Serviceartikel

Sekte, Kirche, Endzeitfanatiker?

Antworten auf die 5 wichtigsten Fragen zu den Zeugen Jehovas

 

Steffen erzählt von seinem Ausstieg
bei: Mensch, Gott!: „Ich war Sektenkind“
Foto: © ERF Medien

Steffen Schreinert berichtet in der aktuellen Ausgabe von „Mensch, Gott“ von seinen Erfahrungen bei den „Zeugen Jehovas“. Als Kind wurde er Teil dieser Religionsgemeinschaft und es dauerte Jahre, bis er sich aus der festen Umklammerung der Gruppierung befreien konnte. Einige der wichtigsten Fragen in Bezug auf die weltweit aktive Organisation im Überblick.

Wer sind die Zeugen Jehovas?

Die Zeugen Jehovas verstehen sich als einzig legitime christliche, theologische Organisation. 2013 waren weltweit knapp 8 Millionen sog. Verkündiger aktiv. In Deutschland sind es knapp 165.000. Die Struktur der Organisation ist streng hierarchisch. Die „Leitende Körperschaft“, ein Gremium aus acht Männern, leitet die Geschicke der Organisation. Die Mitglieder der Zeugen Jehovas müssen ihren Anweisungen und Bibelinterpretationen strikt Folge leisten.

Sind die Zeugen Jehovas eine Sekte?

Die evangelische Zentrale für Weltanschauungsfragen (EZW) stuft die Zeugen Jehovas als Sekte schlechthin ein. Das liegt an den strengen Schulungen, gegenseitigen Kontrollen und der Forderung nach blindem Gehorsam. Außerdem lehnen die Zeugen Jehovas alle anderen Religionen als „falsche Religionen“ ab. Sie erwarten das baldige Weltendes. Die Ökumene lehnen die Zeugen Jehovas kategorisch ab.

Wie sind die Zeugen Jehovas entstanden?

Gegründet hat die Zeugen Jehovas eine Gruppe um Charles Taze Russell (1852-1916). Das erste Weltende erwartete er 1872/73. Danach  gründete er einen eigenen Bibelstudienkreis, der 1879 die erste Zeitschrift herausbrachte. Diese Zeitschrift wurde später der „Wachtturm“. Ursprünglich wollte Russell überkonfessionell wirken.

Sein Nachfolger Joseph Franklin Rutherford (1869-1942) hat die Zeugen zu dem gemacht, was sie heute sind. Unter seiner Leitung wurden die Zeugen zu einer straff geführten Organisation. Grundlage der Lehre ist die „Heilige Schrift“ in der von der Wachtturm-Gesellschaft (WTG) genehmigten Form. Seit 1950 existiert mit der „Neue Welt Übersetzung“ (NWÜ) eine eigene Bibelübersetzung, deren Verlässlichkeit einige Bibelforschern anzweifeln.

Was glauben die Zeugen Jehovas?

Die Zeugen Jehovas glauben nicht, dass Jesus Gott ist und gehen davon aus, dass man das Ende der Welt berechnen und datieren kann. Sie gehen davon aus, dass Gottes heilsgeschichtlicher Plan in der Bibel verborgen niedergeschrieben ist. Deswegen müssen die Zahlen auf eine bestimmte, richtige Weise gedeutet werden. Die Bibel ist ihrer Ansicht nach wörtlich inspiriert. Alle Bibelstellen sind gleichwertig.

Das führt dazu, dass der Kontext der Bibelstellen eine bestenfalls untergeordnete Rolle spielt. Das erklärt beispielsweise die Ablehnung von Bluttransfusionen, Weihnachten, Geburtstagen und Fasching. Vorehelicher Geschlechtsverkehr, das Zusammenleben ohne Trauschein und Homosexualität können Gründe für den Ausschluss aus der Gemeinschaft sein.

Kriegsdienst lehnen die Zeugen ab, persönlicher Umgang mit Nicht-Zeugen ist unerwünscht und das Lesen von Aussteigerliteratur gilt als verwerflich. Die Anzahl der geleisteten für die Zeugen geleisteten Stunden werden Ende jeden Monats im sogenannten Predigtdienstbericht akribisch festgehalten. Das führt zu einem System aus Druck und hoher Angst.

Wie sollte man sich verhalten, wenn Zeugen an der eigenen Wohnungstür klingeln?

Streitgespräche mit Zeugen Jehovas sind – gerade für Laien – wenig sinnvoll. Die Zeugen Jehovas werden für diese Gesprächssituationen speziell geschult. Sagen Sie deutlich, dass sie keine weiteren Besuche wünschen. Sonst werden die Zeugen sogenannte „Rückbesuche“ versuchen. Das heißt, sie klingeln erneut an der Haustür. Machen sie deutlich, dass sie sich in ihrer Kirchengemeinde wohlfühlen und kein Interesse an Gemeinschaft mit anderen Gemeinschaften haben.


Kommentare

Von Mathias R am .

Das evangelische Magazin "CHRISMON" titelte einst: "Ist Mission überholt?" (http://chrismon.evangelisch.de/artikel/2007/ist-mission-ueberholt-1442). In dem Artikel war folgendes zu lesen: "Unter einer missionarischen Kirche ist eine Kirche zu verstehen, die ihren Auftrag ernst nimmt, zu anderen Menschen zu gehen und von der erfahrenen Güte Gottes zu berichten. Die andere an ihren Zukunftshoffnungen teilhaben lässt. Mission ist Werbung statt Belagerung, Einladung statt vornehmer Zurückhaltung, mehr

Von Paul S. am .

guter Bericht , hatte viele Jahre Kontakt zur Sekte ZJ durch eine Bekannte aus der Nachbarschaft die mich auch ständig mit der Lektüre der Zeugen J. versorgte obwohl ich immer klargestellt habe das ich nicht eintreten wolle.Interessant waren die Hefte schon da die Zeugen nicht nur die Bibel erklären sondern alles was mit der Schöpfung etwas zu tun hat .Universum , Erde Luft Wasser Tiere Pflanzen und natürlich der Mensch mit seinem komplexen aufbau .Diese Berichte waren spannend und Lehrreich mehr

Von Dieter M. am .

Danke für den Artikel und natürlich auch die Sendung. Ihnen, Herr Hartmut D., rate ich, zu beten, was sie zur Änderung der Situation in Ihrer Gemeinde beitragen können. Wenn Sie dann nach langer Prüfung keine Änderung sehen, suchen Sie das Gespräch mit der Kirchenleitung/dem Pfarrer und nehmen Sie dann unter der Leitung des Hl. Geistes weitere Schritte vor. Der Hinweis, dass es auch andere christliche Gemeinden gibt, erübrigt sich. Leiden mit seiner Gemeinde ist sicherlich angesagt, aber nicht mehr

Von Günter S. am .

Danke für diese Informationen

Von Siegfried G. am .

Ich selbst bin ein Ausgeschlossener der ZJ, da ich Wählen war. Der Bericht ist in einigen Sachen nicht ganz korrekt. Es entsteht kein Druck bzw. Angst bei den ZJ. Die Bibel wird sehr wohl immKontext gesehen nur der Sklave schreibt diesen Kontext vor.
Die Zeugen glauben schon das Jesus EIN GOTT IST. Sie glauben aber nicht an die Dreieinigkeit. Sie sagen es sind 3 verschiedene "Personen". Also Gott (Jehova), Jesus ( Gottes Sohn) und der Heilige Geist ( Gottes eingesetzte Kraft).
Ansonsten ist der Bericht gut!

Von Gebhard B. am .

Grüß Gott!
Da viele Mitglieder der ZJ getaufte Katholiken sind, stellt sich die Frage, was in der Gemeinde nicht richtig vermittelt werden konnte, sodass es zum Übertritt gekommen ist ...
G.B. aus Graz

Von Barbara W. am .

Ich bleibe meiner Religion treu

Von Daniel am .

Es gibt bei den Zeugenjehovas auch einen Status von Haustüren. Du kannst bei Ihnen als nicht bekehrbar eingestuft werden, dann machen sie es wie in der Bibel und Schütteln sich den Staub von den Füßen und lassen dich in ruhe.
Das sollte man aber wie oben steht nicht im Streitgespräch sondern überzeugt sagen das man mit ihrer Lehre nichts anfangen kann und einen eigenen Glauben hat von dem man nicht weicht.

Von Hartmut D. am .

Was aber, wenn die letzte Aussage "ich fühle mich in meiner Kirchengemeinde wohl" nicht zutrifft, weil die dort leibliche Auferstehung Jesu, der Sühnetod, der Glaube an einen Schöpfer, die Bibel als Gottes Wort weder verkündigt noch akzeptiert wird - stattdessen werde schwule Praktiken gesegnet und dieses Empfinden als Schöpfungsvariant verkauft. - Daher sollte man wenigstens auf Freikirchen oder Landeskirchliche Gemeinschaften hinweisen.


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