Themenwoche: Leistungsdruck in Gemeinden

Schuften für den Herrn?

Bibelstellen, die Christen ausbrennen lassen

„Ich habe mich mit meinem Engagement einfach verzettelt“, sagt sie vor der betreten schweigenden Versammlung. „Es ist mir in letzter Zeit alles zu viel geworden. Deshalb werde ich meine Ämter bis auf Weiteres ruhen lassen.“

Solche oder ähnliche Situationen spielen sich immer öfter ab – auf der Arbeit, in Familien oder Vereinen, aber auch in Gemeinden. Auf einen Schlag ist es aus und vorbei. Die Betroffenen signalisieren: Ich bin fertig, völlig ausgebrannt. Plötzlich gilt es, das Leben von Tempo 100 auf 0 herunterzudrosseln, weil einfach nichts mehr geht.

Stillstand, Depression, ein langer Weg zurück – das ist es, was übrig bleibt. Wie alle Menschen sind auch Christen nicht immun dagegen. Doch müssten sie es nicht viel besser wissen? Gott wünscht sich doch keine Gemeinden, in denen Haupt- und Ehrenamtliche reihenweise die Waffen niederstrecken, weil sie über die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit hinausgeschossen sind. Liegt der Schlüssel vielleicht in einem falschen Verständnis von Dienst und Hingabe? Nachfolgend werden fünf Bibelstellen untersucht, die einen Christen krank machen können – wenn sie falsch verstanden werden.

Eine Frage des Respekts

In Psalm 2,11 äußert der Psalmist einen schockierenden Satz: „Dienet dem Herrn mit Furcht, und jauchzt mit Zittern!“ Dieser Vers beschreibt einen Herrn, dem seine Untergebenen voller Angst dienen müssen. Selbst wenn Menschen sich freuen, muss es mit Zittern vor seiner unkalkulierbaren Reaktion geschehen. Gott scheint demnach ein launiger Herrscher zu sein, dessen Zufriedenheit sich niemand sicher sein kann. Das bedeutet praktisch: Lieber so viel arbeiten wie möglich – und gleichzeitig befürchten, dass es doch zu wenig ist.

Wie zerstörerisch ist dieses Bild von Gott für die, die den Psalm mit einer solch falschen Einstellung lesen. Hier wird Gottes Wort aus dem Kontext gerissen und ohne Reflexion für das eigene Leben verbogen. Der Psalmist spricht hier nämlich eigentlich zu den Mächtigen des Landes, die Gott nicht kennen und ihre Pläne ohne ihn verwirklichen wollen. Ihr Dienst an Volk und Land soll in Ehrfurcht und Respekt vor Gott geschehen. Auf ein Engagement, dass aus echter Liebe und Hingabe an Gott geschieht, ist diese Aufforderung jedoch nicht übertragbar.

Gott zählt keine Arbeitsstunden

Nach diesem Vers aus dem Alten nun ein Blick in das Neue Testament. Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth: „Wisst ihr nicht, dass die, welche in der Rennbahn laufen, zwar alle laufen, aber einer den Preis empfängt? Lauft so, dass ihr ihn erlangt!“ (1. Korinther 9,24) Wenn das Christsein ein Wettlauf ist – ist es dann auch das Ziel, im Dienst für Gott ausschließlich „Erster“ zu werden?

Ein derartiges Verständnis von Mitarbeit und Mission würde viele engagierte Christen vor den Kopf stoßen. Die Botschaft dieser Verse ist nämlich exklusiv, d.h. sie spricht nur denjenigen ein „genug“ zu, die in ihrem Bereich mit Abstand am meisten tun. Doch wie kann jemand sicher wissen, ob er für seine Arbeit den ersten Preis von Gott erlangt?

Paulus ruft hier nicht dazu auf, dass Christen einander in ihren Diensten ausstechen und sich gegenseitig überbieten sollten. Er beschreibt viel mehr eine innere Motivation. Er selbst gibt alles, was er hat, damit Gott mit ihm zufrieden ist. Nicht der Triumph über andere Menschen ist sein Ziel. Es geht dem Apostel nicht darum, die meisten Stunden im Dienst für das Evangelium zu sammeln. Vielmehr möchte er seinen persönlichen Wettlauf gewinnen. Sein Aufruf ist eine Herausforderung, die eigenen Prioritäten und Ressourcen anhand des Evangeliums zu ordnen – und nicht umgekehrt.

Wann ist Gott zufrieden?

Auch aus einer anderer Stelle im ersten Korintherbrief könnte man ableiten, dass Paulus ein Evangelium verkündet, das auf eigenen Verdiensten beruht: „Darum bleibt standhaft, liebe Geschwister, lasst euch nicht erschüttern! Tut euer Bestes für die Sache des Herrn, denn ihr wisst: In Verbindung mit dem Herrn ist eure Mühe nie umsonst.“ (1. Korinther 15,58)

Auf den ersten Blick bedeutet das: Es könnte noch viel mehr für Gott getan werden – und er würde es auch segnen. Jeder Christ müsste sich demnach unablässig die Frage stellen, ob er wirklich sein absolutes Maximum an Mitarbeit erfüllt oder ob bei ihm doch noch ungenutzte Reserven schlummern. Je mehr Krankenbesuche, Kindergottesdienste und Lobpreisabende durch persönlichen Einsatz möglich gemacht werden, desto mehr kann der Herr wirken.

Was für ein Trugschluss! Denn mit dieser Denkweise würde das Werk Gottes in dieser Welt auf menschliche Motivation beschränkt werden. Einerseits macht der Mensch sich Gott dadurch verfügbar – denn egal was man anstößt, Gottes Verheißung liegt sowieso darauf. Andererseits aber zeigt diese Haltung den Unglauben gegenüber Gottes gutem Plan für unser Leben: Als ob Gott unablässig Menschen herausfordern würde, neben Beruf, Familie und anderen Verpflichtungen sein Reich zu bauen, ohne dass es jemals einen Zustand der Zufriedenheit geben kann.

Im Grunde aber sind die Worte von Paulus hier eine Entlastung – für die Menschen, die sich bei ihrer Gemeindearbeit die Frage nach einem „Genug“ stellen. Denn das Beste zu geben bedeutet nicht, perfekt zu sein. Und das Beste sieht bei dem Einen mit Sicherheit ganz anders aus als bei dem Anderen. Aber beide dürfen wissen: Wenn sie nach ihren individuellen Möglichkeiten handeln, wird Gott alles Notwendige hinzufügen, damit der Same aufgeht.

Braucht Glaube mehr Werke?

Eine weitere, populäre Bibelstelle, die einen Christen schnell in einen Kreislauf aus Überarbeitung und Unzufriedenheit führen kann, steht im Jakobusbrief. Der Bruder Jesu schreibt dort (Jakobus 2,20): „Du gedankenloser Mensch! Willst du nicht begreifen, dass der Glaube ohne Werke tot ist?“

Das klingt danach, als sollte sich der Mensch darum bemühen, seinen Glauben durch die entsprechenden Werke zu aktivieren. Doch mit welchem Maß lässt sich messen, ob der Glaube intakt ist – oder aufgrund mangelnder Werke bereits tot? Und wieder irren Christen, indem sie annehmen, sie müssten sich für ihr Seelenheil abrackern.

Was Jakobus hier meint, ist eigentlich wunderbar simpel: Wer glaubt, kann nicht anders, als aus diesem Glauben heraus aktiv zu werden. Nur wer lethargisch in der Ecke sitzt und keinen Finger für Gott krumm machen will, sollte diese Bibelstelle als direkte Aufforderung verstehen. Denn sie verurteilt nicht, sondern spricht die frei, die fragen: Was möchte Gott in meinem Leben tun? Echter Glaube muss nicht nach Werken fragen, denn er bewirkt sie durch den Heiligen Geist wie von selbst.

Gott braucht keine Niedrig-Lohn-Arbeiter

Zu guter Letzt ein Blick in die Offenbarung. Muss nicht alles Wichtige zum Thema Dienst und Hingabe hier erwähnt werden? Erschreckend ist die Botschaft, die die Gemeinde in Sardes erreicht: „Wach auf! Stärke das wenige, das noch übrig ist und kurz davor steht zu sterben. Deine Taten können in meines Gottes Augen nicht bestehen.“ (Offenbarung 3,2) Gott fällt hier ein negatives Urteil über eine ganze Gemeinde, weil ihre Arbeit scheinbar nicht ausreichend war. Da stellt sich die Frage: Wird meine Gemeinde Gottes Anforderungen genügen? Reichen die unzähligen Dienstbereiche und missionarischen Projekte, die mit Mühe und Not am Laufen gehalten werden, obwohl die Mitarbeiter damit völlig überlastet sind? Oder ist die Gemeinde in Gottes Augen nutzlos und in Begriff, abzusterben?

Zum Glück sind es nicht Menschen, die eine Gemeinde bauen und den Segen für die einzelnen Dienste erarbeiten. Jesus sagt: „Ich werde meine Gemeinde bauen.“ (Matthäus 16,18)Man kann sich also darauf verlassen, dass Jesus in all seinen Nachfolgern am Werk ist. Niemand muss ihm mit übermäßigem Einsatz auf die Sprünge helfen. Die Verantwortung der Christen liegt nur darin, seine Pläne für sich zu entdecken. Das Gelingen wird er immer dann schenken, wenn sich menschliche Beweggründe mit Gottes Willen decken. Es hat keine Zukunft, dass Christen aus eigener Kraft ihren Seelenfrieden oder Gottes Wirken erarbeiten wollen.

Sicher ist es der Wunsch eines jeden Christen, dass Gott ihm eines Tages sagt: „Recht so, du guter und treuer Knecht! Über weniges warst du treu, über vieles werde ich dich setzen; geh hinein in die Freude deines Herrn.“ (Matthäus 25,21)Dieses Urteil wird möglich, wenn Christen nicht mehr nur sehen, was sie alles aus eigenem Antrieb erreichen können – sondern erkennen, was davon auch in Gottes Absicht liegt.


Kommentare

Von Maria R. am .

Wenn ich das tue was unser Vater für mich schon vorbereitet hat(bevor die Welt gemacht wurde)dann ist mir nicht zu schwer ,weil ich weis das Er meine Kraft ist,und Er vollbringt alles zu ende durch mich.Ist das nicht Unermesslicher Gnade das wir Ihm gehören,und wir sind SEIN WERK,darum GEBÜHRT NUR IHM ALLEIN DIE EHRE UND LOB:Mit SOOOOOOOOOOOOO EIN WUNDERBARER ALLMÄCHTIGER HERSCHER;DER AUCH UNSER VATER UND FREUND IST,ist absolut niemals ZU SCHWER:

Von Markus R. am .

Man soll ja nichts gutes tun, nur um Gott zu gefallen sondern aus reinem Herzen handeln! Alles andere wäre ja nur aus Furcht vor Gotttes Urteil ! Das Herz muß mit dabei sein. Denn Gott schaut hauptsächlich in die Herzen der Menschen !

Von Al2013 am .

ja, nicht aus Werken sondern aus Gnade sind wir vor Gott - durch Jesus Christus - Gerecht gesprochen!
Nicht weil ich (Gesetzes-) Werke tue kann ich vor Gott Gerecht werden;
sondern weil er mich in der Umkehr zu IHM durch Jesus Christus gerecht spricht, kann ich auf seine Gnade vertrauen, kann ich aus der Dankbarkeit für meine Erlösung heraus Werke tun.
Ja wir können aus uns selbst heraus vor Gott nichts erreichen, so wie ein Sohn seinem Vater nichts schenken kann, was er nicht auch schon von mehr

Von Stefan M. am .

Vielen Dank für die Themenwoche. In vielen Dingen erkenne ich mich wieder. Es ist jetzt über ein Jahr her, seit ich meinen Zusammenbruch hatte. Aus dieser Depressionsspirale herauszukommen war oft leichter gesagt als getan. Zuviele Dinge aus Kindheit, Arbeit und Umwelt haben mich vorher sehr stark geprägt und blockiert. Trotzdem bin ich Gott dankbar, das er mir diese Chance gab, mich in diesem Jahr wieder neu zu entdecken und zu finden. Das er mir zeigte, wie ich mich wieder selbst annehmen mehr


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