Lesezeit: ~ 3 min

Dankbarkeit - viel zu oft vergessen wir sie

So ein Kirchentag kann schon an den Kräften zehren und so kam auch bei mir der Punkt, an dem ich einfach nicht mehr konnte. Am frühen Nachmittag suchte ich den erstbesten Stuhl, den ich fand, legte meine Beine hoch und nickte sofort ich ein. Irgendwann wurde ich durch ein metallernes Geräusch sanft geweckt.

So ein Kirchentag kann schon an den Kräften zehren und so kam auch bei mir der Punkt, an dem ich einfach nicht mehr konnte. Am frühen Nachmittag suchte ich den erstbesten Stuhl, den ich fand, legte meine Beine hoch und nickte sofort ich ein. Irgendwann wurde ich durch ein metallernes Geräusch sanft geweckt.

Ich schaute mich um, aber außer zwei spielenden Kindern konnte ich nichts entdecken, was dieses Geräusch hätte verursachen können.

Ich wollte mein Nickerchen schon wieder fortführen, da sah ich den Grund meiner Schlafstörung: Ein schwerbehindertes kleines Mädchen, das sich nur mit zwei Metallschienen, die an Ihren kleinen Beinchen anlagen und ihnen die an ihren kleinen Beinchen anlagen und ihr die entsprechende Stütze gaben.

Ich war beschämt und zur gleichen Zeit auch fasziniert. Unbekümmert lief das Mädchen hin und her, immer begleitet von einem leisen, aber unüberhörbaren "tipp, tipp, tipp". Es kreischte vor Lebensfreude und spielte mit einem Luftballon. Ich habe wohl noch nie im Leben ein solch ausgelassenes Kind gesehen, das sich trotz seiner schweren Behinderung mit einer solchen Anmut so ins Spiel vertiefte. Nichts, aber auch gar nichts konnte die Kleine stören, die inzwischen einen ihr unbekannten Spielgefährten gefunden hatte.

Tränen traten mir in die Augen, als ich das Treiben der Kinder beobachtete.
Und da fielen sie mir wieder ein, die Klagen, die oft schnell und unbedacht bei jedem kleinen Wehwehchen über meine Lippen kommen. Im Angesicht eines wirklich behinderten Menschen wurde ich still und hörte auf die Predigt der klirrenden Beinstützen. Wann habe ich meinem Schöpfer das letzte Mal für meinen gesunden Körper gedankt? Ist es selbstverständlich, dass ich mich schon 59 Jahre ohne Krücken bewegen kann? Ich musste an meinen Nachbarn denken, der kürzlich vor einer schweren Operation zu mir sagte: "Sollte ich nach der OP im Rollstuhl sitzen, werde ich meinem Leben ein Ende setzen". Schade, er kannte Sabrina nicht. Ob er sich dann diese tödliche Entscheidung nicht noch einmal grundlegend durchgedacht hätte?

Was sollte da erst ein kleines Kind sagen, das das ganze Leben noch vor sich hat, ein Leben, das nie so wie ein gesundes geführt werden kann?

Noch während ich in meine Gedanken vertieft das Kind beobachtete und meine müden Knochen dabei ganz vergessen hatte, schreckte mich eine Stimme auf: "Sabrina, die Zeit des Spielens ist für heute vorbei". Dann sah ich die Mutter mit einem Rollstuhl.
Fröhlich lief das Kind zur Mutter und setzte sich ohne Murren in ihr Gefährt und wurde angeschnallt. Kein Meckern, kein Murren, über allem schwebte unsichtbar das feine und bezaubernde Lächeln eines sorglosen Kindes und die sorgende Liebe einer Mutter. Dann verlor ich die Beiden im Gewühl der Menschen aus den Augen.

Als ich nach dieser "Lernpause" aufstand und meinen Rundgang über das Messegelände fortsetzte, fühlte ich mich wie neugeboren, obwohl meine Knochen immer noch schmerzten. Und plötzlich nahm ich sie wahr, die vielen Schwerbehinderten, die in Rollstühlen durch die Hallen geschoben wurden. So musste ich mir unwillkürlich die Frage stellen: "Bist du in Wirklichkeit nicht auch behindert? Behindert in deiner Sicht, die so oft behinderte Menschen ausschließt, die Gesundheit als höchstes Gut sieht und oft gekonnt haarscharf über die Behinderten hinwegblickt, ja, sie ausblendet?“

Danke, Sabrina, du hast mir mit deinem Charme richtig die Leviten gelesen, obwohl du kein Wort zu mir gesagt hast. Vielleicht hast du den alten Mann noch nicht einmal bemerkt, der dir sprachlos und müde und abgespannt beim Spielen zugeschaut hat. Deine wortlose Lektion in Sachen Menschenwürde und Menschenachtung traf voll und hat gesessen.

Wenn dieses "zufällige" Treffen mein einziger positiver Eindruck auf dem Evangelischen Kirchentag gewesen wäre, die Fahrt nach Köln hätte sich schon allein wegen Sabrina gelohnt. "Lebendiger, Kräftiger und Schärfer". Hunderte haben über das Motto des Kirchentages gepredigt, du hattest das Bibelwort wortlos, aber mit voller Lust gespielt. Sie kam an, deine Predigt. Danke, Sabrina, danke Gott.

Wie steht es so treffend im Neuen Testament: "Aus dem Mund der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet?"

Ihr Kommentar

Die E-Mail wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.