Interview Lesezeit: ~ 6 min

Ohren auf!

Gottes Stimme hören und danach handeln – ein Erfolgsrezept. Ein Interview mit Kerstin Wendel.

Reinreden lassen wir uns alle nicht gern. Doch die Autorin Kerstin Wendel ist überzeugt, dass es sich lohnt, sich von Gott reinreden zu lassen. Mit Ute Zintarra hat sie für eine Calando-Sendung darüber gesprochen, auf welche Arten Gott in das eigene Leben hineinreden kann und warum es sinnvoll ist, auf das Reden Gottes zu horchen.

Ute Zintarra: Sie haben sich intensiv mit dem Thema Gebet auseinandergesetzt und zwar besonders damit, wie man auf Gott hören kann. Gebet als Reden mit Gott kennen wir alle. Aber das Hören auf Gott fällt oft deutlich schwerer. Was sollte man dabei beachten?

Kerstin Wendel: Für mich ist wichtig, dass ich mich im Vorfeld frage: „Bin ich bereit Gott eine Frage zu stellen?“ Wenn ich erwarte, etwas von Gott zu hören, setzt das voraus, dass ich eine Enttäuschung erleben kann. Das hindert uns manchmal daran, ins Hören hineinzufinden. Wir haben Bedenken wie „Redet Gott dann wirklich zu uns? Und wie komme ich mit meinem Glauben damit klar, wenn er es nicht tut?“ Das hindert manchmal Menschen daran, diese Form des Gebets überhaupt zu wagen.

Ich möchte aber Mut dazu machen und Menschen auffordern: „Komm, stell deine Fragen! Stell sie konkret, egal um welches Thema es geht.“ Ich glaube, dass Gott sich dann auf seine Weise einschalten wird. Die Art und Weise, wie Gott spricht, kann dabei unterschiedlich sein.

Lämpchen an, Lauscher auf!

Ute Zintarra: Man sagt oft, Gott spricht durch die Bibel in unseren Alltag hinein. Wie kann man sich das vorstellen?

Kerstin Wendel: Ich persönlich höre viele Bibelworte und trotzdem gibt es Momente, wo ich merke: „Jetzt trifft mich dieses Wort ins Herz, so als wäre es auf mich persönlich zugeschneidert.“ Das erfahre ich nicht jeden Tag. Ich denke auch nicht, dass andere das jeden Tag erfahren, aber man kann es immer wieder erleben. Daher sollte man die Bibel nicht unterschätzen. In Hebräer 4,12 steht: „Das Wort Gottes ist lebendig und wirksam. Es ist schärfer als das schärfste Schwert und durchdringt unsere innersten Gedanken und Wünsche. Es deckt auf, wer wir wirklich sind und macht unser Herz vor Gott offenbar.“ Das heißt, die Bibel kann uns ganz klar auf konkrete Fragen Antwort geben.

Ute Zintarra: Ist es Ihnen schon einmal passiert, dass Sie ein Bibelwort unmittelbar als Antwort auf eine Frage gehört haben?

Kerstin Wendel: Ja, das Bibelwort „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. (Matthäus 11,28). Das ist für mich ein Kernvers, den ich einmal von Gott gehört habe in einer ganz wichtigen und schweren Zeit. Seitdem hat mir dieser Vers immer ganz viel zu sagen, wenn er auftaucht. Er ist für mich wie so ein kleines Lämpchen auf einem Polizeiauto, das man an- und ausschalten kann. Wenn dieser Vers fällt, ist für mich das Lämpchen an und ich horche, was Gott mir zu sagen hat.

Nicht warten auf die Stimme vom Himmel

Ute Zintarra: Wenn man nun eine Frage hat, wünscht man sich eine klare Antwort oder am besten eine Stimme vom Himmel. Was denken Sie über diese Erwartung?

Kerstin Wendel: Das muss man differenziert sehen. Ich kenne keine Stelle im Neuen Testament, die besagt: „Liebe Leute, bitte wartet im geschlossenen Zimmer, bis ihr eine Stimme hört. Und wenn ihr sie hört, dann tut das.“ Diese Stelle gibt es nicht und das fordert uns heraus, auch nicht darauf zu warten. Wir sollen nicht herumsitzen und denken: „Sofern diese Stimme nicht kommt, wird nichts angefangen.“

Andererseits beobachte ich, dass Menschen auch besondere Erfahrungen machen und innere Eindrücke haben, die für sie so deutlich hörbar waren, wie wenn ein Mensch gesprochen hätte. Ich selbst habe zweimal eine solche Erfahrung gemacht. Sie haben mich aber nicht dazu motiviert zu sagen: „Ich möchte Gott jetzt jeden Tag so erleben.“ Es waren für mich besondere, heilige Momente, aber diese Form des Redens Gottes würde ich nicht als Norm setzen.

Ute Zintarra: Das Hören auf Gott ist nur möglich, wenn meine Ohren offen sind. Das ist in einer schnelllebigen Zeit, in der viel auf der Agenda steht, oft nicht einfach. Welche Tipps können Sie da geben?

Kerstin Wendel: Einsamkeit oder Stillwerden können eine geistliche Übung sein, um die Ohren freizubekommen. Dazu ermutigt auch die Bibel. Ich kann nicht erwarten Gottes Reden zu hören, wenn ich mich permanent mit Reizen überflute. Ich nehme mir daher bewusst Zeiten, in denen ich Reize herunterfahre und versuche mich auf Stille einzulassen. Das heißt auch auszuhalten, dass ich vielleicht merke: In meinem Kopf rotiert es und ich werde gar nicht still. Wenn das so ist, müssen diese Sorgen und Gedanken erst mal raus. Dafür brauche ich vielleicht einen Zettel, wo ich diese Dinge alle draufschreiben kann.

Es gibt Menschen, die dazu in ein Kloster oder in die Natur fahren, wo sie auch von außen her Ruhe erleben. Doch wir sind selbst dafür verantwortlich, uns diese Räume zu schaffen, wo wir ohne Fremdeindrücke sind. Eine Startübung kann sein, öfter am Tag Sorgen bewusst an Gott abzugeben.

Wer auf Gott hört, hat von vorneherein gewonnen

Ute Zintarra: Im Ernstfall kann Gottes Reden auch zu einer Programmänderung meinerseits aufrufen. Wenn ich frage, muss ich auch mit einer Antwort rechnen, die mir vielleicht nicht schmeckt. Haben Sie das schon erlebt?

Kerstin Wendel: Bei mir war es eher so, dass mir Gottes Programmänderungen gut geschmeckt haben, aber nicht immer ohne Mühe zu erleben waren. Ein Beispiel: Wir sind häufig umgezogen als Familie. Im Nachhinein war es immer so, dass wir am richtigen Platz gelandet sind. Von daher hat es hinterher oft gut geschmeckt, aber der Anfang war manchmal mit Mühen verbunden. Aber ich gehe immer davon aus, dass Gottes Ideen gut und liebevoll sind für unser Leben, egal wie sich das erstmal anfühlt oder durch was man sich vielleicht manchmal durchkämpfen muss.

Ute Zintarra: Jemanden reinreden zu lassen, das passt nicht zu dem Lebensgefühl der Eigenständigkeit. Sie haben aber gute Erfahrungen damit gemacht. Können Sie uns davon erzählen?

Kerstin Wendel: Es ist ein Unterschied, ob Gott oder ein Mitmensch mir reinredet. Dass ein Mitmensch mir reinredet, kann aus ganz unterschiedlichen Motivationen geschehen und nicht immer bekommt man den besten Rat. Aber wenn Gott reinredet, weiß ich: Er ist souverän und liebevoll und hat Ideen, die positiv für mein Leben sind. Da kann ich mich drauf verlassen. Und weil ich diese Grunderfahrung gemacht habe, stelle ich das auch nicht infrage. Ich frage vielleicht nach: Wieso, weshalb, warum? Aber ich stelle nicht Gottes gute Gedanken infrage, die dahinterstehen. Deshalb akzeptiere ich sein Reinreden mit allen Risiken und Nebenwirkungen.

Ute Zintarra: Sie sind eine eigenständige Frau. Wie fühlt es sich für Sie an, ein Stück dieser Eigenständigkeit aufzugeben und Gott einen Freibrief zu geben, in ihr Leben hineinzureden?

Kerstin Wendel: Die Frage ist: „Wie tief ist mein Vertrauen Gott gegenüber?“ Wenn ein tiefes Grundvertrauen zu Gott habe, dann kann ich das Reinreden Gottes als etwas Allzeitgutes akzeptieren. Ich habe für mein neues Buch „Geliebt begabt berufen“ jede Menge Frauen vor Auge gehabt, deren Lebensläufe ich aus größerer Perspektive betrachtet habe. Am Schluss habe ich Resümee gezogen und mich gefragt: „Welche dieser Frauen hat verloren, weil sie auf Gott gehört hat?“

Da habe ich gemerkt: keine. Alle hatten gewonnen. Sie alle haben Situationen erlebt, wo sie etwas von Gott gehört und neu justiert haben –, und dadurch am Ende alle gewonnen. Das war für mich ein weiteres überzeugendes Erlebnis. Es hat mich in dem Glauben bestärkt: „Ja, Gott hat gute Ideen und wir überblicken diese nicht am Anfang des Lebens. Deshalb ist es immer wieder wichtig neu zu gucken, wo ich jetzt bin und was für mich jetzt dran ist zu hören.“

Ute Zintarra: Vielen Dank für das Interview.


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