Andacht Lesezeit: ~ 4 min

Hingabe statt Selbstaufgabe

Gott ist keine Spaßbremse. Er möchte uns ein erfülltes Leben schenken.

Manchmal stoße ich auf Bibelstellen, die mir auf den ersten Blick das Blut in den Adern gefrieren lassen. Die Bibel hat schon ein paar echte Schocker auf Lager. Eine dieser Stellen befindet sich meiner Ansicht nach in Matthäus 16,24. Dort steht: „Dann sagte Jesus zu den Jüngern: ‚Wer von euch mir nachfolgen will, muss sich selbst verleugnen und sein Kreuz auf sich nehmen und mir nachfolgen.‘ Diese Forderung geht so sehr gegen das aktuelle Paradigma der Selbstverwirklichung, dass es schmerzt. Sofort schießen mir Gedanken in den Kopf wie: „Du musst Deine Playstation verkaufen und das Geld spenden“ oder „Dein Sky-Abonnement solltest Du besser beenden – es hält Dich nur davon ab, Jesus nachzufolgen.“
 

Bedeutet ein Leben mit Jesus leben oder sterben?

Einerseits sind solche Gedanken nicht per se falsch. Andererseits sind sie aber auch nicht wahr. Ich glaube nicht, dass Jesus etwas dagegen hat, dass ich Spaß und Freude im Leben habe. Er will mich aber gleichzeitig auch davor bewahren, dass ich mein Leben mit nutzlosem Plunder verschwende. Viele, die ganze Tage damit verbracht haben, ein Computerspiel zu spielen oder eine Serie zu schauen, kennen das Gefühl der Leere, das nach einem solchen „Marathon“ zurückbleibt.

Bedeutet ein Leben in beziehungsweise mit Christus also „sterben“ oder „leben“? Muss ich, wenn ich meinen Glauben ernst nehme, mich völlig selbst aufgeben oder darf ich mich vielleicht im Glauben überhaupt erst selbst finden? Führt ein konsequentes Leben als Nachfolger von Jesus zur Selbstverleugnung oder zur Selbstverwirklichung? Das ist nicht nur eine Frage der Perspektive.

Der Glaube bedeutet nicht in erster Linie absterben – auch wenn Jesu Aussage das erst mal nahelegt. An Jesus zu glauben heißt vielmehr mit ihm zu leben und damit ein Leben in Fülle zu finden.

An Jesus zu glauben heißt vielmehr mit ihm zu leben und damit ein Leben in Fülle zu finden.

 

Wenn ich die Bibel und ihre Aussagen ernst nehme, dann hat Gott mich geschaffen. Er ist quasi mein „Erfinder“. Und ein Erfinder weiß, wofür und wozu er etwas erfindet. Mir fällt dazu die Geschichte vom Pinguin ein, die Eckart von Hirschhausen erzählt.
 

 


Das wahre Leben finden

Der Pinguin ist kein armes Würstchen, sondern perfekt „konstruiert“ für seinen ganz eigenen Zweck. Ich wäre ja völlig idiotisch, wenn ich nicht bei meinem Konstrukteur nachfragen würde, wozu ich gedacht bin. Vielleicht muss – oder eher darf – ich dann auch auf manches verzichten, was mir lieb geworden ist. Dafür werde ich aber mit etwas beschenkt, das meinem eigentlichen Wesen viel mehr entspricht. Gott hat mir eine unverwechselbare Identität gegeben – zu der Interessen, Vorlieben und Abneigungen gehören. Es ist sinnvoll, diese dahingehend zu reflektieren, ob und wie sie vielleicht meiner Identität entsprechen oder ob sie mich in meiner Entwicklung als Mensch und Christ weiterbringen.

Vielleicht muss – oder eher darf – ich dann auch auf manches verzichten, was mir lieb geworden ist. Dafür werde ich aber mit etwas beschenkt, das meinem eigentlichen Wesen viel mehr entspricht.

 

Ein Leben als Nachfolger Jesu bedeutet nicht Selbstaufgabe, sondern Hingabe an Jesus. Als Christ habe ich eine Bestimmung – und zwar für Gott und mit ihm zu leben. Wenn ich mich in endloser Selbstkasteiung selbst zerstöre, dann habe ich ja nichts mehr, was ich Gott anbieten kann. Gott will mich so, wie ich bin. Und dann beginnt er, mir die Augen zu öffnen. Dafür, wie er mich sieht; wie er mich geschaffen hat. In meiner Hinwendung zu Jesus fange ich also erst an, mich wirklich zu finden. Bei Jesus finde ich mich mein eigentliches und wirkliches Leben; meine tatsächliche Identität. Das macht auch folgende Bibelstelle  deutlich:

Wer versucht, sein Leben zu behalten, wird es verlieren. Doch wer sein Leben für mich aufgibt, wird das wahre Leben finden. (Matthäus 16,25).

 

Verleugnen muss ich nur das, was mich von der Realität der Liebe Gottes fernhalten will. Wenn ich das schaffe – dann finde ich das wahre Leben. Und so wird aus einer „Schocker-Bibelstelle“ ein unendlich befreiendes Geschenk. Und was meine Leidenschaft für Fernsehserien oder Spielekonsolen angeht – auch da darf ich entspannt sein. Ich muss nicht alles, was mir Spaß macht oder gut tut, aus meinem Leben verbannen. Ich sollte aber meine Augen offen halten: Wenn mein Hobby mein Leben zu bestimmen beginnt – beispielsweise indem ich meine Freundschaften vernachlässige oder vor lauter Fernsehkonsum nicht mehr zum Beten komme –, sollten meine Alarmsirenen schrillen. Es kommt auf eine gesunde Balance an.


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Kommentare

Von Wilhelm M. am .

Super gesagt, passend zu meiner momentanen Situation.
Weiter so.

Von theo am .

stark, herausfordernd, echt Stoff um darüber zu reflektieren - danke


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