Andacht Lesezeit: ~ 3 min

Raus auf´s Wasser!

Jesus fordert uns heraus, Schritte ins Ungewisse zu gehen, damit wir eine neue Perspektive gewinnen. Ein Impuls zu Matthäus 14,29.

Auf einer Postkarte an meiner früheren Zimmertür war ein kleines Segelboot auf einem Meer zu sehen. Es sollte den Spruch „Mit jedem Schritt erhältst du eine neue Perspektive“ verdeutlichen. Wenn ich mir über den Vers während meiner theologischen Ausbildung Gedanken machte, stand die Frage im Raum: Welche Schritte sollte ich gehen, um meine persönliche Berufung und eine neue Perspektive zu erkennen? Mir war in keiner Art und Weise klar, an welchem Ort mich Gott zukünftig gebrauchen wollte. Er sollte mich lotsen und mir meine Perspektive schenken. Allerdings war die Ungewissheit, ob und wohin er mich führen würde, manchmal ziemlich beängstigend. In dieser Situation ähnelt meine Geschichte der aus dem Neuen Testament (Matthäus 14, 22-32):

Petrus, ein Jünger von Jesus, und seine elf Weggefährten sind mit einem Boot auf dem See Genezareth unterwegs. Dabei geraten sie in Seenot. Große Wellen versuchen, das Boot zu überwältigen. Die  Jünger versuchen eifrig, dagegen anzukämpfen.  Wahrscheinlich dauert dieser Kampf eine ganze Weile, denn Jesus hatte die Jünger bereits nach dem Abendessen auf den See geschickt, auf welchem sie gegen drei Uhr morgens immer noch sind. Ich vermute, dass sich die äußere Situation des unruhigen Sees auf die innere Gefühlslage der einzelnen Jünger übertragen hat. Werden sie den Sturm überleben?

In diesen Momenten der Angst sehen sie plötzlich eine Gestalt auf dem Wasser. Ist es ein Gespenst? Ihre Angst steigert sich noch. Der Alptraum scheint endlos zu sein. Die Jünger schreien vor Furcht und Ungewissheit und geben ihren Emotionen so Ausdruck. Inmitten dieser Gefühle sagt Jesus - von wegen Gespenst - einfach und schlicht „Ich bin es!“

Sehnsucht nach einer neuen Perspektive

Diese Worte müssen etwas mit Petrus gemacht haben. Statt nach den Strapazen müde und erschöpft sitzen zu bleiben, wecken die Worte von Jesus in ihm eine starke Sehnsucht nach einer neuen Perspektive. Er möchte raus aus seinem Boot und erfahren, dass der Glaube trägt. Er möchte erleben, dass Jesus trägt. Die Sehnsucht seines Herzens offenbart er mit den Worten: „Herr, wenn du es wirklich bist, befiehl mir, auf dem Wasser zu dir zu kommen.“ (Matthäus 14,29)

Dieser Wunsch ist verrückt, denn er sprengt die Naturgesetze. Petrus zeigt damit, dass er Jesus eine Menge zutraut und es dieses Mal auch bewiesen haben möchte.

Jesus reagiert an dieser Stelle sehr cool. Er lässt sich auf die Sehnsucht von seinem Jünger ein und fördert sein Vertrauen, indem er ihn mit dem Appell „Komm“ in ein Abenteuer einlädt. Petrus reagiert und setzt einen Fuß aufs Wasser. Mit diesem Schritt  bekommt er eine neue Perspektive, die so viel weiter und so viel größer ist, als die begrenzte Fläche seines Holzbootes, in dem er sich befunden hatte.

Diese neue Perspektive wollte ich in meiner damaligen Situation auch haben. Würde ich sie bekommen? In Zeiten von Zweifel erinnerte ich mich häufig an den Vers „Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohlmachen.“ (Psalm 37,5) Diese Aussage half mir, darauf zu vertrauen, dass Gott eine neue Perspektive schenken würde, wenn ich bereit wäre, einen Schritt ins Ungewisse hinein zu gehen. Schließlich bin ich diesen Schritt gegangen. Der Ort, an den Gott mich dabei geführt hat, ist zum Platz geworden, an dem er mich gebrauchen möchte.

In dieser bestimmten Phase meines Lebens hatte Gott mich zu einem großen Schritt herausgefordert.  Häufiger jedoch sind es kleine Schritte, die ich gehen muss, um neues Land zu betreten.  Das können Gewohnheiten oder Gedankenmuster sein, die Jesus verändern möchte oder auch etwas ganz anderes.

Jesus möchte Sie und mich da abholen, wo wir eine neue Perspektive brauchen. Er sagt: „Komm da raus. Ich zeige dir mehr.“ Manchmal wünscht er sich große, oft jedoch auch kleine Schritte. Gehen wir sie?  


Kommentare

Von Monika W. am .

Ich war die beiden vergangenen Tage auf einem Seminar und gestern morgen hat die Referentin die Bibelarbeit genau über diese Bibelstelle gehalten. Dieser Kommentar ergänzt die Bibelarbeit von gestern nun richtig gut. Danke.

Von krimhild S am .

Super! Danke!
Manchmal "klebt" man auch stressbedingt in einer bestimmten Situation fest, kriegt den Absprung nicht hin, weil sich die Gedanken in sich stereotyp wiederholenden Schemata bewegen. Wie gut ist es da, einen weiteren Horizont zu bekommen!

Von Bianca K. am .

DANKE! Gott segnet dich und lässt dich ein Segen für andere sein! ..ER hat durch dich in meine Seele gesprochen!

Von Martina B. am .

Wunderbar geschrieben. Vielen Dank!
Der Text regt auch mich zum nachdenken an. Wie oft gehe ich die großen und kleinen Schritte nicht, weil ich eben Angst habe - Angst vor Veränderung, vor Ungewissheit......und dabei ist ER immer da.

Von Norbert D am .

Danke für diesen "Anstoß"! Damit werde ich persönlich daran erinnert, das Wagnis einzugehen zu dem mich Jesus persönlich herausgerufen hat. Ein Schritt vor und zwei zurück. So komme ich mir vor. Das ärgert mich einerseits. Andererseits wartet Jesus geduldig und voller Liebe auf mich. Das haut mich fast um. Wirklicher Glaube wird im Losgehen praktiziert. So habe ich das auch schon erlebt. Jeder Tag, jede Stunde, jede Sekunde im Fokus auf Jesus zu leben ist eine Kunst und letzten Endes meine mehr

Von Klaus H am .

Besonders ermutigent finde ich im Zusammenhang den Teil der Geschichte der hier nicht mehr aufgenohmen wurde. Petrus verlässt irgendwann plötzlich der Mut und er verliert den Blick auf Jesus. In diesem Moment wird dieser als "Auftraggeber" aktiv und fängt seinen strauchelnden "Auftragnehmer" auf. Es gibt zwar noch eine nachfolgende "Unterweisung" an Petrus aber dieser wird mit seinem Versagen nicht alleine gelassen. Und dass sollte zusätzlichen Mut geben.
lg

Von Roesger am .

Toll geschrieben!


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