Andacht

Mein Sohn – mein Vorbild

Klein, aber oho: Worin mir mein Sohn um Längen voraus ist

Mein Sohn mag zwar erst drei Jahre alt sein. In einer Sache aber steckt er mich klar in die Tasche: beim Thema Vertrauen. Natürlich vor allem gegenüber seiner Mama, er ist noch klein. Aber auch mir, seinem Vater, vertraut er völlig.

Ein Beispiel: Wir besuchen Oma, diesmal ohne Mama. Das bedeutet drei Stunden Autofahrt und früh aufstehen. Und es fasziniert mich, wie sich dieser kleine Kerl darauf einlässt, nachdem wir darüber gesprochen haben. Er lässt sich wecken, obwohl er noch länger schlafen könnte. Er lässt sich ins Auto verfrachten, obwohl er im Garten oder in seinem Zimmer sicher Besseres zu tun hätte. Er lässt sich ganz ein auf diesen Besuch bei Oma, den er selbst an diesem Wochenende nicht gewählt hätte.

Damit nicht genug. Er denkt nicht an die nächsten Stunden oder morgen – und vertraut mir, dass ich die richtigen Kleider und etwas zu knabbern für die Fahrt eingepackt habe. Er würde die Autobahn nicht finden, die zu Oma führt, – und vertraut darauf, dass ich den richtigen Weg kenne. Und er glaubt mir ohne zu zögern, dass es bei Oma kleine Kätzchen gibt, obwohl er sie noch nicht gesehen hat.


Nicht kindisch – wie ein Kind!

Damit erinnert mich mein Sohn an eine Aussage von Jesus: „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen,“ sagt er im Matthäusevangelium (Matthäus 18,3).

Damit fordert Jesus keinen kindischen Glauben, der nichts ernst nimmt. Auch keinen kindlichen, der nicht selbst Verantwortung wahrnehmen kann. Wohl aber einen Glauben, der sich auf das einlässt, was Gott mit mir an diesem Tag vorhat. (vgl. Apostelgeschichte 10,19-20) Einen Glauben, der schlicht damit rechnet, dass Gott für meine Kleidung und mehr sorgt (Matthäus 6, 25-31). Einen Glauben, der darauf vertraut, dass Gott einen guten Weg für mich hat (Psalm 32, 8). Und einen Glauben, der auch mit Dingen rechnet, die er nicht sieht (vgl. 2. Könige 6, 13). Wie mein Sohn eben.

Und bevor sich alle wundern, was für einen Mustersohn ich habe: Ganz klar, er muss noch sehr viel lernen. Und er hat seine unausstehlichen Zeiten. Vor allem, wenn die letzte Mahlzeit oder der letzte Schlaf schon etwas her ist. Verklären brauche ich also nichts, er ist ein ganz normaler, kleiner Junge. Ein großes Vorbild ist er trotzdem für mich.


Kommentare

Von Peter am .

Danke!

Von Garhammer am .

Finde ich sehr gut-
daselbe erlebe ich mit meinem Enkel- er vertraut mir- ist ebnefalls 3 Jahre.
Er geht mit stundenlang in der Stadt spazieren, vertraut immer darauf, daß ich etwas unternheme und lässt sich darauf ein.
Eigentlich lerne ich von ihm- was er alles sieht und wahrnimmt und wie er kommentiert.
z.B. bemalte Kirchenfenster kommentiert er einfach so:
da kann man nicht rausschauen.
Danke

Von Renate am .

Danke für diese herzerfrischende Andacht!


Ihr Kommentar

Die E-Mail wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.