Andacht

Das fiese Kurzzeitgedächtnis

Warum wir uns durch unsere Vergesslichkeit selbst schaden. Eine Andacht von Nelli Löwen.

Wie gerne wäre ich dabei, als Jesus als Mensch auf der Erde lebte, habe ich mir schon häufig gedacht. Dann könnte ich mit ihm eine Runde spazieren gehen und Zeit verbringen. Kürzlich hat sich mein Wunsch erfüllt. Ich konnte in die Welt von Jesus und seinen Jüngern eintauchen, denn bei uns im Ort wurde das gesamte Markusevangelium als Theaterstück aufgeführt. Es war spannend zu erleben, wie Jesus mit den kranken Menschen, den Pharisäern und Schriftgelehrten, seiner Familie und seinen Jüngern umgegangen ist.

Alles vergessen

In einer Szene, die im Evangelium Markus 6,30-43 nachzulesen ist, schickt Jesus seine Jünger los, um Brote und Fische zu suchen. Nach dem Gebet Jesu für die fünf Brote und zwei Fische, erleben sie ein großes Wunder. Alle Menschen werden satt. Mehr als das: 12 Körbe mit Brotstücke sammeln die Schauspieler ein. Diese Erfahrung muss sich in ihr Herz brennen, denke ich mir. Doch weit gefehlt: Nur wenig Zeit vergeht, bis die Jünger vor der gleichen Herausforderung stehen und vielen Menschen zu essen geben sollen. Anstatt sicher loszugehen und Brote und Fische zu suchen, schließlich haben sie vor kurzer Zeit selbst ein Wunder mit Jesus erlebt, haben sie große Bedenken. Wo sollen sie in einer unbewohnten Gegend das Brot hernehmen, um all die Menschen satt zu bekommen?

Eine Situation, die einem Déjà Vu gleicht und trotzdem den Jüngern neu und unbekannt vorkommt. Anstatt sich an das Erlebte zu erinnern, zweifeln sie erneut an Gottes Macht. Sie zweifeln daran, dass Gott Wunder tun kann und tatsächlich selbst daran interessiert ist, Menschen aus der Not zu helfen. An dieser Stelle im Theater müssen wir Zuschauer lachen. Es ist einfach urkomisch, dass keiner von den Jüngern sich an das erlebte große Ereignis erinnert.

Leider muss ich mir eingestehen, dass ich in meinem Leben viel zu oft ähnliche Situationen erlebe. Wird Gott weiterhin sein Wort halten und mich mit allem versorgen, was ich benötige? Manchmal benötige ich neue Freundschaften, manchmal jemand, der mir hilft eine Lampe in meiner Wohnung aufzuhängen, ein anderes Mal eine neue Arbeitsstelle.

Vergangene tolle Erfahrungen

Es sind große und kleine Dinge, die mich vor die Entscheidung stellen, entweder zu vertrauen oder an Gottes Versorgung zu zweifeln. Viel zu oft kalkuliere ich mit meinen eigenen Möglichkeiten und blende Gottes Allmacht aus meinem Leben. Viel zu oft glaube ich der Lüge, dass er sich nicht dafür interessiert, was mir persönlich eigentlich doch ganz schön wichtig ist.

Ich möchte Gott mehr zutrauen. Denn dass er für Überraschungen zu haben ist, sieht man an den beiden Brotvermehrungen sehr deutlich. Deshalb möchte ich mich an vergangene tolle Erfahrungen mit Gott erinnern, wenn ich nächstes Mal vor der Entscheidung stehe, zu zweifeln oder zu vertrauen. Hoffentlich habe ich dann kein Kurzzeitgedächtnis.


Kommentare

Von Regina,W. am .

"was ist der Mensch, das du seiner gedenkst"?,steht in der Bibel "Ohne mich, könnt ihr nichts tu". Wir sind nicht mal fähig uns zu erinnern an all das Gute, auch was wir erleben, wir sind auf Gnade angewiesen und müssen am "Weinstock" hängen,Das macht uns dankbar und demütig und hilft uns, nicht zu vergessen

Von Roeschen am .

Trotz großer äußerer Not u. auch innerer Verzweiflung habe ich gerade da ungeahnte Gebetserhörungen u. Erfahrungen m. Gott erlebt.
Langsam, ganz langsam begreife ich, dass der Vater ein liebender ist und lerne Vertrauen auch in den kleinen Dingen meines
Lebens. Gott ist groß, ihm sei die Ehre !

Von Mathias L. am .

Um sich Gottes Versorgung für uns immer wieder bewusst werden z u lassen, kann es auch nützlich sein, mit anderen Menschen über solche "Kleinigkeiten" zu reden, denn dann werden solche oft unsichtbaren Erlebniss laut ausgesprochen und prägen sich besser in unsere Köpfe und Herzen ein und wir vergessen es beim nächsten mal vielleicht nicht :) ... und wenn man seine Versorung nicht erlebt, dann bitte man ihn, dass er einem die Augen öffnet :)

Von Ursula N. am .

Manchmal finde ich es sehr hilfreich, "Gebetserhörungen ", die wir erlebt haben ,aufzuschreiben !!!

Von Lothar L. am .

Aus dem Unvermögen unseres Menschseins heraus werden wir ständig mit Zweifeln an der Hilfe Gottes angefochten. Wir vermögen es nicht, mit unserm Verstand die Allmacht Gottes zu ergründen. Allein die Kraft des Heiligen Geistes befähigt uns dazu, mehr vom Wirken Gottes zu erkennen. Wir bedürfen ständig der Stärkung unsers Glaubens durch das Wort Gottes, die Sündenvergebung und das Heilige Abendmahl.


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