Theologie

Heiligung Teil II

Warum Heiligung bedeutet, die Welt zu verändern – angefangen bei sich selbst

Im ersten Beitrag zum Thema Heiligung ging es darum, was Heiligung genau bedeutet und dass sie aus der Zusammenarbeit von Gott und Mensch resultiert.

Mein Part unter der Lupe

Wie mein Beitrag zur Heiligung genau aussieht, ist damit aber noch nicht umrissen. Ein besonderes Geheimnis ist er aber nicht. Das braucht es auch nicht. Denn Heiligung ist die natürliche Frucht eines gesunden Glaubens. Und dafür gibt es keine besonderen Mittelchen, Handlungen, Umwege oder Abkürzungen.

Deshalb sorge ich am besten für meine Heiligung, wenn ich mich Gott aussetze. In seinem Wort (Bibel), im Gespräch mit ihm (Gebet), mit seinem Leib (Gemeinde, Gottesdienst und Abendmahl) und indem ich seine Botschaft weitergebe. Hilfreich ist es auch, meine Art, wie und wo ich Gott am liebsten begegne, genau zu kennen (z. B. in der Natur, durch genaues Nachdenken, in der Einsamkeit, …). Diese zentralen Elemente halten meinen Glauben gesund. Wenn ich in diesen Bereichen dranbleibe und Gottes Unterstützung durch seinen Geist hinzukommt, entsteht ein fruchtbarer Boden, auf dem meine Heiligung wachsen kann.

Diese Verwandlung wird nach und nach alle Teile meiner Person umkrempeln. Ich werde Gott immer besser kennenlernen, ihn immer mehr erkennen (Philipper 1,9). Auch jeder meiner Gedanken wird sich mehr und mehr auf Gott ausrichten (2. Korinther 10,5). Ebenso wird mein gesamter Wille mehr und mehr dem entsprechen, was Gott von mir will (Philipper 2,13). Meine Gefühle werden ebenso in Jesu Weise zu reagieren verändert wie ich auch mit meinen Körper so umgehe, wie Gott es möchte. (Galater 5,22Römer 6,12)

So werden Christen immer mehr zu Menschen, die Gott für seine Pläne hervorragend einsetzen kann. Sie werden immer empfänglicher für das, was Gott will. Alles, was von Gott trennt (Sünde), wird immer weniger Raum in ihrem Leben einnehmen. Was Christen sind und was sie tun, wird mehr und mehr Jesus ähnlicher.

Wie weit geht Heiligung?

Diesen fortschreitenden Prozess kann man aber auch falsch einordnen. Einige Christen teilen zum Beispiel die Meinung, dass man als Christ schon in diesem Leben komplett heilig leben kann (Perfektionismus). Mit genügend Anstrengung und Hingabe an Gott sei der Sieg über die Sünde zu haben – mit makelloser Liebe zu Gott und allen Menschen, erfüllt vom Geist. Verse, wie „Wer in ihm bleibt, der sündigt nicht“ (1. Johannes 3,6) oder „Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig“ (1. Thessalonicher 5,23) scheinen diesen Gedanken zu unterstützen. Das Neue Testament zeigt uns aber zwei Seiten einer Medaille auf.

Einerseits ist es richtig: Christen sind schon heilig. „Aber ihr seid rein gewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes“, schreibt Paulus an die Korinther (1. Korinther 6,11). Christen sind gerettet und gehören zu Gott, deshalb sind sie schon Heilige (Hebräer 10,10Römer 1,7). In diesem Sinne beschreibt Heiligung erst einmal keinen besonders moralischen oder geistlich hervorragenden Lebensstil. Christen sind auch nach zehn Jahren als Christ nicht mehr gerettet als am Anfang.

Andererseits sind Christen weder auf Anhieb ganz frei von Sünde, noch spiegelt ihr Wesen schon vollständig den Charakter Jesu wider. Die Hingabe an Gott muss immer wieder neu geschehen. Die Heiligung und letztlich die Befreiung von den Auswirkungen der Trennung zu Gott bleibt ein lebenslanger Prozess. Deshalb verwundert es nicht, wenn Paulus die schon genannten „Heiligen“ aufruft, die Sünde nicht herrschen zu lassen (Römer 6,14). Christen, also Heilige, sollen sich immer wieder Gott verschreiben und sich ihm hingeben (Römer 6,12-13) – ein unnötiger Aufruf, wenn sie schon komplett heilig wären. Zehn Jahre nach ihrem Start als Christ sollte ihr Leben anders aussehen. Jesus-ähnlicher.

In anderen Worten bedeutet das: In Bezug auf ihren Status vor Gott, sind Christen geheiligt (Rechtfertigung). Gleichzeitig werden sie geheiligt und arbeiten weiter an ihrer praktischen Heiligung. Diese Spannung fasst Paulus innerhalb eines Verses folgendermaßen zusammen: „Nun aber, da ihr von der Sünde frei und Gottes Knechte geworden seid, habt ihr darin eure Frucht, dass ihr heilig werdet; das Ende aber ist das ewige Leben.“ (Römer 6,22)

Das bedeutet, dass Christen nicht perfekt sein müssen. Auch nicht generell sein können (Römer 7,19). Gott steht trotzdem zu ihnen und kann sie gebrauchen, was eine kurzer Blick in die Bibel zeigt. David begeht Ehebruch und mordet. Petrus bekommt es mit der Angst zu tun und verleugnet Jesus. Salomo hat ein Problem mit schönen Frauen. Mose ist nicht gehorsam und schlägt auf den Felsen, anstatt zum Felsen zu sprechen (4. Mose 20,8-13). Die Bibel ist voller Vorbildern, die im Glauben scheitern. In Bezug auf die Heiligung machen sie klar: Gott ist weniger auf der Suche nach perfekten Menschen, sondern nach Menschen, die sich immer wieder auf den Weg mit ihm einlassen und sich verändern lassen. (Kolosser 3,9-10) Gott kann mich nicht erst dann gebrauchen, wenn meine Heiligung abgeschlossen ist.

Nach meinem Tod aber wird Gott meine Rettung vollkommen machen, ebenso meine Heiligung. Denn nur was heilig ist, kann vor Gott bestehen (z. B. Offenbarung 21,27). Nach ihrem Tod werden Christen zu vollendeten Gerechten, sprich vollständig Heiligen (Hebräer 12,23).

Was heiliges Leben bedeutet

Auch wenn ich als Christ kein völlig heiliges Leben führen kann – in verschiedenen Bereichen meines Lebens bewirkt Gott durch die Heiligung gute Veränderungen. Deshalb zeigt ein heiliges Leben beispielsweise einige der folgenden Symptome: Ich werde mit anderen Menschen ehrlich umgehen, ebenso mit meinem Geld (Epheser 4,28). Ich bin bereit, anderen zu vergeben und mit ihnen in Frieden zu leben (Hebräer 12,14). Ich urteile nicht über andere (Matthäus 7,1-2) und versuche, meine Zunge als gutes Werkzeug zu gebrauchen (Jakobus 3,1-12).

Da ein heiliges Leben vor allem durch die Kraft des Heiligen Geistes möglich ist, sind die Auswirkungen seines Wirkens in mir ebenfalls gute Anzeichen. Dazu gehören Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit (Galater 5,22-23). Ebenso gehört ein guter Umgang mit Sexualität zu einem heiligen Leben (1. Thessalonicher 4,3). Insgesamt versuche ich als Christ alles zu meiden, was von Gott trennt und jedes seiner Gebote zu halten. Ich werde meinen Alltag mit Gottes Augen sehen und mit Blick auf seine geistliche Dimension einordnen.

Heiligkeit bedeutet damit auch, mein Leben mehr und mehr Gott und anderen Menschen zur Verfügung zu stellen. Sich selbst in Gott und im Anderen zu verlieren – und wiederzufinden. Heiligkeit bedeutet, Gott und seinen Willen von ganzem Herzen zu lieben und zu suchen. Gott den notwendigen Respekt zu zollen, aus Dankbarkeit ihm gefallen wollen und ein Leben zu führen, das ihn ehrt. Durch meine Heiligung bin ich mitten in dem Prozess, in dem Gott alles Zerbrochene und in Unordnung geratene schon jetzt wiederherstellt – wenn auch erst in der Ewigkeit auf perfekte Weise.

Heiligkeit bedeutet damit letztlich nicht weniger als das: mich selbst und dann die Welt zu verändern.


Kommentare

Von Christoph S. am .

Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Gottes Geist verändert mich zum Guten, nicht ich mich selbst. Und hoffentlich wird durch mich die Welt etwas liebevoller.

Von Jasmin am .

Den Prozess der Heiligung zu leben bedeutet auch, ALLE Kreaturen Gottes zu lieben, auch die Tiere. Das heißt, dass wir in diese Liebe nicht nur unsere Haustiere einschließen sollten, sondern auch die gepeinigten Tiere in der Massentierhaltung.

Von André H. am .

Danke!

Von Ursula B. am .

Danke für die ermutigende Auslegung!

Von Renate am .

Danke für diese guten Gedanken. Unsere Heiligung ist ein lebenslanger Prozess der Umgestaltung in das Bild Christi. ER hat alles für uns vollbracht am Kreuz von Golgatha, und durch den Glauben an IHN sind wir in Gottes Augen dem Stande nach heute schon Heilige, obwohl wir diesen Zustand in diesem Leben nicht vollständig erreichen werden und können, weil wir noch im "Leib der Sünde" leben, wie das der Apostel Paulus so schön im Römerbrief erläutert.


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