Erfahrungsbericht Lesezeit: ~ 5 min

Ich habe ein Problem mit Gott

Gottesbilder in meiner persönlichen Biografie. Ein Erfahrungsbericht – Teil 1.

Haben Sie manchmal auch ein Problem mit Gott? Besonders wenn Sie an die weltweite Ungerechtigkeit und Gewalt denken? Oder wenn Sie Gott um Hilfe gebeten haben und es noch schlimmer wurde? Dann tauchen ernsthafte Fragen und Zweifel auf. Kaum jemand wurde noch nie von Gott enttäuscht.

Eigentlich steckt in „ent-täuscht“ schon die Antwort: Ich habe mich getäuscht, meine Erwartung traf nicht zu. So wie ich mir Gott vorgestellt hatte − also mein Gottesbild − scheint nicht richtig gewesen zu sein, zumindest nicht in allen Punkten.

Gottesbilder oder Vorstellungen, wie Gott ist, wird es mehr geben, als es Menschen gibt. Zumindest wenn ich von mir auf andere schließe und meine Biografie dabei betrachte. Von daher spüre ich, dass es weder mit drei noch mit zehn Punkten erfassbar ist, welche Gottesbilder es gibt, und erst recht nicht, welches Bild von Gott das richtige ist. Etwas leichter finde ich zu sagen, welches Bild nicht zum Gott der Bibel passt.

Ich erzähle einmal von meiner kleinen Lebensreise mit und ohne Gott.

Der Bilderbuch-Jesus

Meine Eltern waren überzeugte Christen und so war Gott immer ein Thema, solange ich mich erinnern kann. Es war selbstverständlich, vor dem Essen zu beten. Einmal hatte ich als Kind einen Freund zum Essen eingeladen und mein Vater dankte Jesus für die Speisen. Völlig irritiert fragte mein Freund „Habt ihr das Essen nicht gekauft?!“ Ich war ebenso erstaunt, dass mein Freund von Jesus keine Ahnung hatte.

Wenn ich mich verletzt hatte, gehörte neben der Wundversorgung immer ein Gebet meiner Eltern um Heilung dazu. Und ich weiß, dass viele Wunder passiert sind, zum Beispiel litt ich als Kind unter Asthma und Nesselfieber und bin nun schon seit vielen Jahren völlig geheilt.

Meine Jesus- und Gottesvorstellung war damals geprägt von schönen Bildern in christlichen Büchern. Jesus war wie ein normaler Mensch und doch ganz anders, weil er Wunder tun konnte. Und Gott war sein Vater, den ich mir entsprechend ähnlich, nur etwas älter vorstellte.

Der himmlische Polizist

Ich lernte als Kind aber auch Christen kennen, die Lieder sangen, wie „Pass auf kleines Auge was du siehst, denn der Vater in dem Himmel schaut herab auf dich“. Ich spürte damals, dass andere Menschen sich bei Gott nicht so wohlfühlten wie ich und kriegte auch ein wenig Angst.

Meine Eltern waren in einer sehr konservativen christlichen Gemeinschaft und dort kriegte ich als Kind immer mehr mit, dass Gott ein Richter ist und keine Sünde übersieht. Er sei auch gnädig und Jesus habe für unsere Fehler bezahlt. Aber mein Gottesbild wurde mit der Zeit eher ernst.

Als Jugendlicher hatte ich immer mehr das Gefühl, dass Gott ein Spielverderber ist. Fast alles, was ich „geil“ fand, mochte Gott nicht oder hatte er sogar verboten. Ich betete zwar täglich in einem Satz kurz um Vergebung und Bewahrung, aber sonst wollte ich mit Gott-Polizist möglichst wenig zu tun haben, genau wie mit der richtigen Polizei wegen meinem frisierten Mofa und anderen Hobbies.

Der zu liebe Gott

Ich litt manchmal unter Ablehnung durch meine Umgebung. Ich spürte mich Starken ausgeliefert und machtlos. Und ich nahm auch viel Ungerechtigkeit wahr, die andere erleiden mussten. Irgendwie war mir in diesen Situationen Gott zu lieb, zu geduldig oder zu desinteressiert. Auf jeden Fall tat er oft nichts in Richtung Gerechtigkeit, wie ich das wahrnahm.

Also musste ich mich selbst wehren. Ich interessierte mich für Kampfsport und Waffen. Ich entwarf Foltermaschinen, um Böse zu bestrafen. Weil mich alles, was mit Feuer zu tun hatte, so faszinierte, bastelte ich Sprengkörper und experimentierte mit Bomben, um selbst für Gerechtigkeit oder zumindest Rache sorgen zu können. Gott sei Dank bewahrte Gott mich aber vor größerem Blödsinn.

Gott, der Herr

Mit 18 wurde mir durch den Vergleich von biblischen Prophezeiungen und der Entwicklung in der Weltgeschichte plötzlich bewusst: Gott steht zu seinem Wort! Mir wurde beim Betrachten klar, dass ich nicht vor Gott bestehen kann, und dass er kein Okay zu meinen Lebenswandel geben kann. Mein Leben und Handeln hat in jedem Fall Konsequenzen – positiv oder negativ.

So entschied ich mich ganz bewusst für ihn und ein Leben nach seinen Gebrauchsanweisungen. Ein übernatürlicher Friede und unbeschreibliches Glück erfüllten mich. Ich fühlte mich wieder wohl bei Gott. Zumindest für ein paar Monate.

Der Leistungsgott

Ich wurde ein eifriger Jesus-Nachfolger, verschlang Bücher und hörte Vorträge über kompromissloses Christsein. Mein Gottesbild wurde wieder ernster und ich spürte plötzlich einen enormen Leistungsdruck. Meine Überzeugung damals war, dass Jesus mir durch sein Sterben am Kreuz das Ticket zum Himmel gegeben hat. ABER nun war es meine Sache, untadelig, entschlossen und selbstlos den Weg durchs irdische Leben zu gehen und dabei immer heiliger zu werden. Wenn nicht, könnte mir das Himmels-Ticket wieder abgenommen werden. Ich verlor die Freude am Christsein und am Glauben. Es war nur purer und „vernünftiger“ Gehorsam. Kein Spaß, nur Zwang.

Ich konnte das nicht so richtig einordnen, denn immer wieder traf ich Menschen und erinnerte mich an frühere Bekannte, die mein Leistungsproblem mit Gott nicht hatten. Sie hatten offensichtlich Gott von einer anderen Seite kennengelernt, denn sie hatten die „Gnade“ oder das „Evangelium“ verstanden. Sie freuten sich an einer entspannten, schönen Beziehung zu Gott, sie waren glückliche Christen.

Der gnädige Gott

Meine Frau sehnte sich auch nach einer andern Qualität Christsein und Gottesbeziehung und fand Konferenzen, die uns auf der Suche weiterbrachten. Schließlich gingen uns die Augen auf für das, was „Gnade“ wirklich bedeutet. Es hieß einerseits eine enorme Entlastung vom Leistungsdruck. Andererseits flogen religiöse Krücken, vermeintliche Glücksbringer, Stolz auf Eigenleistung, Ehrgeiz und Ehr-Diebstahl gegenüber Gott auf.

Der himmelweite Unterschied zwischen „Religion“ und „Evangelium“ wurde uns bewusst. Bei jeder Religion, auch einer christlichen, muss der Mensch etwas leisten und sich letztlich den Himmel selbst verdienen. Das Evangelium bedeutet dagegen, dass Gott alles getan hat und es ihm auf eine ganz tiefe, persönliche Beziehung ankommt und nicht auf Leistung. Aber IHM soll auch alle Ehre und unser ganzes Vertrauen gehören.

Ein paar Jahre lang war mein Bibellesen auch mit einem gewissen Leistungsdenken verbunden und ich musste mich immer wieder daran erinnern, dass die Bibel ein Liebesbrief von Gott an mich ist. Er will eine ganz persönliche Beziehung mit mir haben und mich ganz persönlich ansprechen, weil er mich liebt und ich ihm wichtig und wertvoll bin. Inzwischen habe ich die Bibel über ein dutzend Mal in unterschiedlichen Übersetzungen durchgelesen und dabei wurde mein Gottesbild laufend erweitert. Und ich bin sicher, dass meine Gott-Entdeckungsreise bis zum Ende meines Leben weitergeht.


Zur Vertiefung des Themas Gottesbilder empfehlen wir Ihnen unsere Themenseite: Gott, wer bist du?

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