Andacht

Ich bin nicht der Größte

Warum ich die Stärken des anderen würdigen kann.

Manchmal präsentiere ich eine erbrachte Leistung stolz vor meinen Freunden oder meiner Familie. Das ist doch auch in Ordnung. Immerhin prahle ich ja nicht ständig von mir und würdige auch nicht die Leistung anderer herab. Ich darf doch wohl erzählen, dass ich das entscheidende Tor zum 2:1 Sieg meiner Mannschaft geschossen habe – noch dazu war es ein Traumtor.

Doch nur zu leicht stelle ich mich somit über die Leistung meiner Mannschaft, obwohl ich sie nicht bewusst abwerte. Aber ich hebe meine Taten hervor, um besonders gut dazustehen. Schnell schlägt Stolz in Arroganz um. Das kommt bei den Mitmenschen nicht besonders gut an. Hochmütige Menschen haben selten echte Freunde.

Demut braucht Stärke

Nicht nur bei meinen Mitmenschen falle ich in Ungnade, wenn ich mit meinen Taten prahle – auch Gott wünscht sich von mir, dass ich demütig bin: „Alle aber miteinander haltet fest an der Demut; denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ (1. Petrus  5,5)

Demut ist ein zutiefst negativ besetzter Begriff. Für viele bedeutet demütig sein so viel wie vor anderen kriechen oder sich ausnutzen lassen. Doch bedeutet Demut wirklich, dass ich mich in allem unterordnen soll? Muss ich mich zu einem Sklaven anderer Menschen machen lassen, um demütig zu sein? Das bedeutet Demut nicht. Im Gegenteil: Demut ist eine noble Haltung. Wir erkennen den Wert unserer Mitmenschen an und haben einen Blick für ihre Stärken. In vielen Dingen ist der andere besser als ich. Das zu erkennen braucht charakterliche Stärke.

Demut bedeutet wahre Größe

Marie von Ebner-Eschenbach hat einmal gesagt : „Demut ist Unverwundbarkeit.“ Demütig sein zerstört nicht das eigene Selbstwertgefühl ­– es macht vielmehr selbstbewusst. Es macht mir selbst bewusst, welche Schwächen, aber auch welche Stärken ich habe. Sobald Demut aber so weit geht, dass man sich selbst verachtet, ist es nicht im Sinne Gottes. Gott hat uns nach seinem Ebenbild erschaffen. Wenn wir uns selbst verachten, verneinen wir Gottes Schöpfungswerk.

Demütig sein bedeutet sich in Liebe zu unseren Mitmenschen zurücknehmen, aber nicht auf Kosten anderer. Wenn ich in Zukunft für meine Mannschaft etwas Gutes leiste, dann möchte ich betonen, dass ich das nur mit ihrer Hilfe geschafft habe. Ich habe vielleicht ein schönes Tor geschossen, aber das war nur durch eine gute Vorlage möglich. Wer Demut zeigt, zeigt wahre Größe.


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