Andacht

Entspannt war es noch nie

Kann es richtig sein mit dem Christsein, wenn es weh tut?

Wenn ich wirklich meinen zehnten Teil vom Gehalt spende, wenn ich wirklich noch mit dem Sex bis zur Ehe warte, wenn ich wirklich meine Feinde liebe: Dann ist das Leben einfach viel schwerer. Manche Aussagen in der Bibel sind unangenehm, und ich befürchte: Ich bin meisterhaft darin, genau bei solchen Inhalten weiterzublättern und sie zu vermeiden. Ich kann kaum glauben, dass etwas Gottes Plan entspricht, was schwierig und schmerzvoll ist. Es kann doch nicht Gottes Wille für mein Leben sein, dass ich kämpfen muss. Oder?

Wer hat hier was von schmerzfrei gesagt?

Ich weiß gar nicht, woher dieses schmerzfreie und komfortable Bild vom Christsein kommt. In der Bibel lese ich auf jeden Fall etwas anderes. Die ersten Nachfolger Jesus bezogen radikale Standpunkte und lebten als Folge sozial ausgegrenzt. Den Jüngern fiel es auch nicht immer leicht, ihre Komfortzone zu verlassen. Sie taten sich schwer damit, Jesu Gesetze und Pläne zu verstehen und umzusetzen. Entspannt war es für die ersten Nachfolger nicht. Ich bin also nicht die Erste, die mit der Umsetzung der radikalen Forderungen Jesu zu kämpfen hat. Doch für was sollte ich mich überhaupt darauf einlassen?

Wo es schmerzt, da heißt das: Hier wachse ich

Eine Antwort habe ich in 2. Korinther 7,10 gefunden: „Ein Schmerz, wie Gott ihn haben will, bringt eine Umkehr hervor, die zur Rettung führt und die man nie bereut“ (Neue Genfer Übersetzung). In anderen Worten: Der gottgewollte Schmerz führt uns zu einer veränderten Einstellung und zur Rettung. Dieser Vers hat mir geholfen, zwei Wahrheiten über das Christsein zu begreifen. An erster Stelle steht in diesem Vers das, was ich oft nicht glauben möchte: Ja, es gibt gottgewollten Schmerz. Es kann also doch richtig sein, wenn es manchmal weh tut. Und zweitens verfolgt Gott damit ein großartiges Ziel: Nämlich meine Veränderung und Umkehr. Das Gefühl von Schmerz zeigt mir, dass ich gerade näher zu ihm hin wachse. Wenn es weh tut, beginnt der Veränderungsprozess.

Willkommen in der Charakterschmiede

Mir tut es weh, den Zehnten abzugeben, wenn noch so viel vom Monat übrig ist. Die Frage ist, wie ich mit dieser Herausforderung umgehe. Blättere ich einfach weiter und schalte bei der Predigt auf Durchzug? Oder stelle ich mich der Schwierigkeit und damit auch dem Schmerz? Die Zusage von Paulus im Korintherbrief macht mir Mut, mich dem Unangenehmen zu stellen.

Paulus war überzeugt, dass wir es nie bereuen, wenn wir uns der manchmal schmerhaften Charakterschmiede Gottes stellen. Denn er wusste: Hinter jeder radikalen Aufforderung steht ein wohlwollender Jesus, der uns liebt und uns gerade deshalb formen möchte. Gerade wenn es schwierig wird, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Möchte ich mich von Gott verändern und weiterentwickeln lassen? Dann muss ich die Bibel ernstnehmen, auch wenn es unangenehm ist. Denn: Es lohnt sich!


Kommentare

Von Victor am .

Liebe Annabel, da steckt Erfahrung, Erkenntnis und Wollen dahinter, willkommen in der Charakterschmiede. Schmerzen sind Nichts im Vergleich zu der Belohnung die uns erwartet. Noch weiter solche Erfahrungen wünsche ich Dir und mir.

Von Josef am .

Gute Andacht die ermutigt auf dem richtigen Weg zu bleiben - auch wenn es mal schmerzt. Vertrauen ist angesagt!. Danke Annabel

Von Maite am .

Wow, was fuer eine auf den Punkt gebrachte Analyse und welch klare Worte. Damit kann ich viel anfangen.


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