Andacht

Eine Wohnung, aber kein Zuhause?

Sieben Gedanken zur Frage: „Wo sind wir zuhause?“ Eine Andacht.

Ich sitze im Auto und bin auf der Fahrt nach Hause. Wo ist zuhause? Vor mir fährt ein Auto mit dem Werbeaufdruck „Häusliche Krankenpflege Zuhause“. Und die Konkurrenz vor Ort heißt „Daheim“. Wo sind wir zuhause, wo daheim? Die Frage begegnet uns, wenn wir Dokumente beantragen oder uns den Internetkauf nach Hause liefern lassen wollen. Wo sind Sie zuhause? Wie viele Menschen haben eine Wohnung, aber kein Zuhause? Wo ist Ihre innere Heimat?  Anbei sieben wertvolle Gedanken zum Thema Heimat.

Heimat – ein bedrohter Ort der Geborgenheit

1. Jeder Mensch braucht eine Heimat. Alle Menschen haben Grundbedürfnisse wie Essen und Trinken oder Schlafen. Ohne diese Dinge ist kein Leben auf Dauer möglich. Und jeder Mensch braucht auch eine Heimat. Aber was ist „Heimat“?

2. Heimat ist eine Frage des Ortes und der Geborgenheit. Heimat − das ist für viele der Ort, an dem sie geboren und aufgewachsen sind. Hier liegen ihre Wurzeln und vielleicht haben sie diesen Ort zeitlebens nicht verlassen. Gleichzeitig ist Heimat auch der Platz, wo Menschen geborgen sind und sich sicher fühlen. Hier können sie sagen: Hier bin ich Mensch, hier kann ich sein.

3. Heimat kann man verlieren. Diese Heimat kann bedroht sein. Es gibt Millionen Vertriebene oder Flüchtlinge, die ihre Heimat verloren haben. Oder äußere Umstände machen einen Wegzug aus der Heimat nötig. Dann ist auch die eigene Geborgenheit gefährdet, sowohl innerlich als auch äußerlich. Milliarden von Menschen haben ihr Zuhause verloren. Selbst wenn sie äußerlich ein Zuhause zu haben scheinen, sind sie innerlich heimatlos und fühlen sich unbehaust ohne Schutz nach draußen.

4. Doch Heimat kann man auch (wieder)finden. Die Suche nach einer neuen Heimat kann gelingen,  wenn Menschen Zeit bekommen, ihre Wurzeln an einem neuen Ort zu schlagen. Wenn Beziehungen zu Menschen wachsen, wenn Vertrauen Zeit bekommt sich zu entwickeln.

Gott versteht uns und das schafft Heimat

5. Hierbei gilt: Heimat ist, wo ich verstehe und verstanden werde. So hat es der deutsche Philosoph Karl Jaspers treffend zusammengefasst. Die Soziologen definieren diese Tatsache so: „Heimat ist da, wo Menschen und Umstände ein festes Maß an Sicherheit und angstfreier Entfaltung garantieren können, wo das soziologische Umfeld eine Verwurzelung in Bezug auf Ort und Geborgenheit möglich machen.“ Wichtig ist vor allem: Wo ich mich offen mitteilen kann, wo man Interesse daran hat, mich als Mensch zu sehen und zu verstehen, da entsteht Heimat.

6. Heimat ist „beim Vater“. Gott, der uns Menschen gemacht hat, weiß: Jeder Mensch braucht diesen Platz, wo er zutiefst versteht und verstanden wird. Er lädt uns ein, nachhause zu kommen − zu ihm. Wer sich bei Gott aufhält, beginnt zu verstehen, was bisher im Dunkel bleiben musste. Er beginnt zu verstehen, was es heißt, wirklich zu leben. Bei Gott werden wir tiefer verstanden, als es je ein Mensch könnte. Mit unserer Angst und unserem Übermut. Mit unseren Fragen und Gefühlen, unseren Empfindungen und unserer Schuld. Mit allem, was zu uns gehört.

7. Leben heißt „Nach-Hause-kommen“. Wer diese Welt zu seiner Heimat macht, stirbt in der Fremde. Denn in der Bibel steht ganz deutlich: Wenn wir Kinder Gottes sind, ist diese Welt nicht unsere Heimat, auch wenn wir es uns hier schön einrichten. Gott dagegen wünscht sich unser Leben so: Dass wir auf dem Weg zu ihm und der Gemeinschaft mit ihm sind und dort unsere Heimat suchen und finden. Bevor er in den Himmel aufsteigt, verspricht Jesus seinen Nachfolgern: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Ich gehe jetzt voraus, um einen Platz für euch vorzubereiten.“ (Johannes 14, 2). Dieses Versprechen gilt auch uns. Im Himmel, bei Gott, ist unsere tiefste, zukünftige, nicht endende Heimat!

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Kommentare

Von Birgit am .

Ich empfehle zu diesem Thema das wunderbare Buch von Daniela Mailänder: "Herzheimat". Unvergleichlich schön geschrieben und voller guter Gedanken.

Von G. W. am .

Sehr bestätige ich, daß wachsende Beziehungen dort, wo man lebt, auch das Heimatgefühl wachsen lassen. Wenn jedoch die Erwartungen an Gemeinde oder Hauskreis groß sind und enttäuscht werden, kann es neu eine Krise der Heimatsuche geben, bis man da Frieden findet... notfalls zu hohe Erwartungen loslassen, das kann versucht werden. Ohne wachsende Beziehung zu JESUS ist das wohl nicht möglich.

Von Helga G. am .

Wohne jetzt seit 6 Jahren in meiner Wohnung, aber als ein Zuhause habe ich es bisher nicht empfunden. Jetzt weiß ich warum.
Danke Papa (Gott), dass du für mich da bist und mir ein Zuhause gibst.

Von Elke G-S am .

Sehr schöne Ergänzung meiner Urlaubsreflektionen bezüglich Inselkirchen und Kirchen in Braunkohle-Abbaugebieten! Auch hier gibt es manchmal verlorene Heimaten und Umzüge, damit Kirchen und Gemeinden Orte der äußeren und inneren Sicherheit bleiben können, solange wir unterwegs sind.

Von Renate C. am .

Sehr gut ausgedrückt!


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