Kommentar zu Ostern Lesezeit: ~ 3 min

Glauben Sie an die Auferstehung?

Ostern 2011 stirbt ein indischer Guru. Ein Zeitungsbericht darüber lässt ERF Redakteurin H.Willhelm über die (Un-)Möglichkeit von Ostern nachdenken.

Manchmal sind es Kleinigkeiten, die einem vor Augen führen, dass der christliche Glaube eine Herausforderung für unseren menschlichen Verstand ist. So bin ich vergangenes Jahr einen Tag nach Ostern über eine Zeitungsmeldung gestolpert, die den Tod eines Hindu-Mystikers verkündete. „Tausende trauern um indischen Guru Sai Baba“ lautete die Überschrift. Unwillkürlich schlug ich eine Brücke zum Tod von Jesus und spekulierte, wie eine Zeitung in diesem Fall wohl vor 2000 Jahren getitelt hätte. Vielleicht so: „Tausende schockiert über den Tod des jüdischen Rabbis Jesus“?

Dann überlegte ich weiter, wie die Nachricht einige Tage später gelautet hätte, wenn die Sache mit der Auferstehung in den Medien durchgesickert wäre: „Trauernde Anhänger wollen toten Rabbi lebend gesehen haben“? Die anschließende Meldung schlösse nach einem kurzen Faktenüberblick und einem Zitat von Petrus oder Johannes vermutlich mit dem Gutachten eines Psychologen. Dieser würde erklären, warum Menschen nach dem Tod einer geliebten Person manchmal seltsame Visionen und Wahrnehmungen haben.

Würden Sie glauben, dass Sai Baba auferstanden ist?

Machen wir uns nichts vor: Auch wenn uns als Christen der Glaube an die Auferstehung Jesu in Fleisch und Blut übergegangen ist, bleibt sie rein logisch betrachtet schwer zu schlucken. Oder hätten Sie im Fall des indischen Gurus einer Meldung geglaubt, die über dessen angebliche Auferstehung berichtet? Der gute Mann war laut Zeitung immerhin in einem gläsernen Sag aufgebahrt worden, so dass sich Anhänger und eventuelle Gegner von seinem tatsächlichen Tod überzeugen konnten.

Aus dieser Perspektive heraus verstehe ich durchaus, wenn Skeptiker ihre Probleme mit den biblischen Aussagen über die Auferstehung Jesu haben. Interessanterweise komme ich persönlich trotzdem immer wieder zu dem Schluss, dass Jesus vom Tod auferstanden ist.

Der Dreh- und Angelpunkt meiner Überlegungen ist dabei folgender: Wenn ich an einen Gott glaube, der

a) diese Welt mit all ihren Gegebenheiten geschaffen hat
b) sich für uns Menschen interessiert
c) heute noch in Vorgänge auf dieser Erde eingreift

dann ist der Gedanke an eine Totenauferweckung menschlich zwar schwer fassbar, aber er ist denkbar.

Er ist denkbar, weil dieser Gott die Möglichkeiten hat, physikalische oder biologische Gegebenheiten außer Kraft zu setzen oder umzukehren. Und ich glaube, dass genau das bei Jesus der Fall war. Gott hat ihn wieder lebendig gemacht und damit auch rückwirkend bestätigt, dass dieser Rabbi tatsächlich sein Sohn war. (Hier sehe ich nebenbei bemerkt auch den Unterschied zu Sai Baba) Das bedeutet wiederum, dass ich mich auf die Dinge verlassen kann, die Jesus während seines Lebens gesagt oder getan hat.

Nicht nur feiern sondern denken!

Damit trifft die ganze logische Auseinandersetzung, ob eine Auferstehung möglich ist oder nicht, letztlich den Kern meines Glaubens und meines Menschseins. Die Frage ist: Gibt es einen Gott, dem ich vertrauen kann, von dem ich etwas Verbindliches weiß und der mich trotz meiner Schuld liebt? Als Christ beantworte ich auch diese Frage mit Ja.

Wie gesagt: Ich kann das alles nicht im naturwissenschaftlichen Sinn beweisen. Aber es deckt sich mit dem, was der christliche Glaube lehrt und was viele Christen schon erlebt haben. Skeptikern würde ich deswegen raten, den Glauben an Jesus einmal auszuprobieren, indem sie sich zum Beispiel mit dem Leben von Jesus auseinandersetzen oder anfangen, Gott bei alltäglichen Dingen um Hilfe zu bitten. Zweifelnde Christen würde ich bitten zu überdenken, was sie oder andere Gläubige in ihrer Umgebung schon mit Gott erlebt haben und ob das nicht den Rückschluss zulässt, dass es tatsächlich mehr gibt, als wir mit Formeln, Messgeräten und Forschung nachweisen können.

Jesus lebt! Diese Aussage war im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung nicht selbstverständlich und sie ist es heute nicht. Deswegen brauchen wir ab und zu einen Anstoß, der uns dazu bringt, Ostern nicht einfach nur zu feiern sondern auch zu durchdenken. Das kann bei einem Gespräch mit einem Menschen passieren, der den christlichen Glauben hinterfragt. Manchmal tut es aber auch eine einfache Zeitungsmeldung…


 


Zum Vertiefen - Bibelstellen über die Auferstehung und ihre Bedeutung für den christlichen Glauben:

Lukas 24,1-43 (Der Evangelist Lukas über die Auferstehung Jesu)