Gedanken zum Fest

Weihnachten: ein Symptom

Gott kommt in die Welt – aber nicht nur zum Fest. Ein Streifzug durch die Bibel

„Es kommt der Herr der Herrlichkeit.“ So hat der Pfarrer und Liederdichter Georg Weissel den Gedanken beschrieben, der die gesamte Advents- und Weihnachtszeit durchzieht: Gott kommt und macht sich auf den Weg.

Daran erinnert so mancher Pastor seine Gemeinde, wenn er die Bedeutung von Advent ein weiteres Mal erklärt. Ebenso einige Lieder der Advents- und Weihnachtszeit, nicht nur „Macht hoch die Tür“, aus dem die eben zitierte Zeile stammt. Zu Weihnachten wird Christen an allen Enden vor Augen gemalt: Jesus ist gekommen. Und mit ihm ist Gott gegenwärtig.

Das ist wichtig. Denn es ist gut, sich zumindest einmal im Jahr bewusst daran zu erinnern und sich damit auseinanderzusetzen, was in Bethlehem passiert ist.

Auf Besuch bei Freunden

Aber ist es nicht seltsam, dass Christen diesen Gedanken vor allem an Weihnachten so betonen? Denn Weihnachten ist bei weitem nicht die einzige Gelegenheit, zu der sich Gott auf den Weg macht. Wer die Bibel aufmerksam liest, merkt: Es ist eine grundlegende Eigenschaft Gottes, auf seine geliebten Menschen zuzugehen. Er sucht den Kontakt, zeigt sich, macht sich die Hände schmutzig – er kommt wirklich, der Herr der Herrlichkeit.

Zum Beispiel ganz zu Anfang seiner Geschichte mit den Menschen. Als alles noch gut schien im Paradies und ein warmer Tag sich dem Ende neigt, macht Gott sich auf den Weg zu seinen Freunden, Adam und Eva. Die Bibel schweigt sich aus, ob er ein paar Früchte zum Abendessen vorbeibringen, den Abend mit ihnen am Lagerfeuer verbringen oder einfach ein Schwätzchen halten wollte. Es heißt schlicht: „Und sie hörten Gott den HERRN, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war.“ (1. Mose 3, 8)

Gott schaut vorbei. Obwohl er sicher schon wusste, dass die Frucht gekostet war und damit die Freundschaft zwischen ihm und den Menschen Schaden genommen hatte. Aber er lässt sich nicht abhalten. Er sucht den Kontakt, er macht sich auf den Weg.

Näher als hautnah

Eine weitere Szene. Weit weniger beschaulich. Denn der ganze Berg beginnt zu rauchen, als Gott sich seinem Volk Israel in der Wüste zuwendet und er auf den Sinai herabfährt (2. Mose 19, 18). Es kommt zur direkten Begegnung zwischen Gott und Mose. Aber auch das gesamte Volk erkennt: Gott ist jetzt da, er hat sich auf den Weg gemacht.

Der Blick ins Neue Testament zeigt die gleiche Linie. Neben Weihnachten fällt eine Ankunft mit Ankündigung schnell ins Auge. Einen göttlichen Beistand verspricht Jesus seinen Jüngern. (Johannes 14, 16) Einen Tröster, der nicht nur vorbeikommen will, sondern in jedem wohnt, der sich auf ihn einlässt.

Es dauert nicht lange, bis dieses Versprechen eingelöst wird. Zu Pfingsten kommt der Heilige Geist in Form von Flammen auf die Gemeinde (Apostelgeschichte 2,3). Die ersten Christen erleben Gott hautnah. Mehr noch: Er zieht in sie ein. Gott kommt erneut zu seinen Menschen.

Hauptsache unterwegs

Sehr deutlich macht es auch eines der bekanntesten Gleichnisse Jesu: Das vom verlorenen Sohn. Vielleicht ist es wirklich besser, vom Gleichnis der zwei Söhne zu sprechen. Denn das Bemerkenswerte ist: Der Vater macht sich auf den Weg zu beiden Söhnen. Dem verlorenen Sohn rennt er voller Freude entgegen, als er nach Hause kommt: „Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn.“ (Lukas 15, 20)

Nicht minder geht der Vater auf den anderen Sohn zu, der schmollt und das Willkommensfest für seinen Bruder meidet. Lukas schreibt: „Da ging sein Vater heraus und bat ihn.“ (Lukas 15, 28) Gott kommt nicht nur als Herr der Herrlichkeit seinen Menschen entgegen. Sondern als verletzbarer Vater, als Bittsteller. Es scheint ihm fast egal zu sein als was, Hauptsache, er kann sich auf den Weg machen.

Mit alldem nicht genug. Gott macht sich auch in Zukunft auf den Weg. Schon jetzt erinnert jede Adventszeit auch daran, dass Jesus einmal wiederkommen wird. „Denn er selbst, der Herr, wird, wenn der Befehl ertönt, wenn die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallen, herabkommen vom Himmel…“, schreibt Paulus an die Christen in Thessaloniki (1 Thess 4, 16).

Gott lässt seine Menschen nicht im Stich. Er wird allem bösen Treiben einmal ein Ende setzen. Was für ein Freudentag, der uns da erwartet. Jesus kommt wieder auf uns zu.

Schluss mit Advent!

Damit noch nicht Schluss. Denn die Bibel beschreibt uns einen Zeitpunkt, an dem sich Gott ein letztes Mal auf den Weg macht – und dann für immer bleiben wird. Er wird wieder da sein mitten unter seinen Menschen. Johannes beschreibt es in seiner Offenbarung so: „Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen […] Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein.“ (Offenbarung 21, 2-3)

Langes Zitat, kurzer Sinn: Gott wird einmal aufhören können, sich immer auf den Weg zu machen zu seinen so widerspenstigen, so geliebten Menschen. Weil keine Trennung mehr da ist. Er wird wieder mitten unter seinen Freunden wohnen und sie mit ihm. An diesem Tag werden alle angekommen sein. Der Advent hat dann ausgedient.

Weihnachten: passt ins Bild

Das alles zeigt: Gott ist ein sich auf den Weg-Macher. Ein Hinterherläufer. Wieder und immer wieder. Weihnachten ist dafür nur ein Symptom unter vielen. Das macht Weihnachten in erster Linie zur Erinnerung daran, wie Gott ist: Er ist einer, der alles aufgegeben hat, um sich auf den Weg machen zu können.

Diesem Gott will ich begegnen. Jetzt, an Weihnachten. Und ich kann aus vollem Herzen beten, wie es schon der Seher Johannes am Ende seiner Offenbarung tut: Amen, ja, komm, Herr Jesus!


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