Sehnsucht - Wer liebt mich, wie ich wirklich bin?

Ungenügend! - Ungenügend, denke ich. Das war mal wieder alles voll daneben: Ich war zu laut, zu ungerecht, zu aggressiv, zu wenig liebevoll.

Ungenügend!

Ungenügend, denke ich. Das war mal wieder alles voll daneben: Ich war zu laut, zu ungerecht, zu aggressiv, zu wenig liebevoll.


Ungenügend, eben!
Ich schaff das einfach nicht. Immer wieder tappe ich in die gleiche Falle, immer wieder nehmen mich zwanghafte Gedanken gefangen, rauben mir Kraft und ich stolpere mal wieder über mich selber. Dabei würde ich doch so gerne anders sein: netter, aufbauender, freundlicher, geduldiger.

Und vor Gott?
Da bin ich doch auch ungenügend. Der will mich bestimmt ganz anders haben: sanftmütiger, dienender und was weiß ich noch alles. Alles eben, was ich nicht bin.

Ich bin anstrengend, kompliziert und weiß manchmal gar nicht mehr, wer ich eigentlich wirklich bin.

Mir tut einfach alles nur weh. Ich fühle mich eingeschnürt in ein Korsett aus lauter Erwartungen und Vorstellungen, von mir selber und von anderen. Das nimmt mir die Luft zum atmen.”

All das geht mir durch den Kopf, als ich nach einem Streit vor einigen Wochen im Gottesdienst saß. Und jetzt auch noch eine Predigt, über das Abendmahl (Johannes 13), das habe ich doch schon tausendmal gehört.

Doch irgendwie raffe ich mich auf zuzuhören und plötzlich berührt mich Jesus, ganz sanft, ganz neu, ganz intensiv, ganz tröstlich. Befreiend spricht der Pastor darüber, wie sehr Jesus uns liebt und uns dient ohne auch nur irgendetwas von sich selber aufzugeben. Vor dem Abendmahl wäscht er seinen Jünger die Füße, was damals Sklaventätigkeit war. Und was sind das für Jünger: Glaubenshelden? Hilfsbereite, fromme, vorbildliche Leute? Nein! Jesus liebt sie, leidenschaftlich liebt er sie, seine Jünger: als Verlorene, als Verleugner, als Verräter und als Verletzte. Unglaublich aber wahr. Und er geht noch einen Schritt weiter, er beruft sie sogar, seine geliebten Kinder zu sein, seine befreiende Wahrheit weiter zu geben und ihm zu vertrauen. Jesus beruft uns zu König/innen und Priester/innen (1. Petrus 2,9) oder (wenn wir mit dem Bild nichts anfangen können) zu Kreativen, zu begeisterten Techniker, zu Gärtnern und zu..., egal was auch immer wir sind: zu einmaligen, wunderbaren Menschen. Was für ein wunderbares Bild und Vorstellung Jesus von uns hat. Wow!

Ich möchte das neu erleben und mich so sehen, wie Gott mich sieht. Das gibt meinem Leben Wert, Berufung und auch Gelassenheit. Und es hilft mir, liebevoller und konstruktiver mit meinen Schwächen umzugehen. Es verändert mich und befreit mich.

Ich atme auf!
Gott tut mir unendlich gut!

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