Andacht zum Monatsspruch Dezember

Wann wird es endlich hell?

Warum es sich lohnt auf Gott zu warten. Andacht zum Monatsspruch Dezember.

Wenn ich mich in diesen Dezembertagen auf den Weg zur Arbeit mache, ist es immer noch dunkel. Das fördert nicht gerade meinen Tatendrang. Und meine Zuversicht bleibt lieber noch im Bett. So empfinde ich das jedenfalls. Da kann ich nur losfahren und darauf warten, dass es hell wird − irgendwann.

So ähnlich beschreibt ein Mensch seine Situation vor Gott. Nachzulesen in Psalm 130,6. Dort heißt es: „Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen; mehr als die Wächter auf den Morgen.“ Psalm 130 gehört zu den Liedern, die auf dem Weg zu den jüdischen Festen in Jerusalem gesungen wurden. Dieses Lied beschreibt die Situation eines Menschen, der aus der Tiefe zu Gott ruft (Vers 1), der Gott eindringlich darum bittet, sein Flehen zu hören (Vers 2).

Vergebung, Gnade und viel Erlösung – das finden wir bei Gott

Dem Beter ist dabei eines ganz klar: Wenn Gott einem Menschen dessen Sünde nicht vergibt, dann kann er vor Gott nicht bestehen. Dabei ist Sünde zunächst einmal unser Misstrauen Gott gegenüber. Und das sitzt tief in uns drin. „Ob Gott mich wirklich wahrnimmt? Ob er wirklich gut ist? Ob er mir wirklich beisteht?“ Und aus diesem grundlegenden Misstrauen erwachsen dann auch die Gedanken, Worte und Taten, die gegen Gottes Willen verstoßen. So wird jeder von uns schuldig, an Gott und an seinen Mitmenschen. Vielleicht sogar an sich selbst.

Doch der Schreiber unseres Psalms weiß: Bei Gott ist die Vergebung aller Sünden (Vers 4). Bei Gott ist Gnade und viel Erlösung – so heißt es wörtlich. Und das meint: Gott ist gerne bereit, Menschen loszulösen von ihren Sünden, freizumachen von ihrer Schuld (Verse 7-8). Dabei fällt mir auf: Die Vergebung, die Gnade und die Erlösung, die Loslösung von unseren Sünden − das alles ist bei Gott zu finden. Und dort bleibt das auch. Sie und ich, wir können nicht zu Gott kommen, die Gnade und Vergebung empfangen, und dann wieder gehen. Gott ist kein Supermarkt. Gnade und Vergebung sind bei ihm und untrennbar mit ihm verbunden. Suche ich Vergebung, dann kann ich sie nur erfahren, wenn ich mich ganz auf Gott einlasse, mit meiner ganzen Person, mit allem, was ich bin und habe. Mit anderen Worten heißt das: Suche ich Vergebung, Gnade und Erlösung, dann gelingt das nur, wenn ich Gott selbst suche. Und zwar mit meinen ganzen Menschsein, mit meiner ganzen Seele.

Sehnsüchtig warten − auf Gott

Davon ist hier auch die Rede. In Vers 6 heißt es: „Meine Seele“. In der Sprache der Bibel meint Seele meist den Menschen als Ganzes. Also den Menschen mit seinem Körper und mit seinem Inneren. Mit seinem ganzen Menschsein, mit jeder Faser seiner Existenz wartet er auf Gott − der Autor des 130. Psalms. Er sehnt Gottes Gegenwart mehr herbei als die Wächter den Morgen herbeisehnen.

Wenn Sie einmal eine Nachtwache durchgestanden haben, kennen sie vermutlich die Sehnsucht nach dem Morgen. Ich habe als Soldat diese Erfahrung schon mehrfach gemacht. Der Körper und auch die innere Spannkraft sind komplett an der Belastungsgrenze. Und der Morgen, das Ende der Wache, sie wollen einfach nicht kommen. Aber dann, oftmals ganz plötzlich, merkte ich: Es ist ja schon hell. Das Ziel ist erreicht. Und so ist das auch mit dem Warten auf Gott. Da müssen wir manchmal warten, ausharren – also beharrlich darauf vertrauen: Gott kommt, auch wenn es manchmal dauern kann. Aber Gott kommt so sicher wie der Morgen nach der Nacht.


Kommentare

Von Anne am .

Ich bin so verzweifelt, das macht mir Mut.
Woher kommt die Hilfe ? Sie kommt von Gott.
Danke für diese Andacht.

Von Theresita am .

Danke für ihre Gedanken zum Vers 6 von Psalm 130. Sie werden mich durch die kommenden Adventstage begleiten.
Veni domine Jesu!


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