Andacht

Ich bin dann mal weg.

Warum Abschiede anstrengend und trotzdem nötig sind. Eine Andacht

Ich nehme nicht gerne Abschied. Denn diese Momente sind häufig getrübt von einer Gefühlsmelancholie, die ich mir selbst gerne ersparen würde. Immer wieder muss ich Abschied nehmen und damit etwas Liebgewonnenes loslassen. Vor wenigen Tagen war ich als Mitarbeiterin auf einem Jugendcamp auf Korsika. Nach den zwei action- und erlebnisreichen Wochen standen alle Teilnehmer und auch wir Mitarbeiter auf einer Wiese, um voneinander Abschied zu nehmen. Nicht wenige mussten mit den Tränen kämpfen. Mit dem Wunsch im Herzen, dass die Teilnehmer auf dem Camp einiges für ihr Leben gelernt haben, musste ich sie nun loslassen.

Plötzlich heißt es: Loslassen

Schon solche kleinen Abschiede fallen mir schwer. Doch natürlich gibt es weitaus anspruchsvollere Abschiede. Dabei denke ich zum Beispiel an Beziehungsbrüche oder berufliche Umbrüche. Da hat man viele Jahre in eine Aufgabe oder einen Menschen investiert und dann heißt es plötzlich: Loslassen. Vor dieser Schwelle stehe ich gerade wieder. Mein Volontariat in der Online-Redaktion neigt sich dem Ende zu. Ab September arbeite ich für ein anderes Werk.

Nun mischen sich Vorfreude auf die neue Stelle mit Traurigkeit und Wehmut. Schließlich geht auch etwas zu Ende. Und damit verliere ich etwas. Meine Aufgaben hier und auch wunderbare Kollegen, mit denen ich in den letzten Jahren einiges erlebt habe. Ich hadere mit mir selbst. Ich will nicht loslassen, ich will nicht weggehen. Warum kann es nicht so bleiben wie es ist? Warum müssen sich Dinge im Leben immer wieder ändern?

Neues Land erobern

Doch es bleibt unumgänglich: Das Leben erfordert immer wieder, Bekanntes loszulassen und weiterzugehen. Wer am Alten emotional haften bleibt und nicht bewusst loslässt, kann auch nur schwer neues Land erobern. Es braucht innere Freiheit, um sich wieder mit ganzem Herzen auf neue Gegebenheiten einzulassen. Paulus schreibt im Phillipperbrief 3,13f in Bezug auf seine Arbeit im Reich Gottes: „Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was vorne ist.“

Er bringt dadurch auf den Punkt, dass man sich bewusst auf das vor einem Liegende konzentrieren und die neue Aufgabe mit Leidenschaft anpacken soll. Klar: In der Phase des Loslassens fällt das schwer und das ist auch in Ordnung. In dieser Zeit darf ich gnädig mit mir selbst sein und mir auch Zeit für den Abschied geben. Denn nur wenn ich Altes bewusst loslasse, bin ich offen für eine neue Aufgabe und neue Kollegen.

Jeder Abschied eine Chance

Der Abschied ist nicht nur wichtig, um neues Land zu erobern. Jeder Abschied ist eine Chance, in der ich Halt in Gott erfahren kann und meine Gottesbeziehung wächst. In Psalm 37,5 heißt es: „Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohlmachen.“ Für mich bedeutet es, dass Jesus sich in Umbruchszeiten von mir wünscht, dass ich ihm meine Ängste und Sorgen vor dem Ungewissen, aber auch die Trauer um den Verlust des Alten abgeben soll und wissen darf, dass er einen guten Weg für mich hat. Gerade wenn der Boden unter den Füßen wackelt, darf ich mich auf Gott fokussieren und wissen: Er ist in der Umbruchszeit bei mir und er geht auch weiterhin mit mir. Dieser Gedanke tröstet mich und lässt mich wieder lächeln. Auch wenn ich Abschiede immer noch nicht mag, weiß ich: Es geht weiter und es wird gut.


Kommentare

Von Ilka W. am .

Herzlichen Dank für die vielen Inspirationen, besonders heute eine grosse Hilfe für mich!!
Habe ganz kurzfristig als Lektor für heute zwei Gottesdienste übernommen und werde über "ich bin dann mal weg" predigen!

Von Norbert S. am .

Ich bin der Überzeugung das hier gelesene kann einem sehr viel Kraft geben der sich in einer Situation des Abschieds befindet. Und Abschiede gibt es im Leben viele

Von Katharina S. am .

Genauso ist es. Das erlebe ich auch dauernd und immer wieder! Es ist schön zu wissen, dass es Gott gibt und er das Beste für mich will!

Von Dorena am .

Danke. Ich habe für diese Lebenslektion viel Zeit gebraucht und bin dabei manchen Umweg gegangen. Nun geht es mir damit ein bisschen besser,GOTT SEI DANK ! Grüssele Dorena

Von Friedolin am .

Diese Zeilen zu lesen - mitten in dem Loslassesnprozess meiner langjährigen Beziehung, dazu mit meinem Konfirmationsspruch - wirken wie ein Engel im Internet. DANKE liebe Nelli, dass Du uns Anteil nehmen lässt und Mut machst. Ja, es geht weiter ... mit dem Blick auf Jesus. SHALOM

Von Elizabeth am .

Danke ~~

Von Margrit E. am .

Danke für die Ermutigung! Musste in letzter Zeit einiges loslassen, was mir viel bedeutet hat. Wünsche Ihnen Gottes Segen für den neuen Start

Von Juliana I. am .

Danke der Artikel trifft voll mein Empfinden. Ich möchte auch nicht wahrhaben was sein soll - warum konnte es nicht so bleiben wie es war. Da Jesus diese Gedanken kennt hat er mir auch geholfen und ich kann aus tiefstem Herzen und Freude sagen 'Er hat's wohl gemacht. Danke für diesen Artikel.


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