Andacht Lesezeit: ~ 2 min

Wann haben wir genug?

Was anstatt Kaufen und Konsumieren wirklich satt macht.

Der Kleiderschrank geht kaum zu. Das Gefrierfach ist voll. Das Bücherregal fasst nicht mehr alle Bücher. Die Schublade mit Tupperware ist überladen. Wir haben alles. Doch haben wir genug?

Wir haben nie genug

Nein! Wir fühlen uns so, als hätten wir gähnende Leere im Kleiderschrank. Wir meinen, unsere Wohnung könnte weitaus schöner aussehen. Das Auto wirkt mickriger, seit der Nachbar seinen neuen Wagen auf dem Hof stehen hat. Wir trauen uns kaum noch, Freunde zu einem DVD-Abend einzuladen, obwohl der Bildschirm bereits die halbe Wohnzimmerwand in Beschlag nimmt. Ständig halten wir Ausschau nach mehr.

Abends surfen wir stundenlang durch Online-Stores um festzustellen, dass uns viel zu viele Dinge fehlen. Anstatt zu merken, dass es uns weitaus besser geht als den meisten Menschen auf der Erde. Wir konsumieren und konsumieren, ohne satt zu werden. Es ist ein Fass ohne Boden, das wir füllen wollen. 

Wann haben wir genug?

Jesus warnt deutlich vor solch einer Einstellung. Er nennt dieses unersättliche Konsumverhalten schlicht Habgier: Die Gier immer mehr haben zu wollen. Sie erwähnt er nicht in einem verschachtelten Nebensatz, sondern häufig im gleichen Zug mit Ehebruch oder Mord. Zu seinen Zuhörern sagt er in Lukas 12,15: „Nehmt euch in Acht! Hütet euch vor aller Habgier! Denn das Leben eines Menschen hängt nicht von seinem Wohlstand ab.“ Wir sollen Habgier meiden.

Heißt es also im Umkehrschluss, dass wir uns nichts gönnen dürfen? Nein, das heißt es nicht. Natürlich dürfen wir Tupper und Fernseher kaufen und uns darüber freuen. Allerdings sollten wir uns hinterfragen, bevor wir uns neue Sachen zulegen. Kaufe ich den neuen Laptop aus der Werbung, weil ich es nicht ertragen kann, das ältere Modell zuhause liegen zu haben? Oder kaufe ich mir einen neuen Laptop, weil der alte wirklich ausgedient hat?

Dann haben wir genug

Letztendlich bleibt der Umgang mit Habgier eine persönliche Gratwanderung. Dafür benötigt es Ehrlichkeit sich selbst gegenüber und den ernsthaften Wunsch, sich nicht über materielle Dinge zu definieren. Schließlich gibt es darüber hinaus viel mehr, wie Freundschaft oder Liebe.

Wenn wir lernen, die Dinge zu genießen und wertzuschätzen, die wir bereits haben, dann haben wir endlich genug.


Kommentare

Von Christine am .

Danke für diesen wunderbaren Artikel.
Ich hoffe, dass ihn sehr viele Leute lesen werden! Oftmals fühle ich mich als Außenseiter, weil ich bei vielen neuen Markenartikeln, der tollen neuen Werbung und den trendigen Fernsehsendungen nicht mitreden kann.. aber immer wieder komme ich zu dem Punkt, dass es einfach unnötig ist dabei mitzumachen...

Von Dorothea D. am .

es wird doch immer wieder noch besser noch grösser noch weisser u.s.w. in der Werbung suggeriert und dazu noch das bin ich mir wert damit müsste endlich Schluss sein.

Von Ästhetin am .

Das Bild ist oberscheußlich!!

Von Wilfried D. am .

Solange wir nichts Besseres finden, wird uns die Habgier in allen ihren Schattierungen wohl weiterhin beherrschen. Es gibt jedoch, noch vereinzelt, Menschen, die sagen "ich brauche das nicht mehr - oder nicht mehr so viel ...". Was ist da passiert - was gibt Ihnen stattdessen Befriedigung?

Von Sigrid E. am .

Ich fühle mich zur Zeit sehr in diesem "zuviel von allem und doch nicht genug" gefangen. Ich ertappe mich dabei, ständig nach Besserem Ausschau zu halten, das lenkt mich von stillen Zeiten mit Gott ab und macht mich auch noch unzufrieden. Den Vergleich mit anderen erlebe ich als sehr stressig. Für mich stellen sich zwei Fragen:
Wie trenne ich mich von Überflüssigem?
Wie wappne ich mich gegen die Selbstverständlichkeit des Überkonsumierens?


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