Interview

Mehr als fauler Zauber?

Matthias Drechsel verbreitet das Evangelium durch Zaubertricks.

Viele denken bei Zauberei an dunkle Magie oder Okkultismus. Demzufolge schließen sich Evangelium und Zauberei aus, oder? Matthias Drechsel erklärt im Interview, warum er nicht im Widerspruch zur Bibel handelt und warum er selbst den Begriff Zauberer nicht gerne hört.

ERF Online: Herr Drechsel, was hat Sie bewogen durch Gospelmagic das Evangelium weiterzugeben?

Matthias Drechsel: Ich war lange auf der Suche nach einer Möglichkeit, das Evangelium weiterzugeben, die zu mir passt. Ich bin kein begnadeter Musiker und habe auch nicht Theologie studiert. Seit längerem begeistere ich mich für Illusionskunst. Da ich überzeugt war, der einzige Christ zu sein, der eine Leidenschaft für die Illusionskunst hat,  habe ich einmal Zauberkünstler und Christ gegoogelt. Dabei bin bei der Gemeinschaft der christlichen Zauberkünstler gelandet. Da habe ich die Idee von Gospelmagic kennengelernt. Das hat mich überzeugt, weil ich so die Begeisterung für die Trickkunst und das Evangelium verbinden kann.

„Ich erreiche Menschen, die ein Pfarrer nicht erreicht.“

ERF Online: Es war also Ihr persönliches Anliegen etwas für Gott zu tun?

Matthias Drechsel: Auf jeden Fall. Ich bin in einer christlichen Gemeinschaft aufgewachsen und war dort in der Jugendarbeit aktiv. Aus persönlichen und beruflichen Gründen bin ich  aus meiner Heimat weggezogen und habe eine Zeitlang keinen Anschluss an eine neue Gemeinde gefunden. Ich muss sagen, dass das zeitweise leider auch keine Priorität von mir war. Es gab eine Zeit, in der ich mich von Gott distanziert habe. Doch Gott hat sich mir gezeigt und dadurch wurde mir neu bewusst: Ich möchte etwas für Gott tun.

ERF Online: Wie kamen Sie dabei gerade auf den Gedanken Gospelmagic?

Matthias Drechsel: In meiner neuen Gemeinde hatten wir zu der Zeit um die 50 Konfirmanden. Leider gab es für sie kaum passende Angebote. Dagegen wollte ich etwas tun. Die Jugendlichen heutzutage denken, dass alles, was mit Kirche, Gott und Glaube zu tun hat, ihnen den Spaß am Leben verderben will. Aber das Gegenteil ist ja der Fall und das wollte ich ihnen näherbringen. Deshalb habe ich nach einer Möglichkeit, gesucht mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Dabei machte ich die Erfahrung, dass Gott mir durch das, was ich tue, ungeahnte Türen öffnet.

ERF Online:  Welche Vorteile bietet Gospelmagic im  Vergleich zu einer „normalen“ Verkündigung?

Matthias Drechsel: Zum einen ist Gospelmagic eine bildhafte und anschauliche Sache. Die Verkündigung prägt sich dadurch besser ein als bei einer Predigt. Zum anderen habe ich die Möglichkeit mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Ich kann vor Menschen stehen und Ihnen erzählen, was mir persönlich wichtig ist. Darunter sind Personen, die ich sonst nicht erreichen würde. Ich bin beispielsweise bei einer öffentlichen Veranstaltung in einer Altstadt aufgetreten. Viele Gäste wären wahrscheinlich nicht gekommen, wenn es sich um einen Gottesdienst gehandelt  hätte. Ich erreiche also Menschen, die ein Pfarrer nicht erreicht.

 „Der Zauberkünstler ist der ehrlichste Mensch der Welt“

ERF Online: Sie sagten, Sie treten auch auf privaten Veranstaltungen auf. Machen Sie dort auch immer Gospelmagic oder lassen Sie den Gospelaspekt dann weg?

Matthias Drechsel: Nicht jeder Trick hat einen Verkündigungsfaktor. Die ersten Tricks mache ich, um erst einmal locker zu werden und mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen. Trotzdem versuche ich immer wieder Aspekte des Glaubens weiterzugeben. Dabei ist es immer unterschiedlich, in welcher Intensität ich das tue. Wenn ich bei einer säkularen Veranstaltung bin, geht das nur in einem überschaubaren Rahmen. Dort kann ich keine halbe Stunde verkündigen. Trotzdem kann ich immer wieder etwas einfließen lassen.

ERF Online: In der Bibel wird gesagt, wir sollen uns von der Zauberei abwenden. Handeln Sie nicht im Widerspruch zur Bibel? (3.Mose 19,26)

Matthias Drechsel: Für mich ist klar, dass wir uns von dem, was in der Bibel als Zauberei beschrieben wird, fernhalten sollen. Ich denke aber, man muss genau hinschauen, was in der Bibel mit Zauberei gemeint ist.  Das, was ich und meine Kollegen tun, hat mit Zauberei, wie sie in der Bibel beschrieben wird, nichts zu tun. Aber in der deutschen Sprache gibt es für zwei unterschiedliche Dinge nur ein Wort. Zauberei bezeichnet einerseits all das, was mit Okkultismus oder mit Esoterik zu tun hat. Andererseits beschreibt es auch das, was wir als Bühnenkünstler machen. Dabei hat das Eine mit dem Anderen nichts zu tun. Gerade im Deutschen ist es deshalb wichtig, wie man es kommuniziert. Ich selbst habe es nicht gern, wenn man mich als Zauberer ankündigt. Ich bevorzuge Trickkünstler oder Illusionist. Das beschreibt meine Arbeit besser.

ERF Online: Bei den Illusionen geht es aber darum, den Zuschauer zu täuschen. Ist das nicht unvereinbar mit den christlichen Werten?

Matthias Drechsel: Das sehe ich in dem Fall anders. Für mich ist es wichtig, ehrlich zu sein. Wenn ich auf der Bühne stehe, erzähle ich viel von mir persönlich. Ich erfinde keine Geschichten. Außerdem weiß der Zuschauer, dass er bei den Tricks von mir getäuscht wird. Von daher hat es nichts mit Betrug zu tun. Der Zuschauer lässt sich mit mir gewissermaßen auf ein Spiel ein.

Darüber hinaus ist mir noch ein andere Punkt wichtig: Wenn ich Lüge so hart definieren würde, dann dürfte ich mir auch keinen Spielfilm ansehen, denn das, was ich dort sehe, ist auch nicht real. Ich dürfte keinen Roman lesen, weil die Geschichte nicht echt ist. Es gibt einen Satz von Harry Houdini, der es schön umschreibt: „Der Zauberkünstler ist der ehrlichste Mensch der Welt – er verspricht uns zu täuschen und er hält Wort.“  

Gospelmagic fasziniert auch Nichtchristen

ERF Online: Sie haben bei dem, was Sie tun, auch den missionarischen Aspekt im Blick. Kommen denn Menschen, die nichts mit Jesus am Hut haben, zu Ihren Veranstaltungen?

Matthias Drechsel: Ja, das erlebe ich immer wieder. Ich trete häufig „nur“ im Gottesdienst oder in einer Kirche auf. Wenn ich auf der Bühne stehe, sehe ich im Publikum immer wieder Menschen, die sonst nicht in den Gottesdienst kommen. Das sind Menschen, die zwar dem Glauben grundsätzlich nicht abgeneigt sind, die aber mit der Beziehung zu Jesus nichts anfangen können. Das kann ich natürlich nur in meiner Gemeinde beurteilen. Auf der anderen Seite werde ich auch für private Veranstaltungen gebucht. Dort konfrontiere ich auch Nichtchristen mit dem Evangelium. Ich erreiche Menschen auch auf öffentlichen Veranstaltungen, die zufällig vor Ort sind.

ERF Online: Wie fällt die Reaktion dieser Menschen aus, die wenig Interesse am Evangelium haben?

Matthias Drechsel: Ich habe selbst manchmal Befürchtungen und Ängste, weil ich mich frage, wie die Menschen wohl reagieren. Bisweilen frage ich mich: „Kann ich das vor fremden Menschen so machen oder überfordere ich sie?“ Es erstaunt mich deshalb immer wieder, wie positiv die Reaktionen ausfallen.

Dazu ein Beispiel: Ich hatte im Rahmen der Dreharbeiten mit der ARD eine Begegnung mit einer ehemaligen Klassenkameradin. Wir haben uns damals gut verstanden, aber mit Glauben hatte sie nicht viel zu tun. Ich wollte ihr erklären, worum es in dem Film geht, und wollte ihr deshalb einen Trick zeigen. Ich hatte einige Utensilien dabei und dachte mir, ich nehme einen Gospelmagic-Trick. Der endet damit, dass sie eine Karte in der Hand hat, auf der steht: Gott liebt dich. Ich war der festen Überzeugung, sie würde sagen: „Ach ja, ganz nett.“ Als sie die Karte in der Hand hatte, sagte sie: „Das ist genau mein Thema.“ Daraufhin haben wir ein tiefes Gespräch über den Glauben geführt. Die Szene hat es leider nicht in den Film geschafft. So etwas passiert mir immer wieder.

Gospelmagic ist nicht „besser“ als eine Predigt

ERF Online: Und wie genau verbinden Sie nun Illusion und christliche Botschaft?

Matthias Drechsel: Grundsätzlich versuche ich immer eine Illusion zu finden, die optisch verdeutlicht, was ich erzählen möchte. Ich habe beispielsweise eine Nummer, in der ich mit einem Seil auf die Bühne gehe. Ich spreche dann über die Beziehung zu meiner Verlobten. Dabei erzähle ich, dass es auch schwierige Zeiten gab, in denen wir uns fast getrennt hätten. Daraufhin zerschneide ich das Seil. Ich berichte, wie wir versucht haben, unsere Beziehung zu retten. Das veranschauliche ich, indem ich einen Knoten in das Seil mache. Dadurch wird klar: Das ist nicht stabil, der Knoten kann sich wieder lösen. Das Seil trägt nicht mehr. Dann berichte ich von dem Wunder, wie Gott unsere Beziehung wieder heil gemacht hat. Das wird zum Schluss optisch dadurch verdeutlicht, dass das Seil wieder ganz ist.

ERF Online: Nun gehen die Meinungen über „Zauberei“ im Gottesdienst auseinander. Was hält denn Ihre eigene Gemeinde von Gospelmagic?

Matthias Drechsel: Ich persönlich habe selten kritische Äußerungen gehört. Es gibt natürlich Menschen, die durch das Wort Zauberer irritiert sind. Ich habe aber nur vereinzelt erlebt, dass Menschen Vorbehalte äußern. Einige, die in die Show kommen und vorher Bedenken hatten, sagen danach: „Es ist vielleicht nicht mein Ding, aber es war in Ordnung.“ Öfter bekomme ich zu hören: „Ich konnte mir das vorher nicht vorstellen. Aber vieles ist mir aus dem Programm ganz bildhaft in Erinnerung geblieben.“ Genau das möchte ich erreichen.

ERF Online: Ersetzen Sie mit ihrem Programm eine herkömmliche Predigt?

Matthias Drechsel: Ich möchte auf gar keinen Fall in einen Wettstreit mit anderen Verkündigungsformen stehen. Ich sage nicht, dass Gospelmagic in irgendeiner Weise besser ist als eine Predigt. Es kann sein, dass ich ein Thema aufgreife und so auf die Predigt vorbereite. Aber ich habe auch schon mit meinem Programm die Predigt übernommen. Meiner Erfahrung nach ergänzen sich Gospelmagic und Predigt gut.

ERF Online: Vielen Dank für das Interview.


Kommentare

Von Peter L. (Magic Pelo) am .

Das Wort "Zauberer" höre ich nicht so gern, besser ist auf jeden Fall der Begriff "Zauberkünstler". Er sagt aus, daß nach gründlicher Übung ein Kunststück vorgeführt wird.
Oft höre ich auch : "Oh, ein Zauberer, da muß ich meinen Geldbeutel festhalten". Da antworte ich dann immer: "Sie verwechseln da was, ich bin Zauberkünstler und kein Taschendieb".

Von Brigitte am .

Also diese Art "Zauberei" hat mit Okkultismus sicher nichts zu tun, aber dann darf man auch nicht das was man tut, Magie oder Magic nennen. Ich kenne solche Vorführungen, und das, was ich gesehen habe, hat nichts mit Okkultismus zu tun, sondern nur mit Fingerfertigkeit und geschickten Tricks, aber es ist nicht gut, wenn sich der Künstler offiziell "Zauberer oder Magier od. etc." nennt. Und Sicher kann man auf diese Art Leute erreichen, die nicht gern in einen Gottesdienst gehen, aber ob Gott mehr


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