Andacht

Gebet eines Nichtbeters

Habe ich Gebet wirklich nötig? Eine Andacht.

„Ich bete nicht … ich bin an etwas viel Größerem dran“ – so ist die Andacht überschrieben, die ich vor einiger Zeit auf www.erf.de gelesen habe. Sie handelte davon, dass Christen nicht aus dem Blick verlieren sollten, warum sie in ihrem Glauben viele kleine Dinge tun: Weil jeder Gläubige Teil des großen Plans ist, den Gott für diese Welt hat. Doch leider kann ich diese Überschrift oft nur teilweise bezeugen: Ich bete nicht. Punkt. Das ist sie, die traurige Wahrheit.

Dabei ist es nicht so, dass es keine Gelegenheiten für mich gäbe, mit Gott zu sprechen. Als Frühaufsteher habe ich morgens genügend Vorlauf, bis mich Familie und Job in Beschlag nehmen. Auf der Arbeit genieße ich das Vorrecht, dass dort feste Gebetszeiten angesetzt sind. Es fehlt also nicht an Möglichkeiten, sondern mir aus irgendeinem Grund an Motivation. Denn: Gebet ist mir eigentlich wichtig. Immerhin liebe ich Gott und schätze meine individuelle Beziehung zu ihm. Aber verstehen wir uns auch ganz ohne Worte?

Was mache ich falsch?

Mein Problem ist kein neues. Paulus schrieb an die Gemeinde in Rom: „Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld. Desgleichen hilft auch der Geist unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen.“ (Römer 8,25-26) Puh – es beruhigt mich ungemein, dass es schon damals in Paulus‘ Umfeld Leute gab, die einfach nicht wussten, was sie Gott sagen sollten.

Was kann ich daraus lernen? Vielleicht liegt eine Chance darin, auf „das viel Größere“ zu hoffen, an dem ich einmal persönlich beteiligt sein werde. Paulus meint damit in diesem Kontext zwar seine endgültige Erlösung, aber das Prinzip gilt auch für mein Gebetsleben: Wenn ich nichts Besonderes von Gott erwarte, denke ich viel zu klein von ihm.

Du musst nur den Mund aufmachen

Vielleicht wartet ein aufregendes Gebetsleben auf mich, dessen Ausmaße ich mir heute noch gar nicht vorstellen kann. Vielleicht brauche ich auch dieses Seufzen des Geistes – wie auch immer das praktisch aussehen mag. Fest steht: Gott bietet mir mit dem Heiligen Geist an, mich bei meinen Gebeten zu unterstützen.

Habe ich Gebet nötig? Mein Fazit: Ja – und es ist keine Augenwischerei, wenn ich an das Besondere in meinem Gebetsleben glaube. Ich muss es nicht unbedingt so gestalten, wie ich es bei anderen Christen höre oder wahrnehme. Doch den Mund aufmachen und anfangen muss ich schon selbst, denn mich kann dabei niemand vertreten. Ach ja – abgesehen vom Heiligen Geist, der mir „in meiner Schwachheit aufhilft“. Und wenn’s nicht sofort klappt, übe ich mich in Geduld und halte die Hoffnung auf das „Größere“ fest.


Kommentare

Von Steffen am .

also toll, das so mal gelesen zu haben. Ich sehe das genauso, rede oft zu Gott wie ich es zu meinem Vater tun würde, aber sehe ihn zudem ohnehin auch als Vater im Himmel an. Erzähle ihm von mir, gebe ihm meine Sorgen und bekomme erstaunliche Sachen die kein zufall sein können... Gebet aus einem Gebetsbuch liegt mir nicht, ich rede zu ihm wie zu einem Freund der allmächtige Fähigkeiten und Eigenschaften hat von denen ich lernen möchte.....

Von ester am .

Ist mein Gebetsleben 'richtig'? Ich weiß es nicht.
Ich werd's auch nie erfahren, weil ich nicht laut und in Gemeinschaft beten will/kann.
Beten ist für mich einfach ein Gespräch mit Gott, als ob er neben mir sitzen würde.
Ganz ohne Floskeln und Formeln, wie sie auch bei Gebetsgemeinschaften so oft zu hören sind.
Da fühl ich mich dann immer ganz unpassend, weil ich denke, dass manche Formulierungen mehr für's Publikum sind als für Gott, der ja das Herz ansieht.

Von Lucie R. am .

Danke für deine Gedanken, es spricht mir von ganzem Herzen aus der Seele. Wie oft habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich mir darüber Gedanken mache, ob mein Gebetsleben richtig ist. Aber vor wem? Vor anderen Menschen, oder vor meinem Herrn? Danke nochmal für die ermutigen Worte ich weiß jetzt, dass es nur darauf ankommt, was Gott daraus sieht.


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