Schwerpunktthema Gebet

Die Chance der Verpflichtung

Beten auf Ansage hilft, gegen den inneren Gebets-Schweinehund anzukommen.

Beten auf Knopfdruck – geht das? Also beten, obwohl mir gerade nicht danach ist? Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr denke ich, es geht. Mehr noch: Ich brauche den Knopfdruck. Aber eins nach dem andern.

Das Gebet gehört zu meinem Beruf. Ich habe sogar dafür unterschrieben. Der Hintergrund ist meine Arbeit bei ERF Medien, zu der morgendliche Kurzandachten gehören. Die Teilnahme ist laut Arbeitsvertrag verpflichtend. Außerdem gibt es Gebetssendungen wie z. B. die Reihe [email protected] bei Calando, bei der ich hin und wieder mitmache. Zwei Stunden lang ist es meine Arbeit zu beten.

Die Reaktion meiner Bekannten und Freunde auf diese Gebetszeiten ist unterschiedlich. Von „Beten in der Arbeitszeit – wie cool ist das denn?“ bis „Ihr müsst ja Zeit haben, den Luxus würde ich mir auch gerne mal gönnen!“ gibt es alles. Tatsächlich kann man es unterschiedlich sehen. Meine Überzeugung: Ich arbeite in einem christlichen Unternehmen. Und zu einer geistlichen Arbeit sollten Zeiten des gemeinsamen Gebets gehören. Wahrscheinlich beten wir sogar noch zu wenig. Aber das ist ein anderes Thema.

Wie wir geistlich etwas bewegen

Sind diese Zeiten Chance, Luxus oder Verpflichtung? Aus meinem Alltag weiß ich, sie sind nicht nur Chance. Denn es ist nicht leicht, jahrelang zur gleichen Zeit das Gleiche zu tun. Darin auch noch ein Vorrecht zu sehen. Vor allem nicht, wenn ich müde bin oder die Zeit für die nächste Produktion gut gebrauchen könnte. Und mir drängt sich der Gedanke auf: Ist es richtig, sich dann zum Gebet zu zwingen? Gott möchte doch, dass ich von ganzem Herzen bete und aufrichtig vor ihm bin!

Das ist richtig, aber nicht die ganze Wahrheit. Zu ihr gehört auch, dass wir beim Thema Gebet manchmal den Gefühlen einen zu großen Stellenwert einräumen. Beten muss mir doch gut tun und mich aufbauen. Wenn ich mich nicht danach fühle, ist es wohl nicht dran. Schließlich will ich total ehrlich und authentisch vor Gott sein. So richtig diese Gedanken sind, sie können kippen. Und zwar in Richtung eines Gebets, das sich nur noch um mich selbst dreht. Mir drängt sich aber der Verdacht auf, wir sollten gerade beim Gebet unsere Befindlichkeiten beiseiteschieben, um geistlich wirklich etwas zu bewegen.

Der Schweinehund ist ein Biest!

Zumindest wiederholt sich in meinem Leben die Erfahrung, dass es sich lohnt, sich aufzuraffen. Ich denke an die wöchentlichen Gebetstreffen während meines Zivildienstes. Donnerstagabend, 20 Uhr. Ein bisschen austauschen, ein paar Lieder, zusammen beten. Es war nichts Besonderes, irgendwann war die Luft raus. Eine Zeit lang habe ich mich hingeschleppt. Und ich habe erlebt, dass gerade diese Abende gesegnet waren. Als ob Gott mir sagen wollte: „Nimm dich, deine Gefühle und deine Müdigkeit nicht so ernst. Da steh ich drüber, ich will dich im Gebet beschenken.“

Es ist heilsam, den Blick von sich weg zu wenden. Nicht umsonst haben sich beim Thema Gebet eine Reihe von geistlichen Übungen im Lauf der Kirchengeschichte entwickelt. Das Gebet zu bestimmten Tageszeiten zum Beispiel. Wozu die Überwindung gehört, früh morgens oder abends, ja nachts zu wachen und zu beten. Ursprünglich geht es bei diesen Gebetsübungen nicht ums Ritual. Beten ohne Unterlass ist das Ziel, zusammen mit der Überwindung meiner selbst. Denn das Fleisch ist schwach. Anders gesagt: Der innere Schweinehund ist ein Biest! Die Verpflichtung aber kann ihn ganz schön aus der Ruhe bringen.

Ich übernehme die Befehlsgewalt

So gehört zum Reden mit Gott die grundlegende Einsicht, dass nicht ich mit meinen Gefühlen und Bedürfnissen der Dreh- und Angelpunkt meines Gebets bin, sondern Gott. Um ihn und seine Prioritäten geht es. Deshalb kann Gebet gerade dann dran sein, wenn mir nicht danach ist. Oder wenn Menschen vor Ort sind, die mir nicht liegen. Lassen wir uns das Gebet mal was kosten! Daraus lässt sich kein Gesetz formulieren. Manchmal ist es ehrlicher oder praktischer, man betet zu einem anderen Zeitpunkt. Jeder muss seinen Weg finden. Ich habe aber die Vermutung, dass etwas mehr Selbstüberwindung und Selbstdisziplin zum Gebet nicht nur mir gut tun würden.

In mir wächst die Bereitschaft, mich von Gott als Beter gebrauchen zu lassen. Ich möchte meiner Lust, meinem Zeitdruck oder meinem trägen Kopf nicht die Entscheidung überlassen, ob ich bete oder nicht. Ich möchte weniger darauf schauen, was mich gerade einschränkt und mich darauf konzentrieren, was einsames und gemeinsames Gebet möglich macht. Ich zumindest erlebe, wie Gott mich trotz widriger Umstände beschenkt. Also: Nicht erst danach fühlen und dann beten. Sondern erleben, dass es umgekehrt mit Gottes Hilfe mindestens genauso gut geht.


„Lesen Sie hier, welche Erfahrungen mit Gebet weitere Mitarbeiter von ERF Medien machen.

„1. Hilfe statt letzte Rettung" von ERF Pop- Leiter Tobias Schier

„Beten ist Atmen“ von ERF Pop Mitarbeiter Simon Kümmling

Im Radio für andere Leute beten von ERF Plus Redakteurin Ingrid Heinzelmaier

„Bin ich schizophren“ von ERF Pop Mitarbeiter Stefan Petersen

„Das erste Mal“ von ERF Medien Volontärin Anna Maria Spieß

„Gebets-Tipps: Top oder Flop?“ von Bettina Schwehn

„Beten im ERF“ von Vorstandsvorsitzenden Jörg Dechert


Sie haben Interesse an weiteren Beiträgen zum Thema „Gebet“? Weitere Beiträge zum Schwerpunktthema  haben wir auf unserer Gebets-Sonderseite zusammengestellt. Dort finden Sie allgemeine Infos zum Thema „Gebet“, Gebetstipps, Gebetserfahrungen unserer Mitarbeiter und Berichte von Gebetsaktionen bei ERF Medien und darüber hinaus.


Kommentare

Von Christiane H. am .

-gute Gedanken zum Gebet- ich fand den
Beitrag so gut, daß ich ihn mir ausgedruckt
habe, um ihn auch mal anderen Christen vorzulesen... danke!

Von Gertrud-Linde W. am .

Danke für Ihren Beitrag, der neu, realistisch und bedenkenswert ist - zum Beherzigen.
Jesus hat seine Jünger nur schwer/kaum zum Mitbeten bewegen können!! Wir haben offenbar durch den Heiligen Geist schon etwas Lernfähigkeit. Und der Leidensdruck verschiedenster Art kann das befeuern, daß wir regelmäßig mit anderen (Betroffenen) beten.
Auch allein und vor allem allein beten stellt auf den Boden der Tatsache, daß geistliche Disziplin erforderlich ist. Mit der Liebe und dem Vertrauen zu JESUS mehr


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