Andacht

Gott ist unsichtbar

ELBISIVNI rückwärts heißt: Invisible – unsichtbar. So ist Gott. Ein Problem?

Vom 26. September letzten Jahres bis zum 24. Januar war es im Ständehaus in Düsseldorf zu besichtigen: „The Problem of God“ − das Problem Gottes. So lautete der Titel einer Ausstellung mit ungefähr 120 Werken zeitgenössischer Künstler. Zu sehen waren Werke, die Bezug nehmen auf christliche Symbole oder Themenfelder.

Der Ausstellung den Titel gegeben hatte ein Werk des Tschechen Pavel Büchler. Seine Installation dabei war ein Buch ohne Titel, in dessen Seiten er eine Vergrößerungslinse geschoben hat. Spiegelbildlich und vergrößert ist zu lesen: ELBISIVNI. Liest man es rückwärts, ergibt sich das aus dem Lateinischen stammende Wort „invisible“ − unsichtbar. Die englische Formulierung „The Problem of God“ kann im Deutschen beides bedeuten: dass Gott das Problem ist oder dass er eins hat. Und beide Male hat es mit seiner Unsichtbarkeit zu tun.

Gott ist das Problem und er hat ein Problem

Wir können Menschen sehen, die an Gott glauben: die Christen. Wir können ein Buch lesen, das von Gott berichtet: die Bibel. Wir können ein Produkt bestaunen, das Gott gemacht haben soll: die Schöpfung. Wir können das Morden anprangern, das sich auf Gott berufen hat: die Kreuzzüge. Aber wir können Gott nicht sehen. Und damit wird alles problematisch: Gibt es ihn denn überhaupt? Ist er am Ende eine große Erfindung von ungeheuer kreativen Menschen?

Das sind beileibe keine neue Fragen. Gott ist das Problem. Weil Gott unsichtbar ist, sind diese Fragen bis heute nicht verstummt. Aber mit der Zeit sind sie immer leiser geworden. So leise, dass sie heute fast nicht mehr zu hören sind. Und damit hat Gott, wenn es ihn doch gibt, ein Problem: Keiner interessiert sich für einen Unsichtbaren! Oder doch? Oder doch gerade für einen Unsichtbaren?

Gott ist unsichtbar − und das ist auch gut so!

Gott ist unsichtbar. Das hat Pavel Büchler sehr eindrücklich dargestellt. Im zweiten Teil der Bibel steht ein Satz, der beim ersten Lesen irritiert und verwirrt: „Wir sehen nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.“ (2. Korinther 4,18). Dieser Ausspruch stammte von einem, der von der Wirklichkeit und Existenz Gottes überzeugt wurde, als er gerade zeitweise erblindet war. Er lernte, dass es neben den Augen im Kopf auch die Augen des Herzens gibt, mit denen er das Unsichtbare sehen konnte.

Und dann schiebt der Autor eine Begründung nach, die uns modernen wissenschaftsgläubigen, aufgeklärten und zeitvergessenen Menschen so schwer einsichtig ist: Alles, was wir sehen, ist endlich. Alles, was wir wissenschaftlich erfassen können, ist endlich. Unsere Häuser verrotten, unsere Gesellschaftsformen sind irgendwann überholt, unsere Körper und unser Leben sind bei und trotz aller Pflege vergänglich. Nur der unsichtbare Gott und seine Welt überdauern alles und sind ewig. Bitten wir doch gemeinsam Gott, uns den Blick auf das Unsichtbare zu gewähren. ELBISIVNI – Unsichtbar. So ist Gott. Das ist ein Problem – und gleichzeitig ist das gut so.


Kommentare

Von Gast am .

Unsichtbar, weil die Herzen der Menschen verhärtet sind. (Nach meinen Erfahrungen besonders stark in Deutschland).
Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm. (1. Johannes 4,16b)


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