Andacht Lesezeit: ~ 2 min

Aber man müsste doch...

Reicht Gottes Gnade wirklich aus oder muss ich noch etwas dazutun, um von Gott angenommen zu werden? Eine Andacht zu Johannes 3,16.

„Als Christ sollte man jeden Sonntag in den Gottesdienst gehen.“ Wurden Sie auch schon von wohlwollenden Freunden so oder so ähnlich auf ihren spärlichen Gottesdienstbesuch angesprochen? Möglicherweise gibt es auch andere Dinge an Ihrem Verhalten als Christ zu bemängeln. Vielleicht kommen Sie immer zu spät zum Gottesdienst oder arbeiten nicht genug in der Gemeinde mit. Eventuell ertappen Sie sich aber auch selbst dabei, dass Sie andere Christen nach deren Verhalten bewerten.

Viele Zeitgenossen sind davon überzeugt, dass man als Christ mindestens genauso viele Regeln zu befolgen hat wie bei einer Steuererklärung. Und wenn man doch etwas falsch macht, verliert man den Anspruch auf den Himmel genauso schnell wie den Anspruch auf Nachzahlungen der Steuer. Aber stimmt das so?

Wenn man in einige Gemeinden blickt, bekommt man tatsächlich den Eindruck, es ginge beim Christsein vorrangig um das Befolgen von Regeln und dass derjenige, der alle Gebote exakt einhält, einen Sonderplatz im Himmel sicher hat. Aber die wichtigste Nachricht, die wir als Christen kennen, handelt von der Gnade Gottes und nicht von Gesetzen.

Sola Gratia

„Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“, so steht es in Johannes 3,16. Weder meine perfekte Außenfassade noch das Halten der Gebote wird mich nicht in den Himmel bringen. Jesus Christus ist es, der meine Sünden weggenommen hat.

„Sola gratia“ (Allein durch die Gnade), so hat Martin Luther vor einem halben Jahrtausend formuliert, wodurch wir von Gott angenommen sind. Durch Gnade allein bin ich gerettet, nicht durch regelmäßigen Gottesdienstbesuch. Eine Rettung durch fromme Taten gibt es de facto nicht, denn das ist unmöglich. Ich kann Gottes Gebote nicht aus eigener Kraft halten. Wenn ich das versuche, werde ich gesetzlich.

Natürlich ist Gottes Gnade kein Freibrief. Jesus musste für meine Sünden sterben. Meine Verfehlungen waren so groß, dass mein Leben eigentlich der Preis dafür gewesen wäre. Wenn ich mir dessen bewusst bin, gerate ich nicht in Gefahr, gegen Gottes Gebote zu handeln. Doch ich werde befreit von religiösem Leistungsdenken. Gott hat mich so angenommen wie ich bin, mit aller Sünde, mit allen Fehlern und charakterlichen Eigenheiten. Er kann und will mich verändern, aber zunächst kann ich darauf vertrauen: Ich bin angenommen.

Dieses Wissen sollte sich in meinem Umgang mit anderen Christen widerspiegeln. An mancher Stelle mag liebevolle Zurechtweisung angezeigt sein. Doch allgemein sollen wir anderen mit derselben Haltung begegnen, die Gott uns entgegengebracht hat: Mit Vergebung und Gnade.


Kommentare

Von Michael am .

Ich glaube nicht, dass wir alle Sünden, in der Zahl vielleicht Hunderttausende, nennen müssen.

Von Renate am .

Sehr interessant in diesem Zusammenhang ist es, den Jakobusbrief zu lesen, insbesondere Kapitel zwei ab Vers 14, der sehr gut das Spannungsverhältnis zwischen Glauben und Werken erläutert!
So z.B. Vers 17: "So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat."

Von Josephine am .

Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. -Eüheser 2, 8
Auf unsere Treue zu Gott (unsere Gebete, unsere religiösen Werke, unsere Wahrhaftigkeit und unsere Standhaftigkeit) zu vertrauen, würde bedeuten, dass wir Gottes Gnade nicht brauchen, sie als ungültig und Jesu Kreuzestod und Auferstehung als ungültig erklären.
Auf Gottes Treue zu vertrauen bedeutet seine Gnade und Vergebung anzunehmen, mehr

Von Susanne am .

Liebe Rebecca Theis, danke für diese Andacht, sie spricht mir aus - und zu -Herzen ! Wir stehen immer in der Gefahr dieses Leistungsdenken, welches uns in Schule, Ausbildung, Beruf eingeimpft wurde auch auf unser Glaubensleben (unnötigerweise ) zu übertragen. Dennoch denke ich sollten wir durch unseren Lebensstil erkennbar sein als Christen. Ich muß nicht ein Banner vor mir hertragen mit der Aufschrift "ich bin Christ", deshalb hat mir auch der bumper sticker von Arno Backhaus so gefallen :"In mehr

Von Michael S. am .

Nun ja, ganz so einfach ist es doch nicht. Gott nimmt mich nur dann an, wenn ich durch Jesus die Vergebung meiner Schuld empfangen habe. Das geht aber nur, wenn ich Buße tue, wenn ich alle (und wirklich alle) meine Sünden bei ihm bekenne. Das habe ich als sündiger Mensch täglich nötig. Gott ist nicht nur ein liebendwer Gott, so wie es heutzutage in den "Wohlfühl-Gemeinden" oft nur gepredigt wird. Er kann auch zornig sein. Aber von der Hölle will ja keiner mehr was wissen. Davon redet man ja am mehr


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