Andacht

Wer Boot fährt, wird auch nass

Vom Wert der schweren Zeiten unterwegs mit Gott

Die Diskussion ist vorprogrammiert. Jeden Abend. Und wahrscheinlich wird sie an tausenden von Abendbrottischen zur gleichen Zeit geführt. Der Grund: Mein Sohn, 2,5 Jahre, pickt sich immer die Wurst vom Brot – und lässt es ohne Belag links liegen.

Geht natürlich nicht. Es kann nicht gut sein, sich nur von Wurst allein zu ernähren, sage ich mir. Deshalb habe ich mir eine mehrstufige Strategie zurecht gelegt. Es gibt immer nur ein kleines Stück Brot mit Wurst. Erst wenn beides weg ist, gibt es mehr. Und Leckereien wie Gurke, von der sich mein Sohn gerne ausschließlich ernähren würde, gibt es ebenfalls nur dann, wenn das Brot weg ist. Stück um Stück kämpfen wir uns durch die Brotscheibe.

Oh wie schön ist Nachfolge

Das Gute: Meine Strategie geht meist auf. Und wahrscheinlich merkt auch mein Sohn, dass das Brot gut für ihn ist. Dass es sättigt, gute Nahrung ist. Zumindest besser ist als Wurst allein. Trotzdem ist schon jetzt klar: Wir werden auch morgen Abend wieder miteinander ringen.

Ich glaube, dass Gott auf ähnliche Weise immer wieder mit mir ringt. Denn auch ich picke mir gerne die Rosinen aus der Bibel und damit die Wurst vom Glaubensbrot. Gerne soll Gott für mich umfassend sorgen (1. Petrus 5,7), meine Gebete ohne Umschweife erhören (Matthäus 7,7). Und gerne lasse ich mich von seinen Engeln auf Händen tragen (Psalm 91,12). Nachfolge kann so schön sein.

Jesus kümmert’s nicht

Eine kleine Episode aus dem Matthäusevangelium macht aber deutlich, dass mehr dazu gehört. In dieser Geschichte wollen Jesus und seine Jünger in einem Boot auf die andere Seite des See Genezareth (Matthäus 8,23-27). Die Geschichte könnte so angenehm weitergehen: Und sie ließen sich über den spiegelglatten See in den Sonnenuntergang gleiten, Jesus öffnete seinen riesigen Picknickkorb und alle konnten endlich mal ordentlich reinhauen und danach ein Nickerchen halten.

Was die Jünger wirklich erwartete, könnte anders nicht sein. „Plötzlich brach auf dem See ein gewaltiger Sturm los, sodass das Boot von den Wellen überflutet wurde“, berichtet Matthäus. Und das Beste: Jesus scheint das alles gar nicht zu kümmern. Während seine Jünger schon mit ihrem Leben abschließen, schläft er. So sieht Nachfolge auch aus. Wer mit Jesus in einem Boot unterwegs ist, kann auch nass werden – und manchmal scheint es, als ob das Gott auch noch völlig egal ist.

Wo ist Gott? Mitten im Sturm!

Was folgt, ist die Lektion fürs Leben. Mit wenigen Worten stillt Jesus den Sturm. Er sagt damit: Ruhig Blut, diese Situationen gehören dazu. Aber auch dann entgleitet mir nichts. Ich bin bei dir. Und du wirst mich gerade in diesen Momenten am stärksten spüren und erleben.

Das sind die Brot-Momente für meinen Glauben. Die schweren Zeiten, die Zweifel und Gott weit weg. Einfach sind sie nicht. Und wie ich mit meinem Sohn wird auch Gott mit mir noch einige Anläufe brauchen, um mir dieses Brot schmackhaft zu machen. Aber ich merke immer mehr: Diese Erlebnisse gehören natürlicherweise zur Nachfolge dazu. Und es sind gerade diese Momente, die meinen Glauben dauerhaft, stark und reif machen können. Viel mehr als ein Glücksmoment nach dem anderen. Denn diese Zeiten lassen mich in Gottes Arme laufen, machen mich von ihm abhängig. Ich mache mich neu auf die Suche nach ihm – und ich merke, dass er nicht nur bei ruhiger Fahrt für mich sorgt, mich hört und mich trägt. Sondern gerade mitten im Sturm.


Kommentare

Von Katharina am .

Dankeschön. Genau diese Ansicht benötigte ich gerade. :-)

Von Sigrid T. am .

Danke für die anschauliche Andacht mit den praktischen Beispielen. Da kann auch ein suchender Mensch nachvollziehen worum es im Glauben geht. In Gesprächen mit interessierten Arbeitskollegen verweise ich gerne auf die Artikel von erf.de online.

Von Hanna am .

Das ist eine ganz wichtige Predigt. Ich habe das schon sehr oft in meinem Leben erfahren, wie Gott nach schweren Zeiten, mir diese Gewissheit geschenkt hat. Abhängig sein von Gott ist mein höchstes Glück. Danke für diese Predigt.

Von Henrike am .

Danke für die Andacht. Der Vergleich mit dem Wurstbrot ist genial. Das kann ich gut auf mein Leben anwenden.
Wenn wir immer nur gute Zeiten hätten oder, anders ausgedrückt, eine große Scheibe Brot mit Butter und Wurst, wir würden es zu leicht als selbstverständlich ansehen und die Dankbarkeit vergessen. Nicht mehr daran denken, von wem wir so beschenkt wurden. Immer wieder sitze ich vor einem kleinen Stück trockenem, alten Brot und falle in das Muster zurück, indem ich frage: Warum, Gott ??!! mehr

Von heiko am .

ehrlich gesagt weiß ich auch nicht warum
man sich oft fühlt als wäre Gott in Urlaub!
Es kann nicht nur an unserer Schuld liegen

Von Julia am .

Ich verstehe Gott überhaubt nicht....


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