Theologie Lesezeit: ~ 7 min

Die ultimative Liebesgeschichte

Gott schreibt seine Geschichte mit und durch uns Menschen. Ein Blick auf die Heilsgeschichte Gottes Teil 1.

Christen glauben, dass Gott die Welt und Menschen nicht planlos geschaffen hat. Sie gehen davon aus, dass Gott ganz konkrete Ziele und einen Plan verfolgt. In zwei Artikeln gehen wir der Frage nach, was Gott sich bei seiner Schöpfung gedacht hat und was ihn zu seinem Handeln mit den Menschen motiviert.

Mal angenommen, Gott hat uns wirklich erschaffen. Wozu das Ganze? Entweder wir sind ihm egal und er ist ein eiskalter Strippenzieher, für den wir nicht mehr als Schachfiguren in einem zynischen Spiel sind – oder er liebt uns und bindet uns ganz konkret in die Erfüllung seines Plans mit ein.

Wenn Gott wirklich existiert – wer ist er? Und in welcher Beziehung stehen wir zu Gott, unserem Schöpfer? Vielleicht hat er uns zwar erschaffen, sich danach aber gelangweilt abgewendet. Oder Gott spielt ein grausames Spiel mit uns, in dem wir nichts anderes sind als Schachfiguren auf seinem Spielbrett. Oder Gott hat ein echtes Interesse an uns Menschen und will wissen, was wir tun und wie es uns geht.

Wie kann man herausfinden, welche dieser Sichtweisen zutrifft? Sollten wir Gott wirklich etwas bedeuten, kann ich davon ausgehen, dass er mit uns kommunizieren will. Mit ein bisschen Glück haben Menschen all das vielleicht sogar niedergeschrieben. Und ganz augenscheinlich sind wir Glückspilze, denn in der Bibel berichten viele Menschen von ihren Begegnungen mit Gott.  Nehme ich diesen Anspruch ernst,  gibt die Bibel uns Hinweise, warum es uns gibt und welchen Plan Gott mit seiner Schöpfung verfolgt. Dieser Artikel wirft einen Blick darauf, wie Gott mit und durch Menschen seine ganz eigene Geschichte schreibt. Deshalb werden in diesem Artikel viele biblische Erzählungen nacherzählt oder zitiert.

Die größte Liebeserzählung aller Zeiten

Am Anfang erschuf Gott die Welt – „Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ So steht es in 1. Mose 1,31 (LUT). Aus Chaos wurde Ordnung, aus dem Nichts entstanden durch Gottes Wort Planeten, Pflanzen und Tiere. Nur eins fehlte noch zum völligen Glück. Gott wünschte sich ein Gegenüber, das er von ganzem Herzen lieben und das seine Liebe erwidern konnte. Sein einziger Wunsch und Antrieb: Eine liebevolle Gemeinschaft von Schöpfer und Geschöpf. Also schuf Gott den Menschen und hauchte ihm Leben ein. Adam und Eva wurden nach seinem Ebenbild erschaffen – mit freiem Willen und damit auch mit der Möglichkeit, sich gegen ihn zu entscheiden: Eine Wahlmöglichkeit, die ihn noch viel kosten würde.

Was sich seither entwickelt hat, ist eine der größten und dramatischsten Liebesgeschichten aller Zeiten. Auf der einen Seite steht Gott, der immer wieder um Gemeinschaft mit den Menschen wirbt. Auf der anderen Seite der Mensch, der zwischen Gott, anderen Göttern und sich selbst hin- und hergerissen ist. Schon die ersten Menschen Adam und Eva, denen es im Paradies an nichts mangelte, zweifelten daran, dass Gott es wirklich gut mit ihm meint.

Dieses Misstrauen hat die Beziehung zwischen Mensch, Gott und Schöpfung nachhaltig zerstört. Die eigentlich perfekte Schöpfung bekommt Risse. Tod und Verfall ziehen ein, der Mensch muss hart arbeiten, um leben zu können. Die Erkenntnis von Gut und Böse bewirkt, dass zerstörerische Gedanken und Gefühle entstehen. Ein Miteinander mit dem Schöpfer wird für Adam und Eva unmöglich. Statt sie sofort vom Angesicht der Erde zu vertilgen, wie sie es eigentlich verdient hätten, verbannt Gott sie aus dem Garten Eden.

Ein Mann bewahrt die Welt vor ihrer Zerstörung

In dem Moment, in dem Gott seine geliebten Geschöpfe aus dem Paradies verbannt, setzt er einen Plan in Bewegung, um die zerstörte Beziehung wiederherzustellen. Das Unheil nimmt jedoch seinen Lauf. Schnell zeigt sich, wohin der Weg des Menschen ohne Gott führt. Kaum außerhalb des Garten Eden angekommen, wird Eva schwanger und bekommt zwei Söhne – Kain und Abel. Getrennt von Gott dauert es nicht einmal eine Generation, bis die Frucht der Rebellion aufgeht. Aus Neid erschlägt Kain seinen Bruder Abel. Gott lässt Gnade vor Recht ergehen – um eine Strafe kommt Kain aber nicht herum (vgl. 1. Mose 4,11).

Viele Jahre gehen ins Land und immer wieder tun die Menschen, was Gott nicht gutheißt. Schließlich ist das Maß voll. Weil die Menschen sich ständig für das Böse entscheiden, bereut er, sie erschaffen zu haben. Er plant, die Menschen auszurotten – und Tiere und Pflanzen gleich mit. Umsetzen will er diesen Plan mit einer großen Flut. Doch ein einzelner Mensch hält ihn davon ab: Noah. „Unter allen Menschen auf der Erde bist du in meinen Augen der einzige, der gerecht ist.“ (1. Mose 7,1b)

Die Gerechtigkeit dieses einen Mannes reicht aus, Gott umzustimmen und von der Vernichtung der Menschen abzuhalten. Noah baut die Arche und überlebt die große Flut. Aus Dankbarkeit baut er einen Altar. Tief berührt von diesem Opfer schließt Gott einen Bund mit Noah: „Nie mehr will ich um der Menschen willen die Erde verfluchen und alles Lebendige vernichten, so wie ich es gerade getan habe.“ (1. Mose 8,21a)

Die ersten Kapitel der Bibel belegen, dass Gott den Menschen liebt und es gut mit ihm meint. Seine Schöpfung ist perfekt, doch der Mensch zerstört die einzigartige Gemeinschaft. Getrennt von Gott wird es immer schlimmer. Doch selbst als Gott kurz vor der Zerstörung der Welt steht, reicht die Gerechtigkeit eines Menschen aus, damit Gott sich wieder bedingungslos hinter seine Schöpfung stellt. Er verspricht sogar, nie wieder die Zerstörung der Schöpfung in Betracht zu ziehen. Dieser Bund zwischen Gott und Mensch gilt bis heute.

Gott erwählt sich ein Volk und schließt einen Segensbund

Viele Generationen vergehen, ohne dass Gott eingreift. Dann sieht er die Zeit gekommen, seinen nächsten Schritt zur Wiederherstellung der Gemeinschaft zu tun. Aus allen Menschen erwählt er sich einen Mann – Abraham. Weil Abraham Gott treu ist, gibt Gott ihm ein großartiges Versprechen: „Von dir wird ein großes Volk abstammen. Ich will dich segnen und du sollst in der ganzen Welt bekannt sein. Ich will dich zum Segen für andere machen.“ (1. Mose 12,2) Viele Jahre muss Abraham auf die Erfüllung dieser Verheißung warten – eine schwere Zeit voller Zweifel. Doch schließlich erfüllt Gott sein Versprechen und schenkt Abraham einen Sohn.

Während Gott seine Zuverlässigkeit immer wieder beweist, bleiben Abrahams Nachkommen ungehorsam und entscheiden sich  immer wieder gegen das Gute – und damit gegen Gott. Schließlich landen sie im damaligen Weltreich Ägypten, wo sie sich zahlreich vermehren. Diese „Bevölkerungsexplosion“ macht dem ägyptischen Herrscher, dem Pharao, Angst. Er beschließt, das ganze Volk zu versklaven. In ihrem Leid erinnern sie sich an Gott und bitten ihn um Hilfe – und Gott ist ihnen gnädig.

Priester als Mittelsmänner

Er erhört die Bitten seines Volkes. Wieder erwählt er einen Menschen, der seine Pläne umsetzen soll: Mose. Seine Aufgabe ist, die Israeliten aus der Knechtschaft der Ägypter zu befreien. Nach langem Zögern und Zweifeln lässt Mose sich von Gott überzeugen und befreit das Volk Gottes. Am Berg Sinai übergibt Gott Mose die Zehn Gebote – Anweisungen für ein gelingendes Leben. Doch statt Gott dankbar zu sein, murren die Israeliten und beten an Stelle des lebendigen Gottes ein selbstgemachtes, goldenes Kalb an. Weil sie daran zweifeln, dass Gott ihnen das Gelobte Land schenken wird, müssen sie 40 Jahre ziellos durch die Wüste irren.

Nach dieser Odyssee dürfen die Israeliten ihr gelobtes Land betreten. Einige Jahre harmoniert die Beziehung zwischen Gott und seinem Volk. Gott wählt einen Stamm aus, der als Mittler zwischen ihm und dem restlichen Volk fungiert. Über diese Priester haben nun deutlich mehr Menschen einen „direkten Draht“ zu Gott. Doch das ist den Menschen nicht genug. Sie sehen die anderen, imposanten Königreiche und fordern bei Gott mit Nachdruck einen König. Der weiß um die Risiken eines Königreichs, denn ein König ist Vorbild. Gestaltet er sein Leben in Abstimmung mit Gott, wird auch das Volk gesegnet. Kehrt er Gott jedoch den Rücken, leidet das Volk darunter. Dennoch gibt Gott dem Wunsch seines Volkes nach.

Trotz König und Tempel rebellieren die Israeliten

Schon bei Saul, dem ersten König, zeigt sich diese Gesetzmäßigkeit. Sein Nachfolger König David eint das gesamte Volk und träumt von einem Tempel, in dem alle Juden Gott anbeten können. Sein Sohn Salomo setzt diesen Traum tatsächlich um und Gott zieht in den Tempel von Jerusalem ein. Doch unter den Söhnen Salomos bricht ein erbitterter Streit um die Thronfolge aus – das Königreich zerbricht.

Die „segensreiche“ Zeit der Könige findet also schon nach dem dritten König ein abruptes Ende. Infolgedessen wird den Juden die Beziehung zu Gott zunehmend unwichtiger. Sie beten andere Götter an und stellen Gottes Geduld stark auf die Probe. Immer wieder versucht Gott, die Aufmerksamkeit der Menschen zu erregen. Er schickt Propheten, die die Israeliten auf ihr schädliches und selbstzerstörerisches Verhalten hinweisen. Doch nur selten hören sie auf die Propheten. Deswegen beschließt Gott, sein Volk erneut zu strafen.

Wir sehen: Gott geht aktiv auf die Menschen zu. Angetrieben wird er von der Sehnsucht nach Gemeinschaft mit seinen Kindern. Obwohl die Menschen immer wieder versagen, lässt er sie nicht fallen. Ihm kann die Beziehung zu seinen Kindern gar nicht eng genug sein. Erst schenkt er Gesetze, die den Menschen dabei helfen sollen, ein gelingendes Leben zu führen. Dann beruft Gott Priester, die zwischen ihm und seinem Volk vermitteln. Und immer wieder beruft Gott Menschen, gibt ihnen einen besondere Aufgabe und bindet sie in seine guten Pläne ein.

Alle Bibelstellen, sofern nicht anders angegeben, entstammen  der Neues Leben Bibel-Übersetzung.

Wie es mit Gott und seinem Plan für die Menschen weitergeht, können sie im zweiten Teil des Artikels über Gottes Heilsgeschichte nachlesen. Der Artikel erscheint am Mittwoch, dem 09. September 2015 hier auf ERF.de. 


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