Service-Artikel

Arbeit, die sich lohnt (1)

Wie Sie an Ihren Schwächen arbeiten können.

„Ich bin nun mal so!“ Wie oft haben wir diesen Satz im Streit von unserem Gegenüber gehört – oder selbst gesagt. Wenn wir gestresst sind, unter Druck geraten oder uns bedroht fühlen, kommt eine Seite von uns zum Tragen, die wir sonst gerne verstecken. Weil man seine schlechten Eigenschaften oft nicht bewusst einsetzt, fühlt es sich an, als könne man nichts dafür. Man denkt: „Es ist einfach so. ICH bin so.“

Der Psychotherapeut Jörg Berger ist anderer Meinung: An unseren Schwächen können wir arbeiten. Man muss sich seiner Schwächen bewusst werden, die Ursache für das negative Verhalten finden und dann schrittweise an seinem Verhalten arbeiten. Das kostet Zeit und Mühe. Aber: Wenn wir unsere Stacheln entschärfen, tun wir uns und unserem Umfeld etwas Gutes.

Stachel-Typen

Cover des Buches
Das Buch „Meine Stacheln“ von Jörg Berger ist im francke-Verlag erschienen. Hier kommen Sie zum Buch. Bild: francke.

In seinem Buch „Meine Stacheln. Wie Sie Ihre Schwäche entschärfen“ unterscheidet Jörg Berger zwischen acht grundsätzlichen Schwächen:  Grenzen überschreiten, Blenden, Energie rauben, Abwerten, Einschüchtern, Vermeiden, Rächen und Menschen ohne Stacheln. Es kann sein, dass man sich in mehreren Beschreibungen wiederfindet – mal weniger, mal mehr. Berger zeigt beispielhaft, wie sich Menschen mit gewissen Stacheln verhalten, wo die Ursachen liegen und wie kurzfristige und langfristige Lösungen aussehen können. Dieser Artikel beschäftigt sich mit den ersten vier Stachel-Typen; im nächsten Teil werden die vier übrigen vorgestellt.

Grenzen überschreiten

Sie sind verantwortungsbewusst, beziehungsorientiert und setzen sich hohe Maßstäbe? Das klingt zunächst nach ausschließlich positiven Charakterzügen. Diese werden allerdings zum Problem, wenn man Entscheidungen für andere Menschen trifft. Man meint es nur gut und teilt deswegen im privaten Umfeld Aufgaben zu oder trifft Entscheidungen im Beruf, bei denen andere ein Mitspracherecht gehabt hätten.

Woher diese Prägung kommen kann? Zum Beispiel durch Sätze wie „Geht nicht, gibt’s nicht“ in der Kindheit. Somit scheint alles möglich; man muss nur wissen, wie. Weil man aber ein Ziel nicht alleine erreichen kann, müssen andere mitmachen. Oft bewirkt ein grenzüberschreitendes Verhalten aber das Gegenteil: Menschen ziehen sich zurück und fühlen sich bevormundet. Deswegen: Definieren Sie Ihren Verantwortungsbereich! Wenn Sie merken, dass Sie trotzdem für jemanden (mit-)entschieden haben, sprechen Sie es offen an und bitten Sie andere um Rückmeldung.

Blenden

Schaffen Sie es, Ihre Schwächen gut zu verstecken und sich immer von Ihrer Schokoladenseite zu zeigen? In manchen Situationen ist das hilfreich – in einem Vorstellungsgespräch zum Beispiel. Aber auf Dauer tut man Menschen aus dem direkten Umfeld mit dieser Eigenschaft weh. Man enttäuscht sie, da man hohe Erwartungen aufbaut. Oder andere fühlen sich unterlegen und gehen engem Kontakt aus dem Weg.

Wer vor anderen immer gut dastehen möchte, kann bewusst oder unterbewusst erlebt haben, dass Liebe an Bedingungen geknüpft war beziehungsweise ist. Nur wenn man bestimmte Ziele erreicht oder Forderungen umsetzt, ist man liebenswert. Dass das nicht stimmt, werden Sie merken, wenn Sie hin und wieder Ihre Schwächen zeigen. Geben Sie zu, wenn Sie Angst haben, enttäuscht sind oder verletzt wurden. Und schon zeigen Ihre Mitmenschen Verständnis und fühlen sich Ihnen näher.

Energie rauben

Sind Sie oft erschöpft oder überfordert? Verlangen Sie viel von sich und anderen? Dann rauben Sie sich und den Menschen in Ihrem Umfeld die Energie. Das klingt zunächst nach einer harten Diagnose. Aber auch hier gibt es Strategien, wie sich Ihr Verhalten ändern kann: Entscheiden Sie, welche Aufgaben Sie übernehmen müssen und welche nicht. Setzen Sie sich klare Grenzen.

Möglicherweise sind Sie auch einfach sensibel. Haben sich Ihre Eltern immer Sorgen gemacht und wollten Sie vor allem beschützen? Darin könnte eine Ursache für Ihr Verhalten liegen. Wenn Sie generell ein ausgeprägtes Bedürfnis haben, zu erzählen, wo Ihre Probleme Sie belasten und mit welchen Anforderungen Sie nicht zurechtkommen, können Sie professionelle Hilfe anzunehmen – von einem Lebenscoach oder einem Seelsorger. Denn auf Dauer können lange und detaillierte Gespräche über Ihre Probleme Ihr Umfeld belasten.

Einschüchtern

Sind Sie ein Mensch, vor dem man einfach Respekt haben muss? Sie setzen sich durch und zeigen anderen damit, dass Sie etwas zu sagen habe? Dann gehören Sie zu den Menschen, die andere einschüchtern. Ihr Umfeld geht gerne mal auf Abstand – schließlich möchte man Sie nicht verärgern. Es gibt Fälle, in denen es wichtig ist, Entscheidungen zu treffen und diese durchzusetzen. Ganz besonders, wenn Sie einen verantwortungsvollen Job haben. Aber: Diese Eigenschaft müssen Sie nur anwenden, wenn sie gefordert ist.

Hatten Sie in Ihrer Kindheit das Gefühl, nicht schwach sein zu dürfen? Ihre Eltern waren möglicherweise viel beschäftigt, stark verwundbar oder belastet. Oder Sie haben Geschwister, die in Ihrer Kindheit viel Ärger gemacht haben. Deswegen hatten Sie den Eindruck, Ihren Eltern nicht zusätzlich zur Last fallen zu dürfen. Sie können sich heute immer noch dafür entscheiden, hin und wieder Schwäche zu zeigen und andere miteinzubeziehen. So führen Sie Ihre Beziehungen auf Augenhöhe.  

Lesen Sie hier den zweiten Teil des Artikels Arbeit, die sich lohnt


Sehen Sie Therapeut Jörg Berger als Gast in unserer TV-Reihe „Gott sei Dank!“

 

 

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Meine Stacheln

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Wie Sie Ihre Schwächen entschärfen

Autor:
Berger, Jörg
Preis:
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