Andacht Lesezeit: ~ 5 min

Lieben wie Jesus

Lernen am Beispiel von Petrus. Eine Andacht.

Die Bibel ist voll von Aussagen, die ich nicht verstehe. Und damit habe ich manchmal echt Probleme. Noch herausfordernder sind aber die Bibelstellen, die ich verstehe, denn es stellt sich die Frage, ob ich das, was ich verstanden habe, auch lebe.

„Ich gebe euch ein neues Gebot: Liebt einander! Ihr sollt einander lieben, wie ich euch geliebt habe. An eurer Liebe zueinander werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid.“ (Johannes 13, 34+35)

Der Anspruch, den Jesus hier formuliert, könnte höher nicht sein: „Ihr sollt einander lieben, wie ich euch geliebt habe.“ Wer schafft denn das? Jesus ist schließlich sogar aus Liebe für uns gestorben. Aber vielleicht sollten wir nicht sofort ganz oben ins Regal greifen, sondern einfach mal unten anfangen. Was heißt es, einander zu lieben so wie Jesus es tut?  Am Beispiel von Petrus lässt sich das ganz gut nachvollziehen:

1. Liebe ermutigt

Petrus war die ganze Nacht mit dem Boot draußen, aber er hatte nichts gefangen. Dann ermutigt Jesus ihn, noch einmal rauszufahren. Und plötzlich sind die Netze voll. Petrus ist erschreckt: „Herr, kümmere dich nicht weiter um mich, ich bin ein zu großer Sünder, um bei dir zu sein.“ (Lukas 5,8) . Jesus aber macht ihm Mut: „Hab keine Angst!“ (Lukas 5, 10). Und er geht noch einen  Schritt weiter, denn …

2. Liebe traut dem anderen etwas zu

Jesus sagt Petrus, welches Potential er in ihm sieht: „Von nun an wirst du Menschen fischen.“ (Lukas 5, 10). Er traut ihm etwas zu, das Petrus sich nicht einmal selbst zutraut. Dieses Vertrauen drückt sich auch dem Namen aus, den Jesus ihm gegeben hat. Eigentlich hieß er Simon, Jesus machte ihn erst zum Petrus. Das bedeutet Fels (Johannes 1, 42). Und er sagt damit: Ich traue dir zu, dass man auf dich bauen kann. Du bist ein Fels.

Dass so ein Fels, so ein Brocken von einem Kerl, aber sogar auf dem Wasser laufen kann, das hätte ich nicht gedacht. Als Jesus ihnen in einer stürmischen Nacht auf dem Wasser entgegenläuft, bekommt Petrus einen Mutanfall: „Herr, wenn du es wirklich bist, befiehl mir, auf dem Wasser zu dir zu kommen.“ (Matthäus 14, 28). Und wie reagiert Jesus? Er bleibt ganz cool, weil er Petrus sogar zutraut auf dem Wasser zu gehen: „Dann komm“, sagt er. Wow! Trauen wir einander eigentlich zu, auf dem Wasser zu gehen?

3. Liebe reicht eine helfende Hand

Wir wissen ja, wie Petrus‘ Mutanfall endete. Er bekommt Angst vor der eigenen Courage und beginnt zu sinken. Zum Glück bleibt Jesus an dieser Stelle nicht beim Ermutigen stehen, sonst wäre es vielleicht vorbei gewesen mit dem armen Petrus. In dieser Notsituation hält Jesus Petrus seine Hand hin, hält ihn fest und zieht ihn raus. (Matthäus 14, 31)

Es ist wichtig, dass wir einander ermutigen und uns gegenseitig etwas zutrauen. Aber manchmal reicht das nicht. Manchmal müssen dem anderen eine helfende Hand reichen, ihn rausziehen, ihn unterstützen.

4. Liebe ermahnt

Jetzt wird ein bisschen knifflig. Ermutigen ist ja was Feines – aber Ermahnen? Ich will doch niemandem zu nahe treten. Ja, es ist eine Kunst, andere liebevoll zu ermahnen. Jesus hat sie beherrscht, was aber nicht heißt, dass er ein Blatt vor den Mund genommen hätte. Er konnte sehr direkt sein. Nachdem er Petrus rausgezogen hat, fragt er: „Warum hast du gezweifelt?“ (Matthäus 14, 31) Er legt seinen Finger in die Wunde. Es war das fehlende Vertrauen, das Petrus hat sinken lassen. Jesus spricht das ganz klar an. Aber eben erst nachdem er ihn ermutigt hat, ihm etwas zugetraut und ihn rausgezogen hat. Man beachte die Reihenfolge! 

5. Liebe ist realistisch

Ja, Jesus traut Petrus etwas zu, aber er kalkuliert auch seine Schwächen mit ein. Als Petrus ihm vollmundig verspricht, sogar sein Leben für ihn herzugeben, holt er ihn zurück auf den Boden der Tatsachen: „Noch bevor der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“ (Johannes 13, 38)

Jesus weiß, dass Petrus versagen wird, weil er weiß, dass Petrus nicht perfekt ist. Er rechnet damit, dass er Fehler macht. Ganz nüchtern.

Wenn wir als Nachfolger Jesu gemeinsam unterwegs sind, dann sollten wir wissen, was Jesus weiß: Der Andere hat Fehler und wird Fehler machen, genauso wie ich. Liebe sieht das ganz realistisch. Wir sind gemeinsam auf dem Weg. Und ab und zu stolpern wir dabei. 

Zum Glück geht die Liebe noch weiter, denn …

6. Liebe ist gnädig

Es kam ja, wie es kommen musste. Als es drauf ankam, bekam es Petrus wieder mit der Angst zu tun und verleugnete Jesus tatsächlich, den Jesus, der ihm doch so viel zugetraut hatte. Es war zum Heulen. Und Petrus heulte, als ihm klar wurde, was er da getan hatte. (Mt. 26, 69-75). Er konnte es nicht wieder gut machen, er konnte nicht um Vergebung bitten. Und dann starb Jesus.

Aber er kehrte ins Leben zurück. Und wer gehörte zu den Ersten, die den Widerauferstanden sehen durften? Eben dieser Petrus. Das ist Gnade!

Und dann gibt es diese unbeschreibliche Szene am See Genezareth: Einige Jünger sind auf dem See zum Fischen. Wieder mal haben sie nichts gefangen. Und dann steht plötzlich Jesus am Ufer. Er gibt ihnen die Anweisung, es noch einmal zu versuchen. Plötzlich ist das Netz voll, wie damals am Anfang. Petrus reißt sich die Klamotten vom Leib, springt ins Wasser und schwimmt zu Jesus.

Und nun? Hält Jesus ihm einen Vortrag zu seinem Versagen? Macht er ihn darauf aufmerksam, dass er mit ein bisschen mehr Glaube doch auch übers Wasser hätte laufen können statt zu schwimmen? Sagt er: „Petrus, das war’s mit uns. Ich bin einfach nur enttäuscht von dir.“

Nein, Jesus hat Frühstück gemacht. Liebe macht Frühstück, wenn der andere versagt hat. Liebe zündet ein Feuer an.  (Johannes 21, 1-14)

Was tue ich? Mache ich dem anderen Feuer unterm Hintern oder zünde ich ein Lagerfeuer an, an dem er sich wärmen kann?

7. Liebe gibt eine neue Chance

Jesus hat Petrus nicht abgeschrieben. Er steckt ihn nicht in eine Schublade, in der er nun für den Rest seines Lebens feststeckt. Stattdessen gibt er ihm einen großen Auftrag: „Hüte meine Schafe.“ (Johannes 21, 16)

Für Jesus ist Petrus immer noch Petrus – der Fels. Er traut ihm zu, dass er aus seinen Fehlern lernt, er vergibt ihm und gibt ihm eine neue Chance. Die Schublade ist offen, Petrus darf rausspringen und es nochmal versuchen. Er muss sich das Vertrauen auch nicht erst neu erarbeiten, er bekommt einen Vertrauensvorschuss. Wie damals, als alles begann, sagt Jesus: Folge mir nach. 

Liebe steckt niemanden in eine Schublade. Auch nicht, wenn er Fehler gemacht hat. Nicht einmal dann, wenn er denselben Fehler immer wieder macht.  Als Christen sollten wir dafür bekannt sein, Menschen eine neue Chance zu geben, so wie Jesus. Liebe tut das. Und an der Liebe sollen alle erkennen, dass wir zu Jesus gehören.

Zum Schluss noch eine letzte Entdeckung:

8. Liebe betet

Mich beindruckt es sehr, dass Jesus seinen Nachfolgern nicht nur den Auftrag gibt, einander zu lieben, sondern im Angesicht des Todes im Garten Gethsemane auch noch dafür betet:

„Ich bete aber nicht nur für sie, sondern auch für die Menschen, die auf ihr Wort hin an mich glauben werden. Ich bete darum, dass sie alle eins sind – sie in uns, so wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin. Dann wird die Welt glauben, dass du mich gesandt hast.“ (Johannes 17, 20-21)

So liebt Jesus. Er betet für uns. Das sollten wir auch tun …


Kommentare

Von Elvira K. am .

Sehr gute Andacht!


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