Andacht Lesezeit: ~ 2 min

Wenn's rein regnet

Was ich durch eine undichte Stelle am Dach über Gottes Bewahrung lernte. Eine Andacht.

Es gibt Momente im Leben, in denen ich mich frage, ob ich im falschen Film bin. Das sind Situationen, in denen scheinbar alles aus dem Ruder läuft. Eine solche Situation erlebte ich vor einem halben Jahr: Es war eine Woche vor unserer Hochzeit. Am Wochenende zuvor hatten mein Verlobter und ich meinen Umzug in die neue gemeinsame Wohnung abgewickelt. Abends saß ich in unserem neuen Wohnzimmer, dem einzigen Zimmer ohne Kartons und Chaos und versuchte zu entspannen. Auf einmal hörte ich ein Tröpfeln. Ich blickte irritiert auf den Boden. Dort bildete sich eine kleine Pfütze. Es regnete tatsächlich rein.

Schnell riefen wir die Vermieter und es hieß: Da müssen wir wahrscheinlich die Deckenpaneele abnehmen, um herauszufinden, wo die Ursache liegt. Ich war schockiert. Wir waren gerade erst eingezogen und da sollte unser Wohnzimmer schon wieder zur Baustelle werden – und das auch noch so kurz vor der Hochzeit. Ich war in diesem Moment stinksauer auf Gott. Wieso ließ er das zu? Wir hatten doch schon genug Stress.

Räumt Gott alle Steine aus dem Weg?

Wie immer war es mein jetziger Mann, der die Ruhe bewahrte. „Lass uns erstmal abwarten“, sagte er. Und tatsächlich hatten unsere Vermieter am nächsten Tag die Stelle am Dach gefunden, die für das Wasser verantwortlich war – und das, ohne in unserer Wohnung auch nur einen Stuhl zu verrücken. Diese Erfahrung wurde für mich zu einer Erinnerung daran, dass Gott für mich sorgt.

In Psalm 91,9-12 beschreibt der Psalmbeter eine ähnliche Sicherheit in Gott: „Denn der HERR ist deine Zuversicht, der Höchste ist deine Zuflucht. Es wird dir kein Übel begegnen, und keine Plage wird sich deinem Hause nahen. Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.“

Diese Verse zu lesen macht mir immer wieder Mut. Ich staune über Gottes Interesse an meinem Wohlergehen, da er nicht einmal zulässt, dass mein Fuß an einen Stein stößt. Gleichzeitig meldet sich bei diesen Versen auch manches Mal mein zynisches Ich zu Wort und erklärt: „Ich bin schon an viele Steine gestoßen, teils auch sehr schmerzhaft.“

Ich kann Gottes Bewahrung nicht einfordern

Und tatsächlich – nicht immer hat Gott mich so bewahrt wie bei diesem Ereignis. In Bezug auf unsere Wohnung mussten wir vor und nach diesem Ereignis weitere schwierige Situation erstmal aushalten. Zum Beispiel als wir fast einen Monat lang Probleme mit dem Abfluss hatten. Da hätte ich mir ein spontanes Wunder sehr gewünscht, musste aber die unangenehme Situation recht lange aushalten, bis das Problem endlich behoben war.

Es lässt sich für mich daher aus Gottes Bewahrung kein System ablesen. Er verspricht Bewahrung, aber wovor er mich bewahrt, beziehungsweise wann er eingreift, kann ich mir nicht aussuchen. Manchmal scheint es mir geradeso, als ob Gottes Hilfe zu spät kommt. Doch auch dann bleibt Gottes Zusage gültig, dass er mich bewahrt und schützt. Selbst und gerade dann wenn das Leben mir mal wieder etwas anderes zu beweisen scheint.


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