TV-Interview

Gefährliche Zeiten für Gemeinden

Gordon MacDonald befürchtet einen Mangel an neuen Leitern, wenn Pastoren nicht verstärkt in Kleingruppen investieren. Warum erklärt er im Interview mit ERF 1.

„Wir leben in gefährlichen Zeiten, weil die Gemeinden nicht mehr so viele Tiefgänger produzieren, wie sie sollten.“ Das erklärte Pastor und Referent Gordon MacDonald im Interview mit ERF 1 anlässlich des diesjährigen Willow Creek Kongresses. Tiefgänger seien Menschen, die „eine gewisse Weisheit und Würde ausstrahlen“ und von denen man den Eindruck hat, „dass sie Gott auf wunderbare Weise“ kennen. Heute gäbe es davon nicht mehr viele, weswegen es nach Gordons Meinung die wichtigste Aufgabe eines Pastors ist, solche Menschen zu fördern. Geschieht dies nicht, würden den Gemeinden Willow Creek zufolge kurzfristig die Leiter fehlen.

Um mehr Christen mit Tiefgang zu bekommen, müssten Gemeinden weg von einer Informationsstruktur und hin zu einer Kleingruppen-Methodik kommen. Jesus selbst sei Vorbild für dieses Vorgehen: „Er war ein Rabbi und ja – er hat vor vielen Menschen gesprochen. Aber er hat viel mehr Zeit mit ein paar Dutzend Leuten verbracht. Und ganz speziell mit 12 Leuten. 80 - 85% seiner Zeit hat er in eine sehr kleine Gruppe Menschen investiert.“ Große Gemeinden und Predigten von der Kanzel könnten dies nach MacDonalds Überzeugung nur bedingt leisten.

Rückkehr zu Kleingruppen

In kleinen Gruppen sei aber möglich, dass Menschen in ihrem Glauben wachsen, indem sie ihrem Mentor zuhörten, ihn beobachteten und alles miteinander verarbeiten würden. Das Ergebnis einer solchen Konzeption bringe erstaunliche Resultate, das könne man wiederum an den Jüngern Jesu sehen: „… als Jesus nach drei Jahren die gemeinsame Zeit beendet, da wachsen sie [die Jünger] plötzlich über sich hinaus. Sie werden die bemerkenswertesten Leiter in der Apostelgeschichte, die die Welt je gesehen hat. Erstaunliche Leute.“

Gordon selbst praktiziert dieses Konzept gemeinsam mit seiner Frau Gale: Zusammen laden sie jedes Jahr 15 Menschen ein, das Ehepaar wöchentlich zu besuchen und das Leben miteinander zu teilen. Denn MacDonald ist überzeugt: „Die Pastoren müssen in der kommenden Zeit zu dieser Kleingruppenmethodik zurückkehren, damit sie immer mehr Jünger groß ziehen.“ 

Auf die Rückfrage von ERF 1, ob dieses Konzept nicht anders sei, als das der Mega-Churches und darüber hinaus mehr Kraft und Zeit koste, antwortete MacDonald: „Ja, das tut es. Aber die Geschichte lehrt uns, dass wir über die Jahrhunderte immer vor und zurück gehen. In einer Generation heißt es: ‚Es ist wunderbar, große Gruppen zu haben.‘ […] Jetzt ist die Zeit, in der wir für eine Weile zu kleineren Gruppen zurückkehren müssen.“

Das TV-Interview mit Gordon MacDonald finden Sie hier. Neben seiner Leidenschaft für Mentoring spricht der Bestsellerautor auch darüber, wie wichtig es ist, dass sich ein Leiter selbst gut leiten kann.

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Der Willow-Creek-Kongress fand vom 26. – 28. Januar in Stuttgart mit über 7.000 Besuchern aus Deutschland, der Schweiz und Österreich statt. ERF Medien hat die meisten Referenten exklusiv interviewt. Das nächste Interview mit Andy Stanley, Pastor der North Point Community Kirche und Autor, wird ERF 1 am 26. März 2012 ausstrahlen.


Kommentare

Von Brigitte R am .

An ERF-Fan, Nachricht vom 19.3.
Ja, kann ich nur zustimmen, man muss die Bibel lesen und nach dem HERRN fragen. Und heutzutage finden wir in einer Gemeinde mehr über Projekte und "Shows", statt dass wirklich über Sünde, Busse, Gericht, Gnade Gottes, Fasten, gepredigt wird

Von Thomas A. am .

Hallo @ERF-Fan, kann deiner Antwort an @Max nur zustimmen.
Die Aussage in dem Artikel oben, das Kleingruppen extrem wichtig sind, würde ich sofort unterschreiben. Aber es werden auch andere Aussagen getroffen, die in meinem Augen überhaupt nicht gehen.

Von ERF - Fan am .

Lieber @Max,ich bin ein liebevoller Kritiker, der aber auch einstecken kann. Über Internet fehlt halt eben die ganze Bandbreite der Mimik, Gestik und des "Tonfalls", deshalb klingt vieles absolut hart. Bei Kritik muss man immer die Person von der Sache trennen. Hart in der Sache und liebevoll gegenüber den Menschen, die andere Meinungen haben. So haben es doch Jesus und Paulus auch gemacht? Oder irre ich mich?

Von Max am .

Die Kritik ist gleich so hart, absolut, als ob es da Leute gäbe, die die Weissheit mit Löffeln gegessen hätten. Kann man nicht mal lernen und fragen was für mich dabei wichtig sein könnte? :-(

Von David S am .

Die Tendenz, sich in Kleingruppen oder gar Minigruppen bis zu vier Personen des gleichen Geschlechts zu investieren, halte ich für sehr wichtig! Ich sehe darin eine notwendige Rückkehr zu biblischen und lebensbejahende Strukturen für den Leib Christi und der Kirche weltweit.

Von Thomas A. am .

Wo steht in der Bibel wieviel "Tiefgänger" eine Gemeinde produzieren muß? Wo steht in der Bibel das man einen Mentor beobachten muß? Ich beobachte Jesus und dazu lese ich die Bibel. Es ist einfach ein falscher Gedanke das man heiligen Geist produzieren kann. Gott gibt den heiligen Geist. Wird der Leiter so überbewertet wie hier in dem Artikel ist die Gefahr für den Leiter gross dem Hochmut zu verfallen. Und das ist auch meine Erfahrung in den Gemeinden wo ich bisher war. Leiten hat in meinem Verständnis der Bibel etwas mit Demut zu tun.

Von ERF - Fan am .

Menschen, die "Gott auf wunderbare Weise kennen" kann man doch nicht, wie es in dem Artikel geschieht, fördern, um neue Leiter zu haben. Krasser geht ein bloß auf Nützlichkeit zielendes Denken nicht. In unserer Gemeinde begannen diese faszinierenden Christen auszusterben, als man statt Bibelstunde und einfache, aber erweckliche Gottesdienste auf die "Willow Creek" - Welle sprang. Showeinlagen, Theater, Candlelightdinner u.ä. haben die Gemeinde zu einem belanglosen Ort gemacht, in dem das eigene mehr

Von LEONIDAS am .

Ich stimme Herrn Gordon MacDonald nur zum Teil zu. Meiner Meinung nach ist es wichtiger, dass die Gemeinden dabei helfen Christen zu formen, die sich selbstständig aus der Bibel geistlich ernähren können und regelmäßig beten. Dann können die Pastoren nämlich tiefergehende Predigten halten und müssen den Gemeindegliedern nicht immer nur Milch zu trinken geben. Das sehe ich als eine der größten Baustellen in den Freikirchen in Deutschland. Das ältere Geschwister und Leiter eine Vorbildfunktion haben versteht sich von Selbst.

Von Doris Franz, Stuttgart am .

Danke! Es bewegt mich seit langem, dass es kaum noch Bibelstunden ... gibt, wo 'gute Lehre' unter dem Wort Gottes möglich ist.
Danke auch an Hanna Wilhelm und herzliche Grüße!
Einen gesegneten Tag wünscht
Doris Franz


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