Impuls

Was Gottes Zeigefinger wirklich von uns will

Wie geht man mit Bibelversen um, die das Bild von Gott als unbarmherzigen Polizisten mit erhobenem Zeigefinger zu bestätigen scheinen?

Manchen Politessen oder Ordnungshütern sagt man nach, dass sie geradezu darauf warten, Strafzettel auszustellen, wenn jemand die Parkzeit knapp überschritten hat. Ist Gott auch so? Liegt er auf der Lauer nach unseren Fehlern und lässt uns dann erbarmungslos die Konsequenzen spüren?

Gott greift erfahrungsgemäß meistens nicht direkt ein, wenn wir etwas machen, dass für uns, unsere Mitmenschen und unsere Beziehung zu ihm schädlich ist. Stattdessen gibt er uns Maßstäbe, an denen wir uns orientieren können, wenn wir genau das vermeiden möchten. Das Buch der Sprüche ist ein gutes Beispiel dafür. Die Lebensweisheiten darin gängeln den Menschen nicht, sie helfen ihm, sein Leben klug zu gestalten. An einer Stelle heißt es dort zum Beispiel:

Wenn du deinen Vater oder deine Mutter verfluchst, wird es dir ergehen wie einem, dessen Lampe in dunkelster Nacht erlöscht. (Sprüche 20,20)

Auf den ersten Blick passt dieser Vers in das Schuld – Strafe Denken. Man spürt förmlich den erhobenen Zeigefinger. Doch es geht hier nicht darum, dass Gott nur darauf wartet, einen Strafzettel für falsches Verhalten gegenüber den Eltern auszustellen. Der Vers beschreibt einfach, was eine schlechte Beziehung zu den eigenen Eltern für Folgen haben kann.

Was Gottes Zeigefinger bewirken möchte - und was nicht

Wer seinen Vater und seine Mutter verflucht, ist ihnen gegenüber oft auch aggressiv eingestellt und behandelt sie geringschätzig. Die schlechte Vergangenheit entfaltet so eine ungeheure negative Kraft über das Heute und verhindert, dass man gute Beziehungen aufbauen kann: Der Ehepartner leidet zum Beispiel mit daran, wenn jemand jeden Ratschlag abblockt, weil er sich nicht noch einmal so dominieren lassen möchte, wie es beim eigenen Vater der Fall war. Die Auswirkungen sind mehr kaputte und schmerzhafte Beziehungen, statt weniger. Es wird dunkler in einem Leben.

Wer hingegen versucht, die schlechte Beziehung zu den Eltern aufzuarbeiten, kann solche Verhaltensmuster durchbrechen und neu anfangen. Bildlich gesprochen wird es in einem solchen Leben heller. Dazu muss man unter Umständen aber erst einmal verstehen, dass es nicht hilft, wenn man die Eltern verflucht oder beschimpft. Diese unbequeme aber heilsame Wahrheit mutet der Bibelvers dem Leser zu.

Ich wünsche mir, dass ich mehr und mehr begreife, vor welchen negativen Folgen mich ein Bibelvers warnen möchte, statt einfach nur den gezückten Strafzettel oder den erhobenen Zeigefinger Gottes darin zu sehen.

 


Kommentare

Von Kurt B am .

Ich habe mich an dieser Andacht gefreut. Ja, wir müssen bis ins hohe Alter lernen, unserem Gott zu danken, dass ER uns nicht uns selbst überlässt, sondern uns führt und auch erzieht. Erziehung ist aber oft nicht angenehm, doch danach erkennen wir, wie wir bewahrt geblieben sind.

Von Jordanus am .

Ich muss daran denken, dass Gott mit seinem Zeigefinger die Gebote schrieb und das Jesus mit seinem Finger in den Sand malte, als die Pharisäer die Ehebrecherin verurteilen wollten. Gottes Zeigefinger zeigt nicht anklagend auf uns, sondern zeigt uns, was gut für uns ist. Die Gebote sind gut, aber noch besser ist, dass Jesus uns nicht anklagt.

Von Micha am .

"Wer seinen Vater und seine Mutter verflucht, ist ihnen gegenüber oft auch aggressiv eingestellt und behandelt sie geringschätzig." Was ich säe, wer ich ernten. Mit großer Wahrscheinlichkeit sind bereits die Eltern mit ihren Kindern nicht liebevoll umgegangen.
Gott ist liebevoll, barmherzig, gütig, langsam zum Zorn. Deshalb sind seine Gebote für mich in 1. Linie Wegweiser, Geländer zur Orientierung und keine Polizeiverordnung. Wer zu Gott tiefes Vertrauen aufgebaut hat, wird verstehen, warum er mehr

Von Thomas A. am .

In meinen Augen handelt es sich bei Spr.20,20 um eine Lebensweisheit. Salomo war der weisseste Mensch. Die Weisheiten haben was mit meinem Leben zu tun, und wenn ich mich daran halte, wird mein Leben sicher besser gelingen, als wenn ich mich nicht daran halte. Ich sehe hier keinen Zeigefinger Gottes. Für mich ist da eher ein fürsorglicher Vater (Gott) der mir hier Ratschläge für mein Leben gibt, damit ich nicht von einer Schwierigkeit in die andere stolpere. Mir würde es besser gefallen wenn mehr

Von andreasm am .

eine weitere sicht zum thema gott-polizei findet man in meinem Blog "Gott und die Welt" (auf der Blogseite von ERF.de)

Von Hanna Willhelm am .

@ Sabine: Vielleicht können wir das mit dem besseren Verständnis ja nachholen (-:
Ich habe diesen einen Vers als Beispiel gewählt, weil er mir beim ersten Lesen zum Bild des Polizistengottes zu passen schien (nach dem Motto: Wenn Du Deine Eltern nicht ehrst, dann...!) Doch dann habe ich verstanden, warum das nicht so ist und das versuche ich in der Andacht zu erklären.
Der Vers steht für mich deswegen als Beispiel, wie wir lernen können solche "Polizistenverse" besser, bzw. positiver zu mehr

Von Sabine am .

Hallo Frau Wilhelm, da ich Gott auch sehr oft wie einen Polizistengott sehe, habe ich mich sehr auf Ihre Zeilen gefreut.... Ich fand es schade, dass Sie so sehr auf das eine Beispiel eingegangen sind. Vielleicht habe ich es aber auch nicht richtig verstanden..... LG Sabine

Von Renate am .

Den mahnenden Zeigefinger Gottes empfinde ich als Aufforderung, achtzugeben auf mein Verhalten und seine Folgen.


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