Monatsspruch Oktober 2012

Der verzweifelte Prophet

Was wir von Jeremia für schwere Zeiten lernen können. Gedanken zum Monatsspruch.

In den meisten Actionfilmen ergeht es dem Helden an irgendeiner Stelle der Handlung richtig übel: Er läuft in eine Falle, wird von seinen Gegnern geschnappt, nach Strich und Faden fertig gemacht und zusammengeschlagen. In der Schlusseinstellung der Szene sieht man dann meistens, wie der betreffende Schauspieler alleine und verlassen irgendwo im Dreck liegt, während seine Feinde aus dem Bild laufen.

Liest man im Alten Testament in Klagelieder 3, hat man das Gefühl, als Zuschauer mitten in einem solchen Filmabschnitt gelandet zu sein: Der Prophet Jeremia beschreibt, wie seine Knochen gebrochen sind, er gefesselt in der Dunkelheit sitzt und zur Zielscheibe des Spottes geworden ist. Sein erbarmungsloser Gegner scheint Gott selbst zu sein. Ein zutiefst gläubiger Mensch – völlig am Ende.

Doch Jeremia rappelt sich noch einmal auf. Er versucht es zumindest und spricht sich mit den Worten Mut zu, zu denen auch der Monatsspruch gehört: „Die Gnade des Herrn nimmt kein Ende! Sein Erbarmen hört nie auf, jeden Morgen ist es neu. Groß ist seine Treue. Meine Seele spricht: ‚Der Herr ist mein Anteil, auf ihn will ich hoffen.‘ Der Herr ist gut zu denen, die auf ihn warten und ihn suchen.“  Klagelieder 3,22-25

Kleiner Lichtblick in der Dunkelheit

Jeremia verhält sich hier ganz ähnlich, wie es normalerweise der Darsteller im Spielfilm in der nächsten Szene tut: Der Held hebt langsam und stöhnend den Kopf, rafft sich auf und torkelt davon, um den Kampf mit seinem Kontrahenten noch einmal aufzunehmen. Auch der Prophet lässt Gott nicht los. Er ringt mit ihm, mit sich, mit seinem Volk. Jeremia ruft sich in Erinnerung, was er Gutes über Gott weiß und warum es sich lohnt, ihm zu vertrauen. Tief in seinem Herzen muss er davon überzeugt gewesen sein, dass Gott gerecht ist und es letztlich gut mit ihm und den Israeliten machen wird (vgl. Jeremia 30 und Jeremia 31). Ein Happy End wie im Film gibt es nach dieser Wende allerdings nicht. Die Verzweiflung und der Schmerz kehren zurück und die Klagelieder enden in einem dunklen, fragenden Ton.

Die alte Geschichte dieses leidenden Gottesmannes gibt uns als Christen bis heute Impulse: In Krisenzeiten können wir versuchen, uns so an Gott zu klammern, wie Jeremia es getan hat – vielleicht mit anklagenden Worten, aber gleichzeitig mit dem verzweifelten Wunsch ihn nicht loszulassen. Und auch uns können Zusagen aus der Bibel über Gottes Liebe und seine Treue, Lobpreislieder oder gute Bücher in schwierigen Lebenslagen ein Stück weit tragen und begleiten. Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir in dunklen Zeiten solche Worte der Hoffnung finden oder sie von Gott selbst geschenkt bekommen.


Kommentare

Von Manfried R am .

Liebe Hanna,
ich danke Dir für diese Andacht.
Manfried R

Von schön cornelia am .

So, dass ist meine Antwort bezüglich Arbeitsstelle. Genau so miserabel fühle ich mich. Bin psychisch am Ende und wollte morgen nicht arbeiten gehen. Ja wohl und ich gehe trotzdem. Dieser Vers gibt mir Kraft und Mut auch wenn ich mich Mutlos fühle und von den Vorgesetzten von Worten und Taten "misshandelt" werde. Auch wenn die andern mich, sinnbildlich gesprochen, zusammenschlagen siegt am Ende Jesus und der Feind muss fliehen. Cornelia

Von G-L. W am .

Es ist gut, auf den HERRN zu hoffen und nicht sich verlassen auf Menschen/Fürsten...
Ps. 118, 8+9 - das ist und bleibt unsere Sicherheit. Das Entscheidende sind eben nicht Freunde oder Glaubensgeschwister. So wird auch unsere Glaubens- und Lebensbeziehung zu JESUS gestärkt, belebt und gereinigt und gefestigt.
Nichtsdestoweniger ist jeder von uns gefordert, Glaubensgeschwistern in Anfechtungen beizustehen in Gebet und Tat.

Von G. G. am .

Vielen Dank für diesen wertvollen Beitrag. Ja, wie oft war ich in Situationen, wo ich verzweifelt war, Unrecht erlebt habe und, und... Es tut gut zu wissen, dass auch die Männer u. Frauen Gottes dies erlebt haben und uns/mir heute ein Beispiel sind, was einem immer wieder neu ermutigt und mit Hilfe des Herrn aufstehen lässt. Danken schütz vor wanken, Loben zieht nach oben! Es ist gut, den Blick nach oben auf Jesus gerichtet zu haben, auf das Licht des Lebens, was alle Dunkelheit vertreibt.
Gottes Segen wünsche ich allen.

Von Ute H am .

Wie gut,dass wir im Alten Testament von Glaubenshelden wie Jeremia lesen.Und im Neuen Testament Epheser 5,19 heisst es:
sagt Dankk allezeit für alles dem Vater in Jesu Namen.Auch schlimme Umstände lässt Gott zu in unserem Leben,damit der Herr Jesus sich in dieser Situation verherrlicht-und alles soll uns ja zum Besten dienen.Auch in meinem Leben als Christ hat es lange gedauert,bis ich diese Bibelstelle kapiert habe.Gott sei Dank kann ich jetzt auch Danke sagen für all das Negative,was ich mehr


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