Andacht

Geeignet als Missionar?

Wie Gott seine Mitarbeiter beruft.

Im Dunkeln und bei Regen stehe ich an der Straße. Ich warte auf meine Freundin, die mich abholen will. Wiederholt schaue auf mein Smartphone, ob eine Nachricht gekommen ist. Unsicher überlege ich, ob wir uns vielleicht missverstanden haben. So ähnlich müssen sich die Jünger nach Jesu Tod am Kreuz gefühlt haben: Erst zweifelnd, dann alleingelassen und enttäuscht. Sie haben Wunder gesehen, euphorische Momente erlebt und die enge Gemeinschaft mit Jesus genossen. Doch plötzlich scheint die Erinnerung an die gute Zeit wie weggeblasen.

Die Jünger haben sich im Haus verbarrikadiert. Sie sind deprimiert, enttäuscht und vor Angst gelähmt. Gemeinsam einsam. Abgeschnitten von der Außenwelt sitzen sie passiv hinter verschlossenen Türen. Der Grund:  Jesus war von ihnen gegangen. Auch zweitausend Jahre später haben immer wieder Menschen das Gefühl, von Jesus verlassen worden zu sein. Sie sind enttäuscht, wenn etwas in ihrem Leben nicht so läuft wie geplant und fragen sich, wo Jesus mit seiner Hilfe bleibt. 

Zweifellos nicht allein

Jesus kennt unsere Zweifel. Noch bevor die Jünger irgendetwas sagen, zeigt er ihnen seine Hände und seine Seite (Johannes 20, 20), damit sie seine Wunden sehen. Er tut das nicht nur später für Thomas, der dadurch als Zweifler in die Geschichte eingeht, sondern völlig ungefragt für alle Jünger, die gerade versammelt sind. Jesus kennt die Bedürfnisse seiner Freunde: Das Verlangen nach einem Zeichen und die Sehnsucht nach Frieden und nach seiner Nähe.

Gleich als er ins Haus kommt – als ungebetener Gast durch die verschlossene Tür – spricht er den damals üblichen Friedensgruß aus. Das tut er kurze Zeit später sogar noch ein zweites Mal. „Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ (Johannes 20, 21)

Der auferstandene Jesus kommt mitten in unsere schlimmste Situation hinein -  in Chaos, Einsamkeit, Krankheit, Trauer oder Angst vor der Zukunft. Den Jüngern hat er zuvor schon einmal versprochen: „Meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ (Johannes 14,27) Diese Zuversicht, die Jesus dadurch in uns weckt, hat Johann Franck sehr treffend zusammengefasst und Johann Sebastian Bach vertont: „Weicht, ihr Trauergeister, denn mein Freudenmeister, Jesus, tritt herein.“ Mit diesem Frieden im Herzen können die Jünger die Tür aufschließen und hinausgehen in die Welt. In ihrem Innersten mit tiefem Frieden erfüllt, können sie sich nach Draußen ins feindliche Leben wagen.

Bestens gerüstet?

Die Jünger haben die beste Schulung bekommen und sind daher ausgerüstet für den selbstständigen Dienst im Auftrag ihres Chefs. Das sollte man zumindest meinen. Trotzdem sind die Nachfolger Jesu keine topmotivierten Glaubenshelden, so ängstlich wie sie da zusammensitzen. Aber Jesus traut ihnen etwas zu. Ohne Umschweife ruft und beruft er seine Jünger zur Arbeit – mitten in  dieser schwierigen Situation, in der sie sich gerade befinden.

Das Besondere an Jesus ist: Er überrascht uns mit seinem Besuch – wie er die Jünger überrascht hat. Ganz ohne meine Bitte und ohne mein vorbildliches Verhalten, werde ich einfach beschenkt. Martin Luther formuliert das so: „Denn wir sind es doch nicht, die da könnten die Kirche erhalten, unsere Vorfahren sind es auch nicht gewesen, unsere Nachkommen werden's auch nicht sein, sondern der ist's gewesen, ist es noch, wird's sein, der da spricht: ich bin bei euch bis zur Welt Ende."

Was für eine Erleichterung, dass die Last nicht auf mir liegt. Ich muss weder weit entfernten Urwaldvölkern noch meinem Nachbarn die gute Nachricht bringen. Ich darf es und ich bin nur in der Lage dazu, weil Jesus selbst mich durch seinen Heiligen Geist dazu befähigt. Die Ausrüstung dafür ist sein Frieden. Den darf ich empfangen, weitertragen und austeilen.

„Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“, sagt Jesus. Aber ich bin nicht alleine mit diesem Auftrag. Jesus selbst holt mich persönlich ab. So wie meine Freundin, auf die ich gewartet habe, und die doch noch kommt. Erleichterung macht sich breit und ich atme auf. Da wo ich bin und da wo ich hin will, kommt jemand zu mir und mit mir: Jesus, mein Friede und meine Freude. Er lässt mich nicht im Regen stehen.


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