Andacht zum Monatsspruch

Wer nicht vergibt...

…schadet vor allem sich selbst. Eine Andacht zum Monatsspruch Februar.

„Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemanden habt, damit auch euer Vater, der in den Himmeln ist, euch eure Übertretungen vergebe.“ Markus 11, 25

Was für eine bizarre Vorstellung. Die Kausalität zwischen selbst vergeben und von Gott vergeben bekommen, löst schnell die Frage nach der konditionslosen Gnade Gottes aus. Die ist uns ja versprochen, auf sie können wir uns verlassen. Stimmt auch. Gottes Gnade hängt nicht von unserem Tun ab. Wenn sie es täte, wäre es keine Gnade mehr. Wir können sie nicht erwirken. James I. Packer schrieb dazu: „Wir können nichts tun, damit Gott uns mehr liebt. Wir können aber auch nichts tun, dass Gott uns weniger liebt.“

An diese unglaubliche Wahrheit muss ich immer wieder denken. Und das muss ich deshalb, weil sie mir hilft, Gott, mich selbst und die Menschen um mich herum besser zu verstehen. Ich bin schließlich einer, der die Gnade Gottes, also seine unverdiente Freundlichkeit inklusive kompletter Schuldenvergebung, von Grund auf genießt. Ich könnte ohne diese Haltung Gottes nicht leben. Ohne sie wäre ich zum Scheitern verurteilt. Aber genau das wendet die Gott durch seine Vergebung ab.

Wenn ich also mit Gott im vertrauten Zwiegespräch bin, dann kann ich nicht an der komplexen Herausforderung vorbeischauen, dass es möglicherweise Menschen gibt, die mir wehgetan haben und die ich nun bewusst oder unbewusst, durch mein Festhalten an deren Schuld bestrafen will. Es war auf dem Gästeklo in der Wohnung von Bekannten, als mir eine Postkarte mit folgendem Spruch ins Auge fiel: „Wer nicht vergibt, bestraft nur sich selbst.“.

Es ist meine Entscheidung, wie ich mit der Schuld anderer umgehe

Wir Menschen haben bisweilen eine sehr eigenwillige Definition davon, was es heißt, etwas zu tun. Wir berufen uns darauf, dass unser Handeln im Sinne des großen, gültigen Sola Gratia keine Auswirkung darauf haben, wie Gott uns sieht. Aber wir sollten nicht den Fehler begehen zu glauben, dass uns damit eine harte Haltung des eigenen Herzens erlaubt wäre.

Vor einigen Jahren war ich in der Situation, dass ich jemandem Schuld zuwies. Natürlich berechtigt, aus meiner Perspektive jedenfalls. Es war eine schwere Schuld, die in der Konsequenz mein Leben komplett umgestaltet hat. Deshalb hegte ich großen Groll auf den, der mir das angetan hatte. Mitten in dieser Zeit des Grolls sollte ich in einem völlig anderen Kontext eine Predigt in einer Reihe halten. Das Thema war vorgegeben und hieß Vergebung. Dabei bildeten just die Worte aus dem Markusevangelium Kapitel 11 die Grundlage. Und die sagten mir ganz klar: Wenn ich dem anderen die Schuld nicht vergebe, schade ich mir selbst, weil mein Herz hart wird und leidet. Es leidet auch deshalb, weil Gott sich festlegt: Wenn ich nicht vergebe, vergibt er mir auch nicht. Meine Wahl.

Ich war erschüttert, als mir klar wurde, dass, egal, was andere mir angetan hatten, ich es war, der entscheidet, wie meine Seele weiter lebt und atmet. In wild tobendem Aufruhr oder in zur Ruhe kommender Sorgfalt. Wer nicht vergibt, bestraft sich selbst. Vor allem auch damit, dass Gott das eigene Schuldenkonto nicht ausgleichen kann. Weil der Zugriff verweigert ist.


Kommentare

Von Gast am .

Zum Thema Vergebung: "Ich kann die Jesusfilme empfehlen, denn sie heilen die Seele, und zeigen obendrein auch noch das unverfälschte Evangelium."

Von Valentina am .

Friede sei mit euch.
Dieses Thema ist sehr schwierig und nicht so schnell aus dem Kopf zu schaffen.
Ich wurde selbst von eigener Mutter und einzigem Bruder und meinem Mann mit dem ich zusammen lebe stark verletzt.
Ich empfehle euch ein Buch: Herr, ich bin Verletzt von Sylvia Plock.
Mir ist wichtig geworden, dass unsere Reaktionen sehr wichtig sind. Ja, ich kann zornig werden, aber es darf mich nicht zur Sünde verleiten.
Eins ist mir klar geworden aus meiner Geschichte, ich darf mich nicht auf mehr

Von Katharina am .

Liebe Mona,
vergeben ist nicht das gleiche wie versöhnen! Wenn du vergibst, dann hilft das dem Täter erst mal gar nichts. Aber du lädst Gott ein, deine Wunden zu heilen. Das Wort Gottes sagt aber noch mehr: Wir sollen nicht nur vergeben, sondern den Feind auch noch segnen. Also ihm auch noch Gutes wünschen, obwohl er seine Tat nicht bereut?! Doch auch der Segen nimmt ihm die Schuld nicht ab. Aber ich sage damit, dass ich mir wünsche, dass Gott an ihm arbeitet, ihn von der Schuld überführt und mehr

Von Mona am .

Vergebung ohne Reue, ohne Buße macht wenig Sinn. Der Täter soll zu Umkehr bereit sein, seine Taten wie auch Sünden BEREUEN! Man soll stets bereit sein zu vergeben, nur wenn der Täter bereit ist sich zu bekennen. Wir können nicht barmherziger sein als Gott, den auch Gott vergibt uns unsere Sünden, wenn wir sie bereuen und um Vergebung bitten. Ein Täter der nie Reue für seine schlimmen Taten zeigt, keine Vergebung sucht, dem kann man einfach so nicht vergeben! Wenn wir es tun, sprechen wir den mehr

Von Katharina am .

Liebe Maria,
so wie dir geht es mir auch. Die "Schuldner" bitten nicht um Verzeihung, im Gegenteil, sie halten an der "Schuld" weiterhin fest. Aber ich habe das mit dem Kästchen gemacht. Mein Wille stand fest und ich habe es ernst gemeint. Ich habe die Schuld auf einen Zettel geschrieben, darüber gebetet und die Menschen gesegnet und alles an Gott übergeben. Und Gott war treu und hat mir sofort geholfen! Die Situation hat sich noch nicht verändert und vergessen werde ich es auch nicht, aber die mehr

Von Ulrich H. am .

Ich kann mich dem, was Frau Sauer sagt, nur anschließen. Manche machen es sich z.T. einfach mit dem Vergeben,da wurde mir z.B. gesagt "Vergeben ist keine Option, das müssen wir tun!" Als ob es so einfach ist. Bei manchen Menschen sollte man vergeben im Sinne von "ich hake das ab und gebe es Gott". Man kann auch beten "Herr, ich möchte vergeben, aber kann es nicht. Ich glaube, hilf meinem Unglauben." Ich denke, dass Gott das hört. Bei manchen vergibt man, meidet aber den Anderen trotzdem, weil mehr

Von Maria am .

Ich stehe auch in solch einer Situation. Wie ist das: vergibt Gott pauschal, oder nur dem, der seine Schuld einsieht u. ihn um Gnade bittet? Wenn meine "Schuldner" mich um Verzeihung bitten, dann kann ich das auch tun, aber so ohne weiteres pauschal vergeben? Die Bereitschaft ist da, aber ich weiss nicht wie ich das vergessen soll was mein Leben zerstört hat.
Kann mir jemand meine o.g. Frage beantworten? Danke

Von Ingrid Sauer am .

Liebe Katharina, vergeben und vergessen ist nicht das Gleiche. Wir sollen "nur" vergeben, vergessen kann man nicht "machen".Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass nach ausgesprochener Vergebung der Schmerz des erlittenen Unrechts weniger stark ist und ganz allmählich verschwindet.Ich wünsche dir, dass auch du diese Erfahrung machst. Meine Relegionslehrerin sagte einmal: Unrecht leiden ist besser als Unrecht tun. Daran musste ich oft denken, obwohl meine Schulzeit vor 62 Jahren endete. Liebe Grüße von Ingrid

Von Gast am .

Gebt Raum dem Zorn Gottes, denn es steht geschrieben. "Mein ist die Rache. "Ich werde vergelten, spricht Gott der Herr."
Lass uns bedenken das wir sterben müssen, damit wir klug werden." Es nützt nichts auch nur irgendeinen Groll festzuhalten.

Von Katharina am .

@Ella C.: Danke für deinen Ratschlag und deine Ermutigung. Mir geht es so, wie du es schreibst: Kontakte zu Geschwistern sind zerstört, ich stehe mit dem Rücken zur Wand und wünsche mir einen Neuanfang. Ich weiß, dass bei Gott die Gnade jeden Tag neu ist, aber bei Menschen bekommt man selten einen neuen Anfang.
Ich werde das mit dem Kästchen versuchen.
@alle anderen: Vielen herzlichen Dank für eure Ermutigung. Ich wünsche euch Gottes Segen!

Von Gisela B. am .

Liebe Katharina, höre Dir mal diese Geschichte an. " Ich bin das Licht ( die kleine Seele spricht mit Gott. ) "
Der letzte Satz lautet in der Geschichte: Und denke dran, ich habe Dir immer nur Engel geschickt -. Ich wünsche Dir, das Du durch diese Geschichte erkennst ,das Du zu diesem Leben Ja gesagt hast,um ganz frei zu werden . Ich bin sehr dankbar, das ich verstanden habe, das alle Begegnungen mit Menschen die mich sehr verletzt haben, für mich wichtig waren, um was zu verändern bei mir. mehr

Von Reimer am .

Hallo, Katharina,
ein Kollege hatte hinterrücks und ohne mit mir zu sprechen, versucht, mich aus der Firma schmeissen zu lassen.Ich war beleidigt und sauer, wusste aber, dass ich als Christ vergeben sollte. Ich habe es vor Zeugen getan und ihn gesegnet. Viele Tage hat mein Mund ihn gesegnet und mein Herz ihm Schlechtes gewünscht, so wie er es nach meiner Gefühlslage verdient hatte. Ich habe Jesus gesagt, wie es ja auch war: Mein Mund segnet, mein Herz wünscht ihm Schlechtes. Ich werde weiter mehr

Von Ella C. am .

Hallo liebe Katharina, das ist eine schwere Last, die man im Herzen immer mit sich trägt. Ich habe vor Jahren viel für meine persönliche Familiensituation gebetet. Kontakte zu Geschwistern waren abgebrochen oder beschädigt. Dann las ich den Rat mit dem Gebetskästchen. Ich war skeptisch. Aber ich stand auch mit dem Rücken an der Wand und wünschte mir nichts mehr als einen Neuanfang. Ich konnte aber auch nicht mehr jeden Tag diese Probleme aufrollen, weil die gedankl. Belastung dann größer mehr

Von Dorothea am .

Danke für die klare Botschaft .

Von Werner K. am .

Dem Andern zu vergeben ist mir schon gelungen. Was mich dennoch beunruhigt: Vergeben habe ich dem Andern aber die Angelegenheit vergessen konnte ich nicht. Immer wieder taucht sie aus irgendeinem Anlass wieder im Gedächtnis auf, trotz meiner Vergebung, zwar ohne negativen Gedanken - baer ich würde es auch zu gerne vergessen.

Von silvia am .

Liebe Katharina,
das mit dem Vergeben ist sicher ein schweres Stück und wer nachträgt hat bekanntlich ja schwer zum Tragen. Ich habe es so erfahren, dass ich alles auch meine Wut und meinen Schmerz über Unrecht einfach Jesus hingelegt habe und die Entscheidung getroffen habe, dieses alles loszulassen! In Gottes Hände zu legen, denn wem ich die Schuld gebe, dem gebe ich auch die Macht in meinem Leben. Und die soll und darf nur einer haben. Gottes Segen für Dich !!

Von Libby am .

@ Katharina: Ich glaube es ist schwer, einen Rat zu geben, wenn man deine Situation nicht kennt, was diese Personen denn konkret getan haben

Von Katrin am .

Liebe Katharina, nur zu gut kenne ich ähnliche Gefühle!!! Ich werde jetzt nicht weiter ausführend , da du um Rat gebetn hast. Suche dir eine gute Seelsorgerin oder christliche Beraterin. Bei mir lag der Vergebungsprozeß nicht im hier und jetz , sondern im vergangenen. Gehe mit Gott und der externen Hilfe in die Spur und es wird sich viel verändern. Gottes Segen.

Von Katharina am .

Soweit bin ich auch schon gekommen.
Ich weiß, was ich tun soll: Vergeben.
Ich weiß warum: damit Gott mir meine Sünden vergibt.
Bis dahin ist alles einfach. Jetzt bleibt nur die Frage nach dem Wie.
Bei mir sind es zwei Leute, die gemeinsam eine schwere Schuld auf sich geladen haben und wesentliche Teile meines Lebens zerstört haben. Und da sie ihren Fehler nicht einmal einsehen, scheiterte auch der Versuch der Versöhnung.
Aber wie geht die Vergebung jetzt praktisch? Ich spreche zwar immer mehr


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