Buchrezension

Das Schönste kommt noch

Was taugt der Klassiker zum Leben nach dem Tod?

Fritz Rienecker hat geschafft, wovon andere Autoren träumen: Sein Buch „Das Schönste kommt noch“ ist nach mehreren Auflagen und nach fast 50 Jahren erneut aufgelegt worden. Dieses Buch ist ein Klassiker! Grund genug für den Verlag SCM R. Brockhaus, das Buch im Januar 2013 neu auf den Markt zu bringen.

Gemangelt hat es in den letzten Jahren an Veröffentlichungen zum Thema Himmel nicht. Allen voran die persönlichen Berichte von Colton Burpo oder Kevin Malarkey, aber auch die sachlich gehaltenen Bücher von Tom Wright oder Matthias Herrchen haben viele Leser angesprochen und bilden ein breites Spektrum ab. Was also ist das Besondere an Rienecker?

Heute fraglicher Stil

„Das Schönste kommt noch“ verfolgt erst einmal einen interessanten Ansatz, denn es verbindet die Ansätze der genannten Bücher. Es haben sowohl persönliche Berichte ihren Platz als auch die biblische Gesamtschau. Rienecker berichtet also davon, wie selig August Hermann Francke gestorben ist, bietet aber auch einen guten Überblick über das, was z. B. Jesus selbst zum Leben nach dem Tod gesagt hat. Beide Teile halten sich in der Länge die Waage.

Zwei Eigenheiten allerdings machen die Lektüre des Buches für einen Leser im Jahr 2013 mühsam: Zuerst die Sprache. Rienecker schreibt im Stil eines Theologen der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts – und der ist oft alles andere als flüssig zu lesen. Wir sind also gezwungen, „den Sinn des Menschendaseins nicht in Tod und Verwesung abbrechen zu sehen, sondern die logische Überlegung gebietet die Fortdauer und Ewigkeit des Menschen […].“ Wer den Stil der Wuppertaler Studienbibel gewohnt ist, wird sich hier zu Hause fühlen. Die meisten anderen wohl eher nicht.

Zweitens ist für den heutigen Leser und Internetnutzer der Umgang mit Quellen befremdlich. Rienecker berichtet gerade im ersten Teil des Buches von unzähligen Ereignissen rund um den Tod und den Kontakt mit der jenseitigen Welt. Die sind oft sehr spannend, nachprüfen kann man wenig. Zwar nennt das Buch einige Quellen. Eine Quellenangabe im Stil von „Von dem Stuttgarter Hofprediger Hedinger wird Folgendes berichtet“ muss aber allzu oft reichen. Das ist im Zeitalter von überall verfügbarer Information nicht mehr tragbar, selbst wenn man dem Autor glauben will.

Das Vorletzte mit dem Letzten verwechselt?

Ein weiteres großes Fragezeichen ergibt sich aus dem Inhalt des Buches. Rieneckers Übersicht über die biblischen Aussagen vom Leben nach dem Tod behandelt zwar wichtige Punkte, wie zum Beispiel die Wohnungen beim Vater (Johannes 14, 2), die Himmelfahrt Jesu und die ewige Ruhe bei Gott (Hebräer 4). Kein Wort verliert er hingegen zur neuen Schöpfung (Offenbarung 21, 1; 2. Petrus 3, 12; Jesaja 65, 17) bzw. zur Erlösung der Schöpfung (Römer 8, 21-23). Das passt ins Bild. Denn Rienecker betont zwar, dass das künftige Leben nicht unpersönlich, körperlos und raumlos sein wird. Seine Beschreibung ist aber genau das. Er bleibt seltsam vage: Die Ewigkeit werden wir seiner Meinung nach in „himmlischen Raum-Wirklichkeiten“ verbringen. Vorfreude auf den Himmel wecken solche Gedanken nicht.

Überhaupt unterscheidet Rienecker nicht zwischen dem Ort, an dem Christen direkt nach dem Tod sein werden, und dem Ort, an dem sie ihre Ewigkeit verbringen. Damit setzt er das Vorletzte (Christen gehen nach ihrem Tod zu Gott ein) mit dem Letzten gleich (Neue Schöpfung, Gott wohnt bei den Menschen). Ein merkwürdiges Vorgehen für einen gestandenen Theologen.

Damit bleibt Rienecker einen großen Teil seines Versprechens schuldig. Der Leser erfährt wenig Greifbares darüber, was denn das Schönste genau ist, das ihn erwartet. Das Buch liefert einen ersten Überblick über die christliche Überzeugung vom Leben nach dem Tod. Das ganze Bild und die Lust auf eine Ewigkeit mit Gott findet man eher woanders.


Kommentare

Von Joachim Bär am .

Lieber Herr Sandrock,

man muss kein Zeuge Jehovas sein, um zur Überzeugung einer Erneuerung der Erde zu kommen. Haben Sie schon einmal z. B. die Himmel-Bücher von Uwe Rechberger, Tom Wright oder David Lawrence gelesen? Keiner ist Zeuge Jehovas – und doch kommen alle aus guten Gründen zu dieser durchaus biblischen Überzeugung. Und natürlich ist die jetzige himmlische Welt real, das bestreite ich ja nicht.

Dass die bisherige Erde vergeht, auch das bestreite ich nicht (Heb 1, 12; 2 Pet 3, mehr

Von Michael Sandrock am .

Herr Bär, Ihre BuchKritik klingt wie die eines Zeugen Jehowas. In den von ihnen genannten Bibelstellen wird wird klar gesagt, dass die alte Erde komplett abgerissen wird ( nicht erneuert, wie sie meinen) und dann wird alles neu gemacht.
Das Buch halte ich für authentisch.
Es macht deutlich: Die himmlische Welt ist real. Sie ist jetzt schon da, losgelöst von unserer Zeitskala.

Von Einfach mal ehrlich am .

Rolf G.
Ich vermute aus den wenigen Zeilen, mit vielen Fehlern, dass du vielleicht gar nie den Anspruch hattest, fließend zu lesen, fließend zu schreiben.....schade...um das Stück Freiheit....und den Genuß mit Sprache umzugehen.

Von Rolf G. am .

Das Buch hatte ich mal früher im Regal. Das man es wieder Aufgelegt hat, freut ein wie mich.
Doch die Buchrezension von Joachim Bär fällt sehr kritisch aus? Warum? Ich konnte nicht anderes dabei denken beim lesen dieser Rezension als,, Kauft das bloß nicht"! Warum dann überhaupt wieder Auflegen? Muss den alles heute fließend lesbar sein oder besser gesagt "nach was die Ohren einen Jucken?


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