Themenwoche: Leistungsdruck in Gemeinden Lesezeit: ~ 4 min

Gott überfordert nicht

Fünf befreiende Wahrheiten für Christen

Der christliche Glaube kann ganz schön verlockend sein. Denn als Christ bin ich Teil einer weltweiten Bewegung, die diese Welt zu einem besseren Ort machen kann. Ich trage meinen Teil zu Gottes Geschichte mit allen Menschen bei. Und das Beste: Für die ganze Mühe gibt es sogar Lohn im Himmel.

Doch auch heute gilt die Aussage von Jesus aus Mt 9,37: „Die Ernte ist groß, doch es sind nur wenige Arbeiter da.“ Kein Wunder, dass es wohl in fast jeder christlichen Gemeinde mehr zu tun als zu schaffen ist. Trotzdem gibt es ein „Genug“. Das lässt sich sogar biblisch belegen. Fünf Wahrheiten für einen befreiten Glauben.

1. Gott weiß, was genug ist

Am Anfang der Zeit erschafft Gott Himmel und Erde. Mit Gras und Kraut, Vögeln, Fischen und Landtieren. Eigentlich hätte er nach Tag sechs auch noch mehr tun können: Die eine oder andere, umwerfend leckere Frucht erfinden. Noch ein, zwei majestätische Achttausender aus dem Boden stampfen. Vielleicht hätte die Zeit sogar für einen schönen Nachbarplaneten gereicht. Nichts dergleichen! Gott legte eine Pause ein und schaut sich sein Werk an (1. Mose 1, 31 - 2, 2). Er hatte genug getan. Und es war sehr gut so.

Gott fordert auch sein Volk auf, nicht immer Vollgas zu geben. Sondern auch an einem Tag der Woche die Hände ruhen zu lassen und das Herz auf ihn auszurichten. Für Ihn Zeit haben, ihm danken, diesen Ruhetag sogar heiligen. Das geht scheinbar nicht mit Arbeit. Auch wenn sie für Gott ist.

2. Gottes Reich ist größer als ich selbst

Auch wenn ich es gerne anders hätte: Gott hat mich nicht nötig. Er hat unendliche Möglichkeiten, sein Reich auch ohne mich zu bauen. Und wie die Welt sich eines Tages weiterdrehen wird, wenn ich einmal nicht mehr bin, wird Gottes Reich auch dann weiter wachsen. Ich bin nicht für das Kommen seines Reiches zuständig. Dafür sorgt Gott selbst.

Ganz klar: Gott will mich dabei haben. Und natürlich soll ich meinen Lauf laufen (Hebräer 12,1) und den Kampf des Glaubens kämpfen (1 Timotheus 6, 12). Glaube ist auch anstrengend! Aber ich bin nicht allein zuständig dafür, dass Gottes Reich anbricht und Menschen sein Evangelium hören. Es ist sein Reich, das kommt (Matthäus 6, 10). Dafür wird er schon sorgen.

3. Nein sagen ist erlaubt

Nein sagen ist schwer. Besonders, wenn es in der Gemeinde viel zu tun gibt oder tausend Chancen bestehen, das Leben von Menschen positiv zu verändern. Der Druck kann dann ganz schön hoch sein, noch eine Aufgabe anzunehmen. Trotzdem haben zum Beispiel schon die Apostel nein dazu gesagt, sich in der Jerusalemer Gemeinde auch noch um die Mahlzeiten zu kümmern (Apostelgeschichte 6, 2). Sie hatten anderes zu tun.

Klar, es gibt auch einmalige Chancen, manchmal muss man einfach beißen, damit etwas Gutes entsteht. Niemandem ist aber geholfen, wenn ich mich total verausgabe – und ich in der Folge eine längere Auszeit brauche oder meine Begeisterung für Gemeinde oder gar für Gott leidet. Ein bestimmtes „Nein“, das mit Gott im Gebet abgestimmt ist, wird auf Dauer helfen, meinen Fokus zu behalten. Insgesamt werde ich damit effektiver sein.

4. Sterben lassen ist erlaubt

Wer sagt, dass es unbedingt mehrere Kindergruppen sein müssen, obwohl die Betreuung der kleinen Racker seit Monaten an wenigen Personen hängt? Und wer behauptet, dass die missionarische Fußballgruppe weitergehen muss - obwohl die ballbegeisterten Gründer der Gemeinde-Elf letztes Jahr weggezogen sind?

Auch hier gilt: In jedem Dienstbereich einer Gemeinde gibt es Durststrecken. Mal gibt es zu wenige Mitarbeiter, mal passiert geistlich nichts. Gemeindearbeit ist Arbeit und durchhalten kann atemberaubende Frucht mit sich bringen. Aber der Gedanke muss erlaubt sein, einen Arbeitszweig mal anders aufzuziehen. Kleinere Brötchen zu backen. Oder auch gar keine mehr. So wie Mose auf Anraten seines Schwiegervaters aufgehört hat, selbst Recht über Israel zu sprechen (2. Mose 18, 14-27). Es gab eine andere Lösung. Und die war sogar besser als die Bisherige.

Eine gesunde Prise Gelassenheit und das Vertrauen darauf, dass Gott unendliche Möglichkeiten hat, ist also auch hier hilfreich. Sein Reich hängt nicht von einzelnen Dienstbereichen einer Gemeinde ab.

5. Gott liebt mich, auch wenn ich mal nichts tue

Logisch, Gemeinde funktioniert nur mit dem Engagement von begeisterten Christen. Und ja, jeder Christ sollte eigentlich seinen Teil dazu beitragen. Christlicher Glaube ist nicht loszulösen vom Tun. Jakobus macht sogar deutlich: Es gibt überhaupt keinen christlichen Glauben ohne Aktion (Jakobus 2, 17; 2, 26).

Trotzdem sagt die Bibel, dass Gott in erster Linie Liebe ist (1 Johannes 4,8). Und kein Sklaventreiber. Er liebt sogar Menschen, die gegen seinen Willen leben (Rö 5, 8) – wie viel mehr gilt diese Liebe seinen Kindern. Also, mal runterkommen von dem Gedanken, Gott liebt mich nur, wenn ich mich besonders für ihn anstrenge. Und vielleicht komme ich gerade in einer Zeit des Müßiggangs Gott wieder neu auf die Spur – weil ich zuvor überhaupt keine Zeit hatte, auf ihn zu hören.


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Kommentare

Von Chris am .

mit Burnout ist man wie gelähmt und kann nichts tun, weder für sich noch für andere. Gott ist keine Hilfe, er schaut nur zu wie man sich rumquält


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