Andacht

Obst bringt uns um!

Wie wir in den Mühen des Lebens den Überblick behalten können.

Stellen wir uns nur einen Moment vor, es hätte die BILD-Zeitung schon bei Adam und Eva am Anfang der Bibel gegeben. Die hätte vermutlich getitelt: „Stress im Paradies – Obst bringt uns um!“ Bei der FAZ hätte es zurückhaltender geklungen: „Von Erde – zu Erde“.

Weil Eva und Adam im Paradies von der verbotenen Frucht gegessen hatten, zogen Furcht, Scham und die Hinfälligkeit des Lebens dort ein. Adams Begleiterin Eva aß, weil das Obst sie so anlachte. Dann probierte Adam und gehorchte so „der Stimme“ seiner Frau – ein feinsinniger Hinweis am „Welttag der Stimme“, dieses Jahr am 16. April. Und Gott reagierte. Grundsätzlich. Sozusagen vom Obst zum Grund-Satz.

Dieses Grund-Sätzliche wird im Sündenfall-Kapitel aus dem ersten Buch der Bibel beschrieben. Beteiligt damals waren Gott, der Mensch, die „Menschin“ und die Schlange. Das alles klingt weit weg für unsere Ohren. Zeitlich und inhaltlich. Aber Gottes Urteil war ein grund-sätzliches, das bis heute Bestand hat. Es lautete: „Im Schweiß deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis du zum Erdboden zurückkehrst, denn von ihm bist du genommen.“ (1. Mose, 3,19; Zürcher).

Was machen wir mit dem Grund-Satz, was macht er mit uns? Wie ein Fremdkörper drängt er sich mitten in das Vielerlei unseres Alltags. Er stört und er ärgert. Aber: Von Zeit zu Zeit bekommen wir Menschen die Chance, den Blick freizubekommen auf Grund-sätzliches. Nehmen Sie diese Zeilen als solch eine Chance!

Gott spricht in 1. Mose 3,19 einen Satz gegen die Depression und Überschätzung!

Ein Satz – über die Grundlagen des Lebens

Dieser Satz aus dem Sündenfall-Kapitel sagt uns dreierlei:

  • Wir haben Mühe. Zu unserem Leben gehört echter Schweiß. Ich habe mal in der Stahlindustrie gelernt und gesehen, wie der Schweiß bei der Produktion fließt. Und zu unserem Leben gehört Schweiß im übertragenen Sinne. Gottes Erklärung liest sich so: Unter Mühen werden die Frauen Kinder zur Welt bringen. Unter Mühen werden die Männer dafür sorgen, dass genug zu essen da ist. Wir haben Mühe mit dem „Unkraut des Lebens“.

  • Gott versorgt uns. Bei all unserer Mühe kümmert sich Gott darum, dass all das wächst, was wir zum Essen brauchen. Dass all das da ist, was wir trinken können. Essen und Trinken kommt von Gott.

  • Wir sind im Kreislauf. So einfach, so ernüchternd: Wir kehren zum Erdboden zurück, von dem wir genommen wurden. Wir freuen uns über die Geburt von Kindern und betrauern, wenn Menschen sterben. So ist das Leben. Beides gehört dazu.

Ein Satz – gegen die Depression und die Überschätzung

So steckt beides in diesem Satz: Ermutigung und Ermahnung. Die Ermutigung gegen die Depression. Wenn wir unter den Mühen des Lebens ächzen, erinnert uns Gott daran, dass er uns versorgt und es nicht ewig so mit unserer Mühe geht. Und wenn wir uns zu stark und als die Größten empfinden – wie der brillante Programmierer Mischa im Bond-Streifen „Goldeneye“, der kurz nach seinem Ausruf „Ich bin der Größte“ in einem Schwall von Kühlmittel erfriert und erstarrt. Dann ernüchtert uns dieser Satz und holt uns zurück auf den Boden der Tatsache.

Dieser Satz hält uns im Gleichgewicht zwischen Depression auf der einen und Überschätzung auf der anderen Seite. Wer so seine Position findet, kann im Vielerlei des Alltags den Überblick behalten – über die wirklich wichtigen Dinge im Leben.


Michael vom Ende ist Generalsekretär bei „Christen in der Wirtschaft“, www.ciw.de


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