Andacht Lesezeit: ~ 3 min

Provokation Jesus

Warum Jesus behaupten darf, der einzig wahre Gott zu sein

„Jesus ist ,nur‘ der uneheliche Sohn der Ehebrecherin Marias, die Josef mit einem römischen Legionär betrogen hat. Er ist nur ein gewöhnlicher Mensch aus Fleisch und Blut.“

Diese Meinung teilte uns vor ein paar Tagen einer unserer Nutzer mit. Ich bin nicht überrascht über Aussagen wie diese. Jesus polarisiert. Das hat er schon zu Lebzeiten getan. Er tut es heute noch und das wird auch noch der Fall sein, wenn ich schon lange nicht mehr unter den Lebenden wandle. Aber warum ist das eigentlich so?

Jesus stellt einen unerhörten Ausschließlichkeitsanspruch

Jesus erhebt einen geradezu unerhörten Anspruch. In Lukas 22,70 bestätigt er, was Dämonen und Menschen vorher schon erkannt haben: Er ist der Sohn Gottes. Jesus behauptet nichts anderes als Mensch und gleichzeitig Gott zu sein. Das haben weder Mohammed noch Vishnu oder Buddha behauptet. Nirgendwo sonst wird von einem Gott berichtet, der nicht nur Gott sein will, sondern auch als Mensch auf die Erde kommt und bereit ist, alles für seine Geschöpfe zu tun – das eigene Sterben inklusive.

Es ist vermutlich diese Radikalität, die so viel Widerstand auslöst. Und Jesus verschärft die ganze Debatte noch. In Johannes 14,6 behauptet er, der Weg, die Wahrheit und das Leben zu sein. Und weiter: „Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ Jesu Worte legen nahe, dass jeder, der nicht für ihn ist, gegen ihn ist. Doch es kommt noch dicker: Wer nicht an Jesus glaubt, wird dafür auch noch bestraft. Das schlägt – zumindest aus Sicht des modernen Menschen – dem Fass den Boden aus.

Beim Anblick der verlorenen Menschen jammerte es Jesus

Wer sich nur auf diese Seite von Jesus konzentriert, verliert aber das Wesentliche aus dem Blick. Jesus ist viel mehr als ein Radikaler oder die enge Pforte in den Himmel. Jesus ist der Inbegriff der Liebe, Gnade und des Mitgefühls. Man darf Jesu „Ausschließlichkeitsanspruch“ nie von seiner Liebe für jeden Menschen trennen. Es sind zwei Seiten einer Medaille.

Jesus ist der einzige Weg zu Gott. Aber Jesus ist auch der einzige Gott, der bereit war, Mensch zu werden. Darin zeigt sich seine bedingungslose Liebe für die Menschen. Er hat Kranke geheilt, Tote auferweckt und zahllosen Menschen Hoffnung und Zuversicht geschenkt. Matthäus 9,36 bringt Jesu Gefühle für jeden von uns auf den Punkt: „Er hatte tiefes Mitleid mit den vielen Menschen, die zu ihm kamen, denn sie hatten große Sorgen und wussten nicht, wen sie um Hilfe bitten konnten. Sie waren wie Schafe ohne Hirten.“ Luther hat es so übersetzt: „Es jammerte ihn.“ Uns Menschen so verloren und ohne Hoffnung zu sehen, hat Jesu Eingeweide zusammengezogen. Unser Leid hat ihm körperliche Schmerzen bereitet. Aber Jesus ist noch weiter gegangen. Er war bereit, sein Leben für uns zu geben.

Die eigentliche Provokation ist Jesu Leben selbst

Das rückt den Anspruch, den Jesus hat, in ein anderes Licht. Er ist der einzige mir bekannte Gott, der für uns Menschen seine Göttlichkeit, Herrlichkeit und Macht aufgegeben hat. Er ist der einzige Gott, der sich hat hinrichten lassen und dadurch alles in Ordnung gebracht hat, was der Mensch vermasselt hat. Er ist der einzige Gott, der tot war und von den Toten auferstanden ist.

Jesus erhebt einen Absolutheitsanspruch. Das ist unerhört. Es provoziert. Aber Jesu Absolutheitsanspruch steht nicht im luftleeren Raum. Jesus selbst hat alles gegeben, was möglich war. Im Römerbrief steht: „Gott hingegen beweist uns sein Liebe dadurch, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren.“ Jesus ist in Vorleistung gegangen. Mit seinem eigenen Leben. Und es gibt schlicht keine größere Liebe, als dass jemand sein Leben für seine Freunde hingibt (Joh 15,13). Nur deswegen darf Jesus so absolut auftreten. Diese Liebe bis in und über den Tod hinaus ist die eigentliche Provokation – und darin liegt die Kraft verborgen, die die Welt verändert. 


Kommentare

Von Claas Kaeseler am .

Die Frage kann so nur Gott beantworten. Sie hängt von zu vielen Faktoren ab, die wir als Menschen gar nicht einschätzen können. Außerdem haben sich zahllose brillante Menschen an der Beantwortung dieser Frage versucht - ich glaube kaum, dass ich neue und erhellende Ergänzungen machen kann.
Allerdings halte ich nichts von der "religiösen Gleichmacherei". Juden, Christen, Muslime und Hinduisten glauben nur dann an denselben Gott, wenn Jesus Christus für sie der Erlöser ist und sie ihm ihr Leben mehr

Von Suchender am .

Viel mehr interessiert mich: Wenn ein Hindu, ein Jude und ein Moslem alle Gläubig sind und darauf vertrauen, dass sie in den Himmel kommen, werden dann alle 3 enttäuscht?

Von Suchender am .

Nee, musste er ja nie. Ging mir nur um's Prinzip, dass er auch als Mensch auf Erden den Menschen beisteht.

Von Die Redaktion am .

Aber war Vishnu auch bereit, sein Leben für die Erlösung aller Menschen hinzugeben? Hat er aus Liebe alles für die Menschen getan?

Von Suchender am .

Eigentlich kam Vishnu sogar sehr oft als Mensch auf die Erde

Von Die Redaktion am .

Die Trinitätslehre wurde erst später aus den biblischen Schriften heraus konsequent auf Konzilien bzw. Synoden der Kirche durchdacht. Herausgefordert waren die Christen damals von Menschen, die z. B. bestritten, dass Jesus Gottes Sohn ist.
Sie erkannten, dass durch derartige Gedankenspiele die Erlösung von uns Menschen auf dem Spiel steht.
Damit haben sie Diskussionen, wie die zu der Andacht, um Jahrhunderte vorweggenommen und entschieden.

Von Matias R am .

Natürlich sollte es heissen:Als Jesus sagte:„Ich und der Vater sind eins“,sprach er demnach von einer wunderbaren Einheit — der engsten Gemeinschaft, die es überhaupt zwischen zwei Personen geben kann.

Von Matias R am .

Ein Blick auf die vorangehenden Verse kann weiterhelfen.In Vers 25 erwähnte Jesus,dass er im Namen seines Vaters tätig ist.In Vers 27-29 sprach er von „Schafen“,die ihm sein Vater gegeben hat.Beide Aussagen Jesu hätten für seine Zuhörer kaum Sinn ergeben,wenn sein Vater und er ein und dieselbe Person wären.Was Jesus sagen wollte,war eigentlich:„Mein Vater und ich sind so eng miteinander verbunden,dass genauso wenig,wie jemand die Schafe aus der Hand meines Vaters reißen kann,er sie aus meiner mehr

Von Die Redaktion am .

In Joh 10:30 steht: "Ich und der Vater sind eins."

Von Bibelleser am .

Liebe Mitgläubige,
es ist für mich immer wieder faszinierend, solche Passagen zu lesen wie "Jesus erhebt den Anspruch, DER SOHN (!) Gottes zu sein", und sodann, im selben Atemzug "Jesus behauptet, GOTT zu sein." Das ist ungefähr so, als sage man: "Ich bin Angestellter bei der Firma XZ. Die Firma XZ gehört mir." Oder: "Ich bin Mercedesfahrer. Mein Auto ist ein Fiat." Ich frage mich: Wo ist hier die Denksperre, wo die Denkblockade, wo die Unfähigkeit, den einzig wahren und klaren Sachverhalt zu mehr

Von Matias R am .

@DIE REDAKTION
Jesus lehrte seine Jünger beten:„Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt.“Die Bibel beschreibt unseren himmlischen Vater,als über seinem Sohn stehend.Beispielsweise ist Gott „von Ewigkeit zu Ewigkeit“. Jesus dagegen ist laut der Bibel „der Erstgeborene aller Schöpfung“. Jesus selbst lehrte, dass Gott größer ist als er, denn er sagte: „Der Vater ist größer als ich“ (Matthäus 6:9; Psalm 90:1, 2, Einheitsübersetzung; Kolosser 1:15; Johannes 14:28).Die Dreieinigkeitslehre mehr

Von Paul S. am .

An Herr od. Frau Franke
danke für Ihren Bericht war sehr interessant nur meines Wissens ist die jüdische Religion siehe " Genesis " nur ein Gott , wesentlich älter als den erwähnten Pharao auch ist anzumerken das doch alle Ägyptischen Herrscher Krieger waren und deshalb kaum mit Jesus von Nazareth zu vergleichen ist .Jesus predigte wahrlich die Gewaltlosigkeit und Nächstenliebe , selbst die röm. Besatzungsmacht hat Jesus nicht in Frage gestellt (die Steuerfrage )Was Jesus gesagt hat hatte mehr

Von Die Redaktion am .

Die Bibelstellen, die Sie anführen, belegen, dass Jesus manche Dinge nicht weiß, die Gott, Vater, bekannt sind und dass Gott, der Vater, Dinge macht, die der Sohn nicht macht. Daraus kann man eine Art Unterordnung unter den Vater herauslesen.
Das widerspricht unserer Ansicht nicht der Aussage, dass Jesus der wahre Gott ist. Zumindest, wenn man wahrer Gott trinitarisch versteht.
Vater, Sohn und Heiliger Geist, sind zu unterschieden, sie begegnen dem Menschen anders und doch haben Sie dasselbe mehr

Von Jasmin am .

Meiner Erfahrung nach müssen sich Einssein und Individualtität nicht ausschließen. So war Jesus zugleich eins mit seinem Vater als auch individuell als der Sohn Gottes. Wir selbst können eins mit Christus werden, aber deshalb verlieren wir nicht völlig unsere Individualität, selbst in der absoluten Steigerung nach diesem Leben nicht. Sofern wir das schaffen. Auf einer höheren Stufe ist das meiner Meinung nach auch mit dem Sohn Gottes und dem Vater so zu sehen. Jesus ist in Beziehung zu den Menschen und anderen Wesen der einzig wahre Gott und in Beziehung zu seinem Vater sein geliebter Sohn.

Von Rainer am .

Das Judentum kennt m. E. keine Trinität, von daher sehe ich den Juden Jesus auch historisch eher als Lehrer und Propheten unter Gott. Warum sollte sich Gott taufen lassen von Johannes? Jesus hatte nicht nur eine Jüngerschar als Prediger, sondern auch wohl eine eigene Jüngerschaft. Vieles ist hellenistisch-philosophisch-theologisch ausgestaltet worden später (Christologie).

Von Hans H. am .

Ich möchte nur Bezug nehmen auf den Aufsatz von Matias R.
Jesus ist als Mensch auf diese Erde gekommen um den Menschen zu dienen. Er ist zu dieser Zeit Mensch und Gott gewesen. Von daher ist es nur selbstverständlich, daß der Vater (Gott) über ihm steht.

Von Katrin H. am .

Vielen Dank für diese gute Zusammenfassug dessen was Jesus für jeden von uns getan hat. Das Bild von der Medaille mit zwei Seiten hilft mir sehr. In einem Vortrag über das hebräische Menschenbild hörte ich, dass die Vorstellung einer Gleichzeitigkeit, Synthese bei den Juden eher besteht als bei uns Westeuropäern. Danke für ihren Artikel!

Von Franke, S. am .

"Das haben weder Mohammed noch Vishnu oder Buddha behauptet. Nirgendwo sonst wird von einem Gott berichtet, der nicht nur Gott sein will, sondern auch als Mensch auf die Erde kommt und bereit ist, alles für seine Geschöpfe zu tun – das eigene Sterben inklusive."
Hallo Zusammen, ich möchte hier auf historische Zusammenhänge zwischen der judischen und ägyptischen Religion hinweisen. Während eines Urlaubs in Ägypten habe ich mich eingehender mit der Geschichte des Landes befasst. Viele Fragen mehr

Von Harald W. am .

Amen!

Von Matias R. am .

Ohne Frage ist die Rolle Jesu Christi einzigartig und verdient sicher mehr, als mit den eingangs erwähnten Worten des Nutzers herabgewürdigt zu werden. Trotzdem muss ich mit dem größten Respekt Widersprechen, Jesus sei der wahre Gott. Dass der Vater dem Sohn sowohl übergeordnet als auch eine von ihm getrennte Person ist, geht aus Jesu Gebeten hervor. So betete er beispielsweise vor seiner Hinrichtung: „Vater, wenn du willst, entferne diesen Becher [einen schändlichen Tod zu sterben] von mir. mehr

Von Fred am .

Amen


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