dass der Mensch sie immer wieder findet. (Gerardus van der Leeuw, Phänomenologie der Religion 1933). So wird Gott „greifbar“. Die Eigenvorstellung Gottes ist daher ein Sich-Annähern an den Menschen. Denn erst, so dachten und denken die Juden, wenn jemand den Namen Gottes kennt, ist er in der Lage, Gott für seine Not zu interessieren und ihn herbeizurufen. Damit war und ist jedoch unvermeidbar Missbrauch für eigene Interessen verbunden.

Der Gott der Bibel lässt jedoch in der Bibel deutlich machen, dass er nicht mit einer »magischen Formel« hergerufen werden kann, wie ein Geist aus der Flasche. Gott bleibt souverän, er hat die Größe, sich selbst anzunähern, bleibt aber dennoch „unverfügbar“ (vgl. Jakobs Frage nach dem Namen in 1. Mose 32,30).

In unserer Gesellschaft haben wir verlernt, dass es einen Gott gibt, der ein allmächtiger Gott ist, der das Weltall geschaffen hat und uns Menschen als sein Gegenüber gewollt hat. Dieses Gegenübersein bedeutet auch den zugewiesenen Platz einzunehmen – einschließlich des respektvollen Umgangs mit dem Heiligen und seinem Namen. Gott will, dass wir über unser Handeln, Denken und Reden nachdenken, um ihm ein Gegenüber sein zu können.

Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, merke ich, dass ich dazu nicht fähig bin. Die Annäherung Gottes aber gibt mir die Möglichkeit, mein Handeln immer wieder korrigieren zu lassen. Ein Wesenszug Gottes ist die Barmherzigkeit. Deswegen hat Gott sich Wege für uns Menschen einfallen lassen, durch die wir – einmal auf falsche Wege geraten – wieder zu ihm umkehren können. In diesem Licht möchte ich den Vers aus Jesaja 43,1 sehen, wo Gott seinem Volk zusagt: 

»Jetzt aber sagt der Herr, der dich ins Leben gerufen hat, Volk Israel, du Nachkommenschaft Jakobs: Fürchte dich nicht, ich habe dich befreit! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst mir!« 

(Es lohnt sich, einmal das gesamte Kapitel 43 des Jesajabuchs zu lesen!)

Gott liebt dich, Gott ruft dich und Gott ruft deinen Namen, ohne ihn zu missbrauchen. Er ruft dich, damit du zu ihm kommst und ein neues Leben anfängst. 

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