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Licht aus, Spot an

Was als Anweisung eines Regisseurs bekannt ist, kann auch ein Sinnbild für das Leben als Christ sein. Diese Andacht erklärt, warum.

Das Licht ist aus. Nur ein kleiner Lichtkegel erhellt den Raum. Den Zuschauern neben mir steht die Spannung ins Gesicht geschrieben. Was erwartet uns jetzt?

Und dann sehen wir ihn – er wagt den ersten Schritt hinein in den Lichtkegel. Zögerlich erst, doch dann setzt er seine Füße immer sicherer voreinander. Das erste Hütchen hat er bereits umrundet. Nun dreht er sich, um das nächste Hütchen zu passieren. Er folgt mit seinen Schritten stets der Taschenlampe, die ihn führt. Seine erblindeten Augen sind fest auf den Lichtschein gerichtet.

Aber dann ein kurzer Moment der Ablenkung. Sein Blick löst sich von dem Licht. Sein Fuß strauchelt, er stolpert und fällt. Der kleine Junge, den ich in der Blindenschule von Helen Keller in Guadalajara, Mexiko, kennengelernt habe, ist am Licht-Parcours gescheitert.

Dieses Ereignis habe ich Anfang 2012 im Rahmen einer Therapie namens „visuelle Stimulation“ beobachtet. Für alle Sehbehinderten, bei denen noch ein wenig Sehkraft vorhanden ist, ist es sehr wichtig, diesen Eingang zur Welt der Sehenden zu stimulieren. Sonst geht dieser Zugang ganz verloren. Je früher mit dieser Stimulation begonnen wird, desto besser. In der Schule von Helen Keller werden bereits Babys im Alter von drei Monaten visuell stimuliert. Nebenbei lernen die Schüler, den Kopf zu heben und in die Richtung der Menschen zu schauen, die mit ihnen reden.

Diese Begebenheit erinnerte mich daran, dass Jesus sagt: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Johannes 8,12) So wie dieser Junge seinen Blick auf das Licht richtet und geführt wird, sollte ich auf Jesus schauen und mich von ihm durch schwierige Zeiten führen lassen. Dabei hilft es, wenn ich mich in unserer Gesellschaft mit ihren Ablenkungen und Versuchungen frage: Ist Jesus mein Fokus? Entscheide ich mich in Krisensituationen, auf dem richtigen Weg zu bleiben und ihm zu folgen? Oder lasse ich mir von meinen Umständen und meinem Alltag den Blick so sehr vernebeln, dass ich den Weg aus der Finsternis heraus nicht mehr sehe? Ja, manchmal ist es so. Manchmal bin ich im übertragenen Sinne in dieser Welt blinder als diese Kinder dort in der Schule. Dann tut es gut, in der Bibel zu lesen und mir den Weg zu Gott wieder zeigen zu lassen.

Auch ich mag daran scheitern, den Hürden-Parcours meines Lebens zu meistern. Wie dieser Junge habe ich aber die Möglichkeit, wieder aufzustehen und weiter zu üben. Und mit jedem weiteren Training wird es leichter sein, meinen Blick auf Jesus zu richten.


Informationen zur Blindenarbeit von Helen Keller finden sich auf dieser Webseite: http://www.helenkeller.org/index.php


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