Gedanken zum Monatsspruch im Mai

Bin ich vertrauenswürdig?

Warum Taten und Worte zusammen gehören. Gedanken zum Monatsspruch aus Sprüche 31,8 von Jörg Zander.

Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind. Sprüche 31,8

Caritas, Brot für die Welt, Apfelsinen für Nicaragua oder die Diakonie. Für gewöhnlich fallen mir karitative Einrichtungen oder Aktionen zu solchen Bibelversen ein, die die Not in der Welt zu lindern suchen. Sie rufen scheinbar zum sofortigen Handeln auf,  schnell und einfach das sich einstellende schlechte Gewissen zu beruhigen, indem man aus dem westlichen Überfluss eben mal ein paar Kröten spendet. Doch Fragen bleiben. Kommt mein Geld auch da an, wo es hin soll, zu den Armen selbst? Wird die Not tatsächlich gelindert, oder nur der Verwaltungsapparat aufgebläht?

In der Geschichte gab es immer wieder Bemühungen, soziale Gerechtigkeit mit dem Evangelium zu verknüpfen und zu etablieren (vgl. Frankfurter Schule; Entstehung zwischen den Weltkriegen). Aufgrund dieser philosophischen Grundlage will die Kirche als Institution die Brotfrage in eigener Regie lösen, die übrigens selbst Jesus Christus bewusst ausschlug. (Matth. 4, 3 ff) So Gottes Reich zu bauen, ist ein Ansatz, der bis heute nicht wirklich durchsetzbar ist und in nur kaum einer Aktion erfolgreich war.

Es ist auch die Frage, ob die Worte von Lemuel ausschließlich an unsere Handlungen appellieren sollen.

Mehr, als nur etwas tun

Ich denke, sie stehen dort, weil jeder Gläubige Verantwortung in seinem täglichen Leben übernehmen soll. Also mehr um eine bewusste Lebenseinstellung, als ausschließlich um ein aktives Handeln.

Sicher, die bloße Aufforderung erreicht uns als Erstes, nämlich für die einzutreten, die rechtlich gesehen benachteiligt sind und sich nicht verteidigen können. Dazu gehören Arme, Mittellose, Kranke oder Sterbende genauso, wie diejenigen, die an den Herausforderungen des Lebens verzweifeln. Alle also, die alleingelassen sind, keine Lobby haben und denen möglicherweise Unrecht geschieht.

Das hat aber nicht immer in erster Linie mit Geld oder Tat zu tun, sondern mit echtem, auch zeitintensivem Interesse am anderen, an seiner Not. Es hat zu tun mit Barmherzigkeit, mit dem Bewusstsein, in der gleichen Lage sein zu können. Alles andere ist zunächst nachgeordnet, wie Gebet, d.h. Fürbitte und dann auch die praktische Hilfe.

Als Motivation dazu stehen uns Christen die bekannten Worte Jesu Christi vor Augen, unseren Nächsten zu lieben, wie uns selbst (Matt. 22,37-40). Auch die Geschichte vom barmherzigen Samariter fällt uns möglicherweise hierzu ein (Lk. 10, 25-37). Außerdem sind wir dankbar für die Vergebung, die wir empfangen haben (vgl. Matth. 18,21 ff.). Diese Dankbarkeit wollen wir anderen auch vermitteln oder weitergeben.

Sicher haben wir das immer mal wieder gehört und mehr oder weniger danach gehandelt. Spiegelt sich aber in dem Vers unsere Lebenseinstellung wieder,  unsere natürliche Handlungsweise, unser Charakter?

Folgendes, vielleicht ein wenig konstruiertes Beispiel, soll verstehen helfen:

Widersprüchlicher Charakter

Eines Abends ging ein Geistlicher zur Kirche, als ein Räuber seine Waffe zog und ihm vors Gesicht hielt. „Geld her oder Leben!“ sagte er. Als der Geistliche langsam seine Geldbörse aus der Tasche zog und dem Dieb überreichte, erblickte dieser den Kragen seines priesterlichen Gewandes.  Daraufhin machte der Gauner einen Rückzieher und sprach: „Ich sehe, sie sind ein Priester. Entschuldigen sie vielmals. Sie können gehen.“

Der Geistliche war über den unerwarteten Anfall an Barmherzigkeit des Räubers sehr überrascht und bot diesem einen Schokoriegel an. Daraufhin der Räuber: “ Nein, danke, ich esse keine Schokolade in der Fastenzeit.“

Der Dieb hat bewusst auf die Schokolade verzichtet, als eine Art Opfer in der Fastenzeit, doch sein Lebensstil, das Stehlen, verriet seinen wahren Charakter. Seine Handlungsweise und die Reaktion auf die ungewöhnliche Situation brachten den Widerspruch in seinem Charakter ans Licht.

So sind die innere Einstellung und das gewohnheitsmäßige Handeln eng miteinander verbunden und offenbaren die wahren Intentionen, den inneren Menschen, das Herz. Wenn jemand von sich sagt, dass er ein Nachfolger Christi sei, ein gottesfürchtiger Mensch, so können andere seine Worte an seinem Verhalten überprüfen. Sein Inneres wird durch seine äußeren Handlungen auf Dauer sichtbar werden.

Bloßes Handeln und Worte können täuschen. Aber wie sich ein Mensch letztendlich in alltäglichen Situationen verhält, ist der beste Prüfstein für seine wahren Absichten (vgl. auch Spr. 20,11). Dazu gehört auch, ob er barmherzig ist und sich für Menschen einsetzt, wie im Monatsspruch gefordert.

Dies ist eine ständige Mahnung an uns Christen und es war einer der wichtigsten Vorwürfe Jesu gegenüber den Pharisäern und Schriftgelehrten, weil diese sich „professionell“ geistlich gaben, aber in den alltäglichen Dingen versagten (z.B.: Matt. 23, 13-36).

Als Nachfolger Jesu Christi demonstrieren wir unsere Liebe zu ihm in dem was wir tun, nicht nur allein mit dem, was wir sagen.

Gute Wünsche:

Ich wünsche mir mehr Hingabe an Gott, weil ich dankbar bin, für das, was er für mich getan hat, und ich mich von ihm abhängig weiß.

Ich wünsche mir, dass meine Taten sich mit seinem Willen immer mehr decken, nicht nur meine Worte.

Was wünschen Sie sich?

Gott ist der Einzige, der uns beides geben kann, die innere Einstellung und das dazu passende Handeln in seinem Sinne.

Lassen Sie uns ihn darum bitten!


Kommentare

Von Andrea T. am .

Vielen Dank für diese treffende und anschauliche Andacht mit neuen Impulsen!
Andrea T.


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