Theologischer Artikel

Mysterium Trinität

Was hat es mit der Dreieinigkeit auf sich? Die unlösbare Gleichung – Teil 2

Im ersten Artikel zum Thema Trinität haben wir versucht, deutlich zu machen, was sich hinter dem Begriff Trinität versteckt – nämlich, dass Gott einer und doch drei ist, der sich in Form des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes gegenübertritt. Wir haben die Bibel auf Hinweise nach der Trinität durchforstet, auch wenn der Begriff selbst in der Bibel so nicht auftaucht. Im zweiten Teil des Artikels beschäftigen wir uns mit den Irrwegen und Irrlehren der Dreieinigkeit und thematisieren die Bedeutung von Jesus für die Trinität.

Geschichte und Irrwege der Dreifaltigkeit

Die Frühe Kirche der ersten drei Jahrhunderte kannte keine Trinitätslehre, wohl aber den Glauben an einen dreieinen Gott. Denn der Überlieferung der Bibel gemäß bekannte sie mit der Taufformel (Matthäus 28, 19) die Trinität Gottes. Die Regula fidei, eine frühe Zusammenfassung des christlichen Glaubens, und weitere Taufbekenntnisse aus der damaligen Zeit bekennen den Glauben an Vater, Sohn und Heiligen Geist. Der Glaube an den dreieinen Gott war also entsprechend der Bibel fest in den Gemeinden verankert, auch wenn die Lehre der Trinität noch nicht fest ausformuliert war.

Der christliche Autor Tertullian verwendet in der Mitte des zweiten Jahrhunderts in einem Schreiben an Praxeas das erste Mal den Begriff der Trinität. Etwa in dieser Zeit kommt es auch vermehrt zu Anfragen, wie das Verhältnis von Jesus zu seinem Vater zu verstehen sei, bzw. wie die Trinität denn genau zu verstehen ist – und ob sie nicht im Widerspruch zu anderen Aussagen der Bibel steht, zum Beispiel der Einheit Gottes.

Einige Christen versuchten daraufhin, diese Unklarheiten zu bereinigen, indem sie einzelne Lehren der Bibel einseitig betonten. Zum Beispiel die Aussagen über die Einheit Gottes. Diese Versuche hatten oft eine gute Absicht. Sie wollten die grundlegenden Fragen in Bezug auf die Trinität lösen und damit den christlichen Glauben plausibler machen. Dennoch berücksichtigten sie nicht alle Aussagen der Bibel zu diesem Thema und leugneten jeweils eine der oben genannten zentralen Überzeugungen (es gibt einen Gott, es gibt drei unterschiedliche Personen, alle sind gleich Gott).  Ich stelle vier Versuche vor, das Wesen von Jesus einzuordnen.

Vier Versuche, die Rolle von Jesus zu erklären

Theodot von Byzanz vertrat um 210 n. Chr. die Auffassung, Jesus sei lediglich ein Mensch gewesen, der bei seiner Taufe mit der besonderen Kraft des Heiligen Geistes ausgerüstet wurde. Bildlich gesprochen wurde er zu diesem Zeitpunkt von Gott als Sohn adoptiert (Adoptianismus). Diese Lehre missachtet die oben genannten Passagen der Bibel, die deutlich lehren, dass Jesus immer göttlicher Natur ist.

Eine weitere Position nahmen die Vertreter des so genannten Subordinationismus ein, wie z. B. Origenes. Sie glaubten zwar, dass Jesus nicht geschaffen, sondern göttlich sei. Trotzdem sei er nicht dem Vater gleich. Er sei von ihm zu unterscheiden und ihm unterzuordnen, eine Stufe niedriger. Damit wollte Origenes den Gedanken des einen Gottes mit dem Zeugnis der drei Personen in Einklang bringen. Der Subordinationismus leugnet aber, dass der Sohn im Wesen und seinen Eigenschaften dem Vater gleich ist.

Eine große Verbreitung fand die Überzeugung des Arius (ca. 250 – 336). Er entwickelte die Stufenlehre des Subordinationismus weiter und behauptete, dass Jesus nicht göttlichen Wesens sei. Jesus sei ein himmlisches Wesen, das erste Geschöpf, das wiederum den Heiligen Geist geschaffen habe. Auch diese Auffassung, der Arianismus, übersieht, dass die Bibel die Göttlichkeit Jesu lehrt.

Als letzter Erklärungsversuch sei der Modalismus genannt. Anhänger dieser Überzeugung behaupteten, dass Gott zwar eine Person sei, die aber als solche zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlichen Formen erscheine. Im Alten Testament als Vater, in der Zeit der Evangelien als Sohn und nach Pfingsten bis heute als Heiliger Geist. Damit wäre Gott der Vater als Sohn am Kreuz gestorben, weshalb der Modalismus auch Patripassionismus genannt wird (manche nennen ihn auch Sabellianismus, nach dem Gelehrten Sabellius aus Rom im 3. Jahrhundert, der diese Lehre vertrat). Diese Position verkennt, dass das Neue Testament eindeutig von drei voneinander verschiedenen Personen zur gleichen Zeit spricht (bspw. bei der Taufe Jesu, Markus 1, 9-11).

Da gerade der Arianismus viele Anhänger gewinnen konnte, mussten die damaligen christlichen Gemeinden reagieren. In der Folge wurde das Konzil von Nizäa einberufen (325), das den Streit um das Wesen Jesu und die Trinität beilegen sollte. Der Arianismus wurde verurteilt, das Konzil legte fest, dass der Sohn von derselben göttlichen Substanz war (homoousios) sei wie der Vater. Dieses Bekenntnis wurde in den Folgejahren auch in Bezug auf die Trinität weiter geformt, bis die Trinitätslehre beim Konzil von Konstantinopel (381) zur festgeschriebenen Lehre wurde.

Der häufig vorgetragene Vorwurf, das Konzil von Nicäa wurde einberufen, um Jesus zu Gott zu machen, ist also aus der Luft gegriffen. Das erste Ziel des Konzils war, die ausufernde Auseinandersetzung um den Arianismus zu beenden und der Wunsch, diesen Konflikt beizulegen. Genauso falsch ist der Vorwurf, dass Kaiser Konstantin I. das Ergebnis beeinflusste und aus rein machtpolitischen Gründen Jesus zum Gott erheben wollte (Siehe Beitrag Wikipedia Nicäa).

Was soll das Ganze?

Die Diskussion um die Trinität wirkt schnell abgehoben und erweckt den Eindruck, als wollten sich weltfremde Theologen einmal so richtig austoben. Sie streiten um den Logos, um Personen und Wesenheiten und wer wesenseins oder wesensgleich ist. Wenn die Trinität aber wichtig ist, muss sie mehr bedeuten als eine intellektuelle Fingerübung!

Die Theorie wird schnell zur Praxis, wenn man bedenkt, was die jeweilige Aussage in Bezug auf die Trinität bedeutet. War Jesus auch Gott, kann er mein Versagen wirklich aus der Welt schaffen. Ist am Kreuz ein bloßer Mensch gestorben, wird es schon schwieriger. Denn der kann nur für seine eigene Schuld bezahlen. Das ist lediglich ein Beispiel dafür, welche zentralen Bereiche des christlichen Glaubens die Trinität berührt. Es ist daher enorm wichtig für einen gesunden Glauben, sie richtig zu verstehen. Nur dann kann man gut einordnen, wer Gott der Vater, Jesus und der Heilige Geist sind und in welcher Beziehung sie zueinander stehen.

Gerade in der Frage „Wie rettet Gott?“ tritt das hervor. Die Trinität zeigt auf, wie Gott seine geliebten Menschen retten möchte und wer welche Aufgabe dabei hat. In Epheser 1, 3-14 beschreibt Paulus das auf unnachahmliche Weise: Die Initiative kommt vom Vater, von ihm geht der Gedanke der Rettung aus. Durch Jesus hingegen wird die Rettung verwirklicht. Alles, was der Vater zur Rettung der Menschen angeht, tut er durch seinen Sohn. Durch Jesus können wir mit Gott in Verbindung treten. Der Heilige Geist wiederum setzt diese Rettung in uns um. Er verändert uns von innen nach außen, er stellt uns Stück für Stück wieder her. Durch ihn sind wir sicher bei Gott, bis dieser Prozess bei ihm in der Ewigkeit abgeschlossen wird. Gott ist dabei an jeder Stelle mit im Spiel – als Vater, als Sohn und Heiliger Geist.

Die Trinität sagt auch einiges darüber aus, wie Gott ist. Sie macht seine Liebe – Gottes Hauptmerkmal – begreiflich (1. Johannes 4, 8). Wenn Jesus Gott war, zeigt sich diese außerordentliche Liebe darin, dass Gott als verletzlicher Mensch auf die Erde kommt und den Menschen dient. Gott ist also Liebe, die sich nicht um sich selbst dreht, sondern den anderen in den Blick nimmt. Er ist ein Gott, der schon seit Ewigkeit in Beziehung lebt und seine Liebe weitergibt. Zwischen Vater und Sohn, Vater und Heiligem Geist und zwischen Sohn und Heiligem Geist. Ein ewiges Geben und Nehmen.

Da sich die drei schon eine Ewigkeit aushalten, kann man davon ausgehen, dass sie sich gut verstehen. Gott ist in sich voller Freude – und lädt jeden ein, sich schon jetzt mitzufreuen und in der Ewigkeit in diese Freude eingebunden zu sein. Diese Liebe wird die Ewigkeit bestimmen. Eine Zukunft voller Freude und Annahme erwartet jeden, der sich auf diesen Gott einlässt.

Es spricht also Bände über Gott, wenn er in Jesus auf die Erde kommt. Es zeigt, wie eng verbunden Gott mit seiner geliebten Schöpfung ist. Er hat nicht nur den Menschen geschaffen, sondern wurde selbst Mensch – ohne dass das einen Widerspruch erzeugen würde. Vielmehr passt es völlig natürlich zusammen. Nicht umsonst sprechen Theologen davon, dass in Jesus die wohl klarste Offenbarung von Gott stattgefunden hat. Er bleibt unfassbar, aber auch unfassbar nah und eng mit uns Menschen verbunden.

Nicht nur denken, mehr danken!

Die Trinität gibt auch wertvolle Hinweise, wie Liebe in Beziehungen funktionieren kann. „In Demut achte einer den anderen höher als sich selbst“ (Philipper 2, 3) ist bei einem dreieinigen Gott keine Floskel, sondern Alltag. Nicht umsonst betet Jesus im Garten Gethsemane: „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“ (Matthäus 26, 42) Damit ist Jesus das beste Vorbild echter Liebe. Folgen wir seinem Beispiel, sind funktionierende, auf gegenseitigem Respekt ruhende Beziehungen möglich. Durch den Heiligen Geist ist es möglich, schon jetzt in diese besondere Art der Liebe eingebunden zu sein.

Die Trinität gibt auch wertvolle Hinweise, um das Thema Gebet richtig zu verstehen. Denn für viele stellt sich die Frage, zu wem Christen beten sollten. Wenn Jesus nicht Gott ist, sollten wir auch nicht zu ihm beten. Wenn er aber auch Gott ist, können wir zum Vater im Namen Jesu unter Anleitung des Heiligen Geistes beten (s.a. Epheser 2, 18). Ein Gebet, das ankommt!

Letztlich rückt das Nachdenken über die Trinität Gott ins rechte Licht. Denn zu begreifen ist die Dreifaltigkeit nicht. Die Gleichung 1+1+1=1 bleibt ein Geheimnis. Zwar kann man diesem Gott begegnen, er offenbart sich sogar selbst. Niemand aber kann seiner habhaft werden, auch nicht mit dem Verstand. Oder wie es der Kirchenvater Augustinus ausdrückte: „Wenn du es begriffen hast, ist es nicht Gott.“ Das Nachdenken über die Trinität ist eine gute Übung in Demut vor Gott und lenkt den Blick weg von uns Menschen und unserer Weisheit. Gott bleibt der Erhabene. Dieses Geheimnis sollten Christen stehen lassen und immer wieder staunend vor Gott treten. Die Trinität wird ein Wegweiser zum Lob Gottes. Daher endet dieser Beitrag hier – und lädt zum Schluss ein, in die liebevolle Beziehung mit diesem außerordentlichen Gott einzutreten und ihm die Ehre zu geben. Als Vater, Sohn und Heiliger Geist.