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Gute Vorsätze? Gute Nachsätze!

Sind gute Vorsätze die erste Enttäuschung im neuen Jahr? Warum „gute Nachsätze“ sinnvoller sind.

Gute Vorsätze sind die erste Enttäuschung im neuen Jahr. So hat es Roger Pfaff, ein deutscher Intellektueller, ausgedrückt, und es spricht mir aus der Seele. Denn im geschäftigen Alltag sind meine Versuche einer radikalen Lebensveränderung bisher immer wieder untergegangen.

Damit bin ich nicht allein. Auch in der Bibel lesen wir von guten Vorsätzen, denen keine Taten gefolgt sind. Petrus hatte sich fest vorgenommen, Jesus vor einer Verhaftung zu schützen und zu ihm zu stehen. „Auch wenn alle anderen sich von dir abwenden, ich werde es nicht tun!" (Neues Leben. Markus 14,29) Dass es nur bei einem Vorsatz geblieben war, machte Petrus untröstlich. Und wie reagierte Jesus darauf, als er Petrus nach seiner Auferstehung wiedersah? Keine Vorwürfe, kein Zorn. Stattdessen erneuert er den Auftrag für Petrus, die Gemeinde aufzubauen.

Was zeigt mir das? Gott geht mit uns nicht ins Gericht, wenn wir unsere guten Vorsätze nicht halten. Das schlechte Gewissen kommt aus uns selbst heraus, weil wir von uns selbst enttäuscht sind. Oft folgen Selbstvorwürfe und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten sinkt. Sollten wir dann gar keine Vorsätze mehr fassen? Nicht unbedingt, aber ich möchte „der ersten Enttäuschung im neuen Jahr“ gerne entgegenwirken.

Die Wenn-Erst-Falle

Ein wichtiger Schritt dafür: Hören Sie auf, „Wenn-Erst-Sätze“ zu formulieren: „Wenn ich erst eine neue Arbeitsstelle gefunden habe, habe ich weniger Sorgen.“ Denn leider geht uns das „Wenn“ nie aus. Sobald wir eine bestimmte Hürde geschafft haben, tun sich neue Herausforderungen auf, die wir vorher nicht hatten. Vielleicht verlangt der neue Chef eine hohe Flexibilität und unbezahlte Überstunden. Spätestens beim dritten Wochenendeinsatz denke ich sehnsüchtig: „Wenn ich endlich mal wieder mehr Zeit für mich habe, dann…“

Was fällt auf? Der Vor-Satz ändert sich, der Nachsatz bleibt der gleiche. Auch wenn ich alle meine guten Vorsätze im nächsten Jahr halte, wird mich das allein nicht glücklich machen. Um den Sehnsuchts-Kreislauf zu durchbrechen, ist es wichtig, zwischendurch innezuhalten und die Dinge zu genießen, die heute mein Leben lebenswert machen.

„Gute Nachsätze“

Wie wäre es anstelle von guten Vorsätzen mal mit „guten Nachsätzen“? Schreiben Sie alles auf, wofür Sie im vergangenen Jahr dankbar waren. Denn ein dankbarer Rückblick macht deutlich zufriedener als der schuldbewusste Seitenblick auf die unerfüllten guten Vorsätze.

Aber was, wenn ein dankbares Zurückschauen schwerfällt? Wenn die schwierigen Lebensabschnitte überwogen haben: Krankheitsphasen oder Zeiten der Traurigkeit? Dafür bin ich nicht dankbar. Aber sie gehören auch zu meinem Leben dazu. Und ich weiß, dass diese Zeiten an Gott nicht vorbeigegangen sind. Im Gebet kann ich vor Gott alles aussprechen, was mich bedrückt hat.

So will ich also das vergangene Jahr Gott dankend zurückgeben und das kommende vertrauensvoll in seine Hände legen. Johann Rist hat das vor fast vierhundert Jahren schön formuliert: „Hilf, Herr Jesu, lass gelingen, hilf, das neue Jahr geht an. Lass es neue Kräfte bringen, dass aufs neu ich wandeln kann. Neues Glück und neues Leben wollest Du aus Gnaden geben! Was ich denke, was ich mache, das gescheh‘ in Dir allein. Wenn ich schlafe, wenn ich wache, wollest Du, Herr, bei mir sein. Geh ich aus, woll‘st Du mich leiten; komm ich heim, so steh zur Seiten!“

Das zu erleben wünsche ich Ihnen und mir für das neue Jahr.


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