Andacht

Leben im Keller

Im Keller lagern nicht nur Altlasten. Im Keller lauern auch manche Gefahren ...

Steigen Sie gerne in den Keller hinab, insbesondere, wenn da nur so eine Funzelbirne hängt, die nicht alle Ecken ausleuchtet? Also, ich nicht. Natürlich, es gibt die Unerschrockenen, denen das überhaupt nichts ausmacht. Die es sich, wenn man sie für eine Nacht im Keller einsperrte, mit Schlafsack und 'ner Kiste Bier gemütlich machen würden. Und es gibt Leute wie mich, die beim Wäscheaufhängen in der Waschküche das ansehnliche Exemplar der Hauswinkelspinne im Auge behalten, sich kurz umdrehen, wieder einen raschen Kontrollblick in die fragliche Ecke werfen und mit Entsetzen feststellen: Das Vieh ist weg! Schweißausbrüche. Das Weiße in den Augen funkelt. Die Wäsche hängt in Rekordzeit.

Gefahren aus der Dunkelheit

Allen Beschwichtigungen zum Trotz ist die Urangst vor Spinnen, Skorpionen, Schlangen oder Säbelzahntigern tief in das genetische Muster des Menschen einprogrammiert. Weil sie ihm vor Urzeiten sehr nützlich war – und es teilweise auch heute noch ist. In manchen Ländern nahe des Äquators, habe ich mir sagen lassen, schlüpft man nicht einfach so in seine Schuhe hinein. Man schüttelt zuvor die Skorpione aus, die es sich gerne darin bequem machen. Dort würde niemand im Dunkeln gedankenlos in seine Latschen steigen. Dunkelheit birgt Gefahren. Kurzfristige (Tiger von hinten, Legosteine unter nackten Fußsohlen) oder auch langfristige (Mangel an Sonnenlicht führt zu körperlichen Mangelerscheinungen). Deshalb ist es für uns Menschen lebensnotwendig, ans Licht zu kommen. Im konkreten wie im übertragenen Sinne. Denn auch eine Seele, die im Dunkeln lebt, ist Gefahren ausgesetzt. Angst. Scham. Resignation. Hoffnungslosigkeit. Gott, der Licht und Leben miteinander verknüpft hat, hat unsere Seelen nicht fürs Kellerdasein geschaffen.

„Früher habt auch ihr in der Dunkelheit gelebt; aber heute ist das anders: Weil ihr mit dem Herrn verbunden seid, seid ihr im Licht. Darum lebt nun auch wie Menschen, die zum Licht gehören! Ein solches Leben führt zu aufrichtiger Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit.“ (Epheser 5,8-9, Hoffnung für Alle)

Ein Leben ohne Gott wäre für mich wie ein dauerhaftes Leben im Keller. Ein finsteres, muffiges Dasein zwischen angestautem Gerümpel, an dem ich irgendwie festhalte, weil es mir so vertraut ist. Aber eben auch zwischen Staub, toten Kellerasseln und der ständigen Gefahr, beim Tasten nach dem Lichtschalter eine Hauswinkelspinne zu streicheln. So möchte ich nicht leben. Ich wünsche mir, dass Gott die Kellertür öffnet. Dass helles Licht die Treppe hinunterscheint und mir den Weg nach draußen zeigt. Dort, wo das wahre Leben stattfindet. Wo es keine dunklen Ecken gibt, wo ich sehen kann und gesehen werde. Im Keller zwischen Altlasten sitzend verpasse ich das Leben um mich herum.

Die Wahrheit kommt ans Licht

Natürlich ist der Keller nicht weg, wenn ich aus dem dunklen Schacht ins Licht hinaustrete. Das Gerümpel ist immer noch da. Vielleicht hängen mir auch noch Spinnweben im Haar und ich habe Staub auf der Hose, wenn ich hochkomme. Sieht nicht gerade toll aus, aber so ist das mit dem Licht: So sehr wir es zum Leben benötigen, es beleuchtet auch alles, was an uns nicht stimmt. Inklusive der Leichen im Keller. Das ist die Wahrheit. Aber die Wahrheit ist auch: Gott ist gut und gerecht. Er lässt mich mit dem Gerümpel nicht allein, sondern steht schon mit Handfeger und Kehrblech bereit und hat einen Container beschafft, um den Sperrmüll abzutransportieren. Große Kelleraufräumaktion, danach Sonne genießen. Klingt nach einem guten Plan.


Kommentare

Von Ela am .

Wie schön und erfrischend diese Darlegung doch ist. Jedes Bild verbindet mich sofort mit dem täglichen Leben und zieht so manche Parallelen zu eigenen Kellerräumen.....Danke!!

Von renate am .

Danke für diese anschauliche Darlegung!


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