Andacht

Hallo, ist da wer?

Was tun, wenn Gott auf unsere Gebete nicht antwortet? Eine Andacht.

Was wünscht du dir zum Geburtstag? Jedes Jahr die gleiche Frage. Ja, was wünsche ich mir? Einen größeren Fernseher, ein spannendes Buch oder die neue Staffel meiner Lieblingsserie. An Antworten mangelt es selten. Aber es gibt Situationen, wo mir diese kleinen Wünsche nichtig erscheinen, weil viel wichtigere Wünsche mein Denken bestimmen. Vielleicht der Wunsch, dass ein guter Freund von einer Krankheit geheilt wird. Vielleicht sind auch wertvolle Beziehungen zerbrochen und ich frage mich, ob und wie Versöhnung geschehen kann.

Mit diesen Wünschen richte ich mich meist nicht an wohlmeinende Familienmitglieder, sondern an Gott. Wenn’s hart auf hart kommt, bombardiere ich ihn mit meinen Fragen und Bitten. Doch was, wenn Gott schweigt? Wenn statt dem erhofften Wunder alles nur noch schlimmer wird?

Gott anschreien erlaubt

Dann stehe ich in der Gefahr, den Kopf in den Sand zu stecken. Vielleicht ändert sich die Situation ja, wenn ich das Problem ignoriere. Oder ich resigniere einfach und meine Gebete werden belanglos und distanziert. Wozu noch zu Gott beten, wenn er nichts tut? Was bringt mir eigentlich mein Glaube, wenn er hier nicht hilft? Und je mehr andere Christen von „Wundern“ berichten oder wie Gott in ihr Leben eingegriffen hat, desto verzweifelter werde ich. „Wieso tust du nichts, Gott?“, so würde ich ihn am liebsten anschreien.

Der große Psalmendichter David hat Gott sehr oft angeschrien. Viele seiner Psalmen beginnen nicht mit Lobpreis, sondern mit Klage. So der berühmte Psalm 22, den auch Jesus am Kreuz zitiert: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.“ (Psalm 22,2) Man muss den Psalm nicht mehrmals durchlesen, um zu verstehen, dass hier ein Mensch richtig unzufrieden mit Gott ist. Gott ist genau dort nicht da, wo der Psalmbeter ihn am meisten benötigt.

An Wunder glauben ohne welche zu sehen

Aber das bewirkt nicht, dass David sich von Gott abwendet – ganz und gar nicht. David sucht das Gespräch mit Gott. Er klagt ihn an, hat aber noch nicht vergessen, dass Gott in früheren Zeiten geholfen hat (Psalm 22,5). Er versteht Gott nicht, aber sein Vertrauen auf Gott ist noch nicht am Ende. Und auch Gott ist mit David noch nicht am Ende. Er macht ihn zu einem der größten Könige Israels.

Das macht mir Mut, dranzubleiben. An Wunder zu glauben, auch wenn ich keine sehe. An Gott festzuhalten, auch wenn er mich enttäuscht. Vielleicht wird er den kranken Freund wirklich nicht heilen, vielleicht bleiben manche Beziehungen zerbrochen. Das Leben mit Gott ist kein Wunschkonzert. Aber vielleicht lerne ich, wie David zu beten: vertrauensvoll und verzweifelt zugleich. Das hält mich bei Gott, lässt aber auch Raum für meine Enttäuschung. Das wäre ein guter Wunsch fürs nächste Lebensjahr, oder nicht?


Kommentare

Von Andreas R. am .

Ich bete immer aus meiner Not zu Gott und halte seinem Wort fest und glaube, weil ich wissen darf, das Gott nichts unmögllich ist, das er immer meine Gebete hört und mich kennt und vor allem auch meine Anliegen kennt, bevor ich sie ausgesprochen habe. Durch meine Krankheit (MS) und meine Arbeitslosigkeit, halte ich doch immer an Gott fest, bitte um Geduld und vertraue auf seine Weißheit und seinen Plan, auch mit mir.

Von Johann am .

Mir sind solche Zeiten auch bekannt hilfreich ist mir dabei mein Taufverstaendnis. In die Kindschaft haben mich meine Eltern und Paten hineinbefohlen. Wenn sie auch nicht mehr bei mir sind,es ist ihr Vermächtnis,Es fällt mir leichter so die göttliche Nähe als sein Kind zu beerben.

Von Thomas W. am .

Au man...so geht es mir auch oft.Leider! Ich persönlich sehe das als Prüfung Gottes an,ob ich wohl der nicht-erhörten Gebete trotzdem bei ihm bleibe oder ob ich vielleicht von ihm abfalle.Und jedesmal sage ich den Vers aus 1.Mose 32,27: "Ich lass Dich nicht,denn Du segnest mich!"

Von S. Erika am .

verzweifel, ja, aber nicht liegen bleiben. Ich glaube an Wunder obwohl meine gesundheitliche Zukunft ungewiss ist. Ich freue mich zu wissen, in Gottes Hand bin ich geborgen, auch wenn der Eingriff heute sehr gefährlich sein kann. Ich weiss, Gott kann auch von den "Toten", auferwecken, das habe ich bei Abraham gelernt. Ich bin gespannt, was Gott mit mir vorhat natürlich würdeich ihm am liebsten noch lange dienen, für mich gilt aber: Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen allen
Erika

Von Ingrid S. am .

Ich kann zurzeit Luna nur beipflichten.Es fehlt mir an Zuversicht.

Von Luna am .

Liebe Rebecca, danke für diese Andacht. Mir geht es nun schon lange Zeit so, dass auch ich Zweifel habe und dennoch nicht von Gott loslassen will. Er hat mich schon so oft im Leben getragen und geführt, aber dieses Mal dauert es schon unendlich lange und ich habe manchmal den Verdacht Gott kennt mich nicht mehr, irgendwie ist Er nicht da. Wie David bin ich vertrauensvoll und verzweifelt zugleich. Ich halte mich dann oft an das Wort Jesus: Ich aber habe für Dich gebetet, dass Deine Glaube nicht mehr


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