Andacht

Nur die Sünde zählt

Es gibt nur eine Art Mensch, die in den Himmel kommt: Sünder.

Es gibt ein Wort, das fast nur gläubige Menschen benutzen. Ein Wort, das äußerst unpopulär ist: Sünde. Warum ist das so? Das liegt zum einen daran, dass Sünde ein theologischer Begriff ist. Er wird nirgendwo sonst benutzt. Oder hat ihr Chef schon mal zu Ihnen gesagt: „Kommen Sie bitte in mein Büro. Wir müssen über Ihre Sünden reden.“

Zum anderen liegt es daran, dass Sünde ein sehr inhaltsschwerer Begriff ist. Von sich selbst als Sünder zu sprechen ist quasi eine moralische Bankrotterklärung. Der Begriff Sünde lässt keinen Spielraum zu. Er erlaubt uns nicht, die Schuld auf jemand anderen abzuwälzen. Deswegen wurde Sünde aus unserem Sprachgebrauch getilgt und durch ein anderes Wort ersetzt. Ein Wort, das weniger weh tut. Das man leichter erträgt. Trotzdem ist es ein schreckliches Wort. Denn es besitzt nicht mal ansatzweise die Bedeutung und Schwere des Wortes Sünde. Ich spreche von dem Wort „Fehler“.

Jesus denkt bei Sünde nicht an Verdammnis, sondern an Wiederherstellung

Sünde und Fehler sind zwei grundverschiedene Dinge. Einen Fehler mache ich bei einem Mathe-Test oder in der Fahrprüfung. Wenn ich aber zum Beispiel Geld veruntreue oder meine Partnerin betrüge, ist das Sünde. Ein Fehler passiert aus Unwissen oder aus Versehen. Sünde ist gezieltes, bewusstes Handeln. Wer monatelang seinen Partner betrügt, tut das mit Vorsatz.

Für einen Fehler kann man sich entschuldigen. Bei Sünde reicht das nicht. Da muss man um Vergebung bitten. Wenn ich meine Partnerin betrüge, reicht ein einfaches „Entschuldigung“ nicht aus. Die zerstörte Beziehung kann nur wiederhergestellt werden, wenn ich meine Schuld eingestehe und um Vergebung bitte. Das ist schwer, denn Sünde wird häufig mit Bestrafung oder Verdammnis verbunden.

Anders als wir Menschen verbindet Jesus Sünde aber nicht in erster Linie mit Bestrafung oder Verdammnis. Er macht zwar deutlich, dass es Verdammnis gibt. Aber er bricht den zwingenden Zusammenhang von Sünde und Verdammnis auf. Er fokussiert sich auf Wiederherstellung und Heilung. Jesu ganzes Leben steht genau unter dieser Botschaft. Er hat gesagt: „Ihr seid Sünder. Ihr handelt absichtlich gegen den Willen Gottes. Ich aber bin gekommen, um Eure Beziehung zu Gott wiederherzustellen. Dazu müsst ihr aber zugeben, gesündigt zu haben und um Vergebung bitten.“

Ohne Sünde keine Rettung

Damit sich niemand rausreden kann, verschärft er die Gebote Gottes sogar noch. Nehmen wir noch mal das Beispiel Ehebruch: „Ihr wisst, dass es heißt: ›Du sollst nicht die Ehe brechen!‹ Ich aber sage euch: Jeder, der eine Frau mit begehrlichem Blick ansieht, hat damit in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.“ (Matthäus 5,27-28)

Jesus ist für alle gekommen, die verloren sind – also jeden Menschen. Gott liebt die verlorenen Menschen. Wir werden Jesus erst wirklich kennenlernen, wenn uns klar wird, dass wir Sünder sind. Erst wenn wir das kapiert haben, verstehen wir, wer Jesus ist und was er für uns getan hat.

„Wir werden Jesus erst wirklich kennenlernen, wenn uns klar wird, dass wir Sünder sind. Erst wenn wir das kapiert haben, verstehen wir, wer Jesus ist und was er für uns getan hat.“

Deswegen können und dürfen wir als Christen das Wort Sünde nicht verdrängen. Deswegen dürfen sich alle Sünder freuen. Denn ohne Sünde keine Rettung.  Wer erkannt hat, dass er Sünder ist, darf jubeln. Denn diese Erkenntnis ist der einzige Weg zurück in die Beziehung zu Gott.
 

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Kommentare

Von Dagmar S. am .

Vor ein paar Tagen dacht ich noch : Wär schön, wenn das Wort "Sünde" mal zum Wort des Jahres gekürt würde. Das könnte uns zur dann hoffentlich folgenden und dringend notwendigen Umkehr und Rettung helfen. Prima Artikel, Danke.


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