Andacht

Mörder und Mann Gottes

Warum bei Gott jeder ein Glaubensheld sein kann. Eine Andacht

Fast jeder hat vermutlich seinen persönlichen Glaubenshelden in der Bibel. Vielleicht ist es der kompromisslose Abraham, der alles stehen und liegen lässt, als Gott ihn auf eine große Reise schickt oder der mutige Petrus, der mit Jesus sogar auf dem Wasser geht. Die Bibel ist voll von beeindruckenden Lebensgeschichten; von Geschichten mit Menschen, die einen beeindruckenden Glauben haben. Ich tue mich mit einem jedoch schwer: David. Ein Betrüger, Mörder und gleichzeitig bezeichnet ihn die Bibel als einen Mann nach dem Herzen Gottes (1. Samuel 13,14). Wie soll das denn zusammenpassen?

„David. Ein Betrüger, Mörder und gleichzeitig bezeichnet ihn die Bibel als einen Mann nach dem Herzen Gottes. Wie soll das denn zusammenpassen?“

 

Natürlich sind auch andere Glaubenshelden keine perfekten Menschen gewesen. Aber als Gott ihnen einen Auftrag gibt, verändern sie sich nach und nach und werden zu Vorbildern im Glauben. Bei David ist es teilweise andersherum: Als junger Spund ist er mutig für seinen Gott eingetreten und hat einen Riesen im Kampf besiegt, gegen den er ohne Gott niemals eine Chance gehabt hätte. Außerdem hat er dem damaligen König Saul gedient, obwohl der ihn unfair behandelt. David aber hat einen kühlen Kopf bewahrt und ist dem König treu geblieben.

Der große Fall

Und dann so etwas: David sieht eine hübsche Frau, weiß, dass sie verheiratet ist und fängt trotzdem etwas mit ihr an. Als sie schwanger wird, bemüht er sich erst darum, den One-Night-Stand zu vertuschen. Das funktioniert aber nicht. Also schickt er den Ehemann an die Kriegsfront und ordnet an, dass sich die anderen Soldaten zurückziehen sollen, sobald der Kampf losgeht. David wollte sichergehen, dass der betrogene Ehemann stirbt und David die Witwe zu sich nehmen kann.

Nach so einer Tat soll David ein Mann nach dem Herzen Gottes sein? Erst als der Prophet Nathan David auf seine Tat aufmerksam macht, wird ihm klar, was er eigentlich getan hat. Er bereut sein Handeln und bittet Gott um Vergebung. Das ist nach so einer Tat ja wohl das Mindeste, oder?

Die Schublade Glaubensheld

David wendet sich dann mit seiner Selbsterkenntnis, Verzweiflung und Schuld an Gott. Er schreibt Psalmen, in denen er herausschreit, wie es ihm geht und wie sehr er sich nach Gott sehnt. Er ist gefallen, ja. Aber trotzdem hat Gott ihn nicht aufgegeben. Und hier zeigt sich, wie Gott ist: Es kommt ihm auf die Beziehung zum Menschen an. Nicht darum, wie gut der Mensch ist und wie viele und wie große Fehler er in seinem Leben begangen hat.

„Er ist gefallen, ja. Aber trotzdem hat Gott ihn nicht aufgegeben. Und hier zeigt sich, wie Gott ist: Es kommt ihm auf die Beziehung zum Menschen an. Nicht darum, wie gut der Mensch ist und wie viele und wie große Fehler er in seinem Leben begangen hat.“

 

Ich bin froh, dass Gott so ist. Dass er auch mich so behandelt – nach jedem großen und kleinen Fehler, den ich begannen habe. Aber Gottes Art fordert mich auch stark heraus. Denn ich stecke Menschen, wenn auch unbewusst, in Schubladen.

„Aber was passiert, wenn ich Gottes Brille aufsetze? Wenn ich Menschen um mich herum, die fallen und bereuen, die Fehler machen und neue Chancen bekommen, als Glaubenshelden betrachte?“

 

Und Glaubensheld ist für mich eine Schublade mit ganz hohen Ansprüchen. Da findet nicht jeder einen Platz! Aber was passiert, wenn ich Gottes Brille aufsetze? Wenn ich Menschen um mich herum, die fallen und bereuen, die Fehler machen und neue Chancen bekommen, als Glaubenshelden betrachte? Dann kann jeder ein Held werden; jeder kann in bestimmten Bereichen Vorbild sein, von jedem kann man etwas lernen. So wie auch von David.

 

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