Impuls zu 2. Timotheus 1,13 Lesezeit: ~ 2 min

Ganzheitlich glauben, lehren, lieben

Ein Rat von Paulus an seinen Mitarbeiter Timotheus hilft, auch heute als Christ nicht einseitig zu werden.

Das Leben als Christ kann verwirrend sein. Die einen betonen die Wichtigkeit der Liebe und dass Christen sich unbedingt für die Armen einsetzen sollen. Andere legen gesteigerten Wert darauf, in ihrer Beziehung zu Gott zu wachsen und Glaubenserfahrungen zu machen. Eine dritte Gruppe ist Weltmeister in dogmatischen Fragen und versucht, die Lehre der Bibel genau zu verstehen. Da kann schon einmal die Überlegung auftauchen, wer mit seinem Schwerpunkt Recht hat und was für das Leben als Christ wirklich zentral wichtig ist.

Paulus bringt diese unterschiedlichen Punkte interessanterweise zusammen. Er schreibt in seinem zweiten Brief an seinen jungen Mitarbeiter Timotheus: „Halte dich an das Vorbild der gesunden Lehre, die ich dir weitergegeben habe, und führe dein Leben in dem Glauben und in der Liebe von Christus Jesus!“ (2. Timotheus 1,13)

Den Apostel macht mit diesem Vers deutlich, dass eine gesunde Lehre wichtig ist – der Schwerpunkt der Dogmatiker. Gleichzeitig betont er, dass ein Lebensstil wichtig ist, der vom Glauben und der Liebe geprägt ist. Auf diese beiden Punkte legen diejenigen Wert, die gerne ihre Beziehung zu Gott vertiefen oder die Nächsten- und Gottesliebe betonen. Paulus spielt diese drei Bereiche nicht gegeneinander aus. Im Gegenteil: Der erfahrene Missionar wiederholt in den beiden Briefen an seinen jungen Mitstreiter in unterschiedlichen Variationen wie wichtig Liebe, Lehre und Glauben jeweils sind. (vgl. 1. Timotheus 1,3-5; 4,12; 6, 3-12 und 2. Timotheus 3,10-15)

Lieber beten statt helfen?

Der Rat des Paulus kann uns dabei helfen, vom jeweiligen Schwerpunkt anderer Christen zu lernen, statt uns darüber zu ärgern, dass sie in der Gemeinde immer genau die Bereiche betonen, die uns nicht wichtig sind. Vermutlich wird trotzdem jeder sein Steckenpferd behalten: Ein dienender Typ wird weiterhin begeistert sein, wenn seine Gemeinde sozial aktiv wird. Ein Bibelforscher wird nie ganz verstehen können, warum andere sich nicht genauso für Lehre interessieren wie er. Aber der Blick weitet sich und wir sehen, wo wir uns ergänzen und gegenseitig brauchen. 

Das Schöne ist, dass wir uns nicht nur aus eigener Kraft bemühen müssen, die einzelnen Facetten in unserem Alltag zusammenzubringen. Gott selbst hat ein Interesse daran, dass wir in der Liebe, im Glauben und in einem gesunden Verständnis der biblischen Lehre wachsen. In Jesus beschenkt er uns mit Glauben und Liebe, der Heilige Geist hilft uns bei der Lehre. Unsere Aufgabe ist es, diese Geschenke in Anspruch zu nehmen und Gott unser Leben ganzheitlich prägen zu lassen. Wer weiß, dass er zum Beispiel lieber auf theologische Richtigkeiten achtet und die Liebe zu Gott und seinen Mitmenschen vernachlässigt, kann das Gott bekennen und um Veränderung bitten. Das gleiche gilt, wenn jemand merkt, dass er zwar vertrauensvoll beten kann, aber kaum in seine Bibelkenntnis investiert.

Das Leben als Christ kann verwirrend sein. Auch mit dem Rat von Paulus erkennen wir nicht immer sofort, was richtig und wichtig ist. Aber wir kommen ihm doch auf die Spur und vor allem davon weg, Glauben, Liebe und Lehre gegeneinander auszuspielen. Lassen wir uns darauf und auf Gottes Wirken an uns ein?


Kommentare

Von Klaus H am .

Ein Leib - viele Glieder. Wir ergänzen uns und brauchen uns daher auch gegenseitig. Gott hat sich schon etwas dabei gedacht, das er keine "Universalgenies" beruft. Und wenn ich auf Gott höre, kann ich mir meinen ganz persönlichen Schwerpunkt schenken lassen. Kann zwar sein, das der anders liegt als erwartet, aber das macht die Angelegenheit spannend.
LG

Von Ute H am .

Gott hat jeden Menschen wunderbar gemacht,jeden mit Gaben ausgestattet,die er einsetzen darf zu Gottes Ehre.Lassen wir doch jeden so ,wie er ist .Ich habe gelernt auf meiner Reise mit dem HERRN JESUS,die anderen machen zu lassen,nicht mehr zu meckern ,nicht mehr entäuscht zu sein,warum....und 2 Bibelverse helfen mir "Sagt Dank allezeit für alles ,dem Vater in Jesu Namen" Epheser 5,19 und römer 8,28 alles soll mir zum Besten dienen.
Ich brauchte lange,um die Botschaft,die in diesen Versen mehr

Von martin m am .

eine ausgewogenheit in lehre und lebenstil
ist sehr wichtig,wird aber nicht von jeden christen gelebt!

Von ERF - Fan am .

Ich bin mit diesem Artikel 100% einverstanden. Nur möchte ich als Bibel-Lehrer darauf hinweisen, dass die Ermahnungen in den Apostolischen Briefen immer fundiert sind auf einer gesunden Lehre. Als Modell mag der Römerbrief gelten: Nachdem Paulus 11 Kapitel lang der Gemeinde sehr viel Lehre zugemutet hat, schreibt er über die Liebe und das Wachstum im Glauben.
Also: Lehre ohne Leben ist trockende Schreibtisch-Theologie, aber Leben ohne Lehre ist ist schwüler Gefühlssumpf.
Aus gesunder Lehre mehr

Von Renate am .

Danke für diese ausgewogene Auslegung! Die verschiedenen Bereiche - Glaube, Lehre und Liebe - gehören zusammen und sind nicht voneinander zu trennen. Mal wird jedoch der eine Aspekt mehr betont, mal der andere. Hüten sollten wir uns nur vor Einseitigkeit und uns bemühen, zu einer Ausgewogenheit zu kommen.


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