Angedacht

Der Gott der Wüste

Allzu gerne meiden wir Zeiten der Ungewissheit, des Wartens und des Leids. Dabei offenbart sich Gott mitunter gerade dann am deutlichsten.

Faszinierende Landschaften, bizarre Felsformationen und das einzigartige Spiel von Licht und Schatten: Die Wüste ist für viele Menschen ein lohnendes Reiseziel. Sich freiwillig und gut geplant auf eine Reise in die Wüste aufzumachen wie z.B. die Negev in Israel, die Atacama in Südamerika, die Sahara in Afrika oder die Gobi in Asien, kann eine sehr beglückende Erfahrung sein.

Ganz anders dagegen erleben wir oft die Wüstenzeiten, die unfreiwillig, plötzlich und schmerzhaft über unser Leben hereinbrechen. In diesen Zeiten der Krise wird die Wüste zum Ort der Versuchung, des Fragens, des Zweifelns und des Klagens. Was aber vielen nicht bewusst ist: Gerade die Wüste kann ein Ort sein, wo wir Gott auf einmalige Weise erfahren.

Der Gott der Wüste führt
Es ist einige Jahre her als ich mich selbst ganz plötzlich in einer Wüstenzeit wiederfand. Fragen brachen über mich herein: Wie lange wird das noch dauern? Was wird als nächstes passieren? Wie komme ich hier wieder raus? Einige Fragen blieben auch nach Wochen und Monaten unbeantwortet. Eine Wolken- und Feuersäule gab es ebenso wenig wie einen Mose und die 70 Ältesten.

Trotzdem habe ich Gottes Führung erlebt. Auslöser war ein Gebet einige Jahre vor dieser Wüstenerfahrung. Damals bat ich Gott intensiv um Gewissheit in meinem Glauben – aber nichts passierte. Wochen, Monate, Jahre vergingen. Auch als ich mich bereits mitten in der Wüste befand, konnte ich wochenlang keinen tieferen Sinn in alledem erkennen. Erst als meine Lage lebensbedrohlich wurde, erkannte ich plötzlich: Ich bin hier, weil Gott mir etwas zeigen will.

Plötzlich sah ich meine Umstände durch eine neue Brille und erlebte Gottes Nähe in einer nie dagewesenen Weise und Intensität. Die Umstände damals blieben noch wochenlang sehr schwierig. Die Gewissheit aber, auch in der Wüste von Gott geführt zu sein, hat mich in diesen schweren Tagen getragen.

Der Gott der Wüste versorgt
Ich habe auch erlebt, wie Gott mich in der Wüstenzeit wunderbar versorgt. Eine Erfahrung, die nur in der Wüste möglich ist. Statt Manna und Wachteln, stärkt Gott uns heute vielleicht durch einen guten Vortrag, eine gute Predigt, durch einen guten Gedanken, durch eine Aussage der Bibel, durch die Geschichten von Menschen, die ähnliches erlebt haben. Manchmal ist es auch nur eine kurze E-Mail, ein unverhoffter Anruf oder ein Brief. Oft sind es liebe Menschen, die sich Zeit nehmen, zuhören und für uns beten.

Zugegeben: Ähnlich wie die Israeliten ihr Manna nur für den täglichen Bedarf bekommen haben, fühlen wir uns dann manchmal von Gott gerade so für einen einzigen Tag versorgt. Aber wie oft beten wir „Unser tägliches Brot gib und heute“ – und meinen eigentlich: Herr schenke doch bitte so viel, dass ich es bis zum Verrotten horten kann, wie Israel das Manna? Ich habe die Erfahrung gemacht: Gottes Versorgung in der Wüste trägt trotz allem durch.

Der Gott der Wüste offenbart sich
Darüber hinaus lässt sich Gott in Wüstenzeiten auf einzigartige Art und Weise erfahren. Ich denke da an Mose und den brennenden Dornbusch oder die zahlreichen Wunder Gottes, die das Volk auf seiner Reise durch die Wüste erlebt hat.

Auch in meinem Leben waren es gerade die Wüstenzeiten, in denen ich Gott auf eine sehr intensive Weise neu kennen gelernt habe. Nicht den Gott, aus den Erzählungen anderer, nicht den Gott aus christlichen Ratgeberbüchern, nicht den Gott aus zweiter Hand, sondern den Gott aus erster Hand – nämlich meine Hand an seiner Hand.

Sicher ist die Wüste nicht das endgültige Ziel Gottes für mein Leben. Auch werden wir nicht für jede Wüstenzeit rückblickend dankbar sein. Es gibt Abschnitte in unserem Leben, die vielleicht bis zum Ende unseres Lebens mehr Fragen als Antworten und mehr Schmerz als Freude hinterlassen. Dennoch kann gerade die Wüste als eine Station im Leben zu einem Ort einmaliger Gotteserfahrungen werden. So gesehen kann selbst eine ungeplante und schmerzhafte Wüstenzeit im Rückblick zu einer beglückende Erfahrung werden. Weit mehr als ein Dreitagestrip durch die Negev.


Kommentare

Von Eveline S. am .

Bei der Pflege meiner todkranken Mutter haben wir beide "Wüsten-Zeitern" durchlebt. Und dennoch konnte ich Gott danken! 14 Tage nach ihrem Heimgang schrieb ich diesen Song:
ALLMACHT GOTTES
Gott lebt Tag und Nacht
Plant, lenkt und bewacht
Anfang und Ende
Darum habe Mut
Er macht alles gut
Anfang und Ende
Gott, der Herr, liebt alle
und in jedem Falle
liebt der Herr auch mich.
Gott, der Herr liebt alle
und in jedem Falle
liebt der Herr auch mehr

Von Gertrud S. am .

Danke für diese mutmachenden Worte! DAS ist echte Hilfe. Anders als "Wohlfühl-Evangeliums"- Bücher!

Von Anselm5 am .

Lieber Robert,
ich habe seit zweieinhalb Jahren das Gefühl durch eine Wüste zu gehen. Es gab und gibt Zeiten, da ist mir Gott, duch Menschen oder ein Bibelwort ganz nah, und dann fühle ich mich wieder alleingelassen und zweifle an Gottes Nähe und frage mich, ob meine Wüste nich endet. Den Israeliten ging es so ähnlich, sie zweifelten auch immer wieder. Vielleicht muss man achtsam sein für die Kleinigkeiten, aber ich verstehe dich sehr gut. Gott ist da! Aber wir spüren ihn oft nicht und wünschen mehr

Von Sabine am .

Auch ich kann mich dem Artikelverfasser und auch den Eintragenden anschliessen. Aber ich bin der Meinung, die " Wüste" hilft uns näher zu GOTT oder bringt uns erst zum Glauben. Aber ohne Andere Christen und " Oasen" wäre das Leben zu einseitig betrachtet. Will sagen, auch eine schöne Bergwiese( um mit Bildern weiter zu arbeiten) kann mich näher zu GOTT bringen. Wichtig finde ich, wie ich es in den Alltag umsetze und mein Leben verändere zu GOTT hin. Denn das sehe ich als Sinn für die " Wüstenwanderung".

Von Inge Marita W. am .

Ich will dich in eine Wüste führen und freundlich mit dir reden.Ja, da sind wir nicht so abgelenkt und auf IHN-JESUS-konzentriert.
Ja, auch ich kenne Wüstenwanderungen.Zwischen Verheißung und Erfüllung liegt die Wüste.Aber da ist Jesus.Trotz allem, ich möchte sie nicht missen.

Von Edith am .

Ja, auch ich kann diesen Beitrag sehr gut nachempfinden. Ich selbst war 2008/2009 auf einer Reise und habe mich viel in der Westsahara aufgehalten. Als ich zurückkam, begann ich ein neues Leben - ich erfüllte mir meinen Kindheitstraum. Doch erfahre ich gerade jetzt sehr viele Widerstände und Erinnerungen aus der Vergangenheit. Es ist sicher kein Zufall, dass ich vor kurzem erst über die Wüstenwanderung gelesen habe. Und es ist sicher auch kein Zufall, dass ich heuer 40 Jahre alt werde. Vielen Dank für diesen Artikel. Auch er zeigt mir, wie sehr mich Gott an der Hand hält und führt.

Von Robert J. am .

Hallo, ich befind mich auch schon länger in einer Wüstenzeit. Und weiß auch, dass da nichts hilft an Erzählungen von Gott anderer, Bücher, ect. sondern nur eine persönliche Begegnung mit Gott selbst. So wie bei Jakob oder Hiob, die beide erkannt, dass sie zuvor nur Gott vom Hören und Sagen kannten, danach aber ganz persönlich. Und nach dem sehne ich mich. Wahrscheinlich Gott auch. Aber was wenn das nicht passiert?
LG

Von Gerlinde am .

Diesem Bericht kann ich nur zustimmen. Ich habe Gott auch in meinen tiefsten Tälern erfahren dürfen. Wo die Not am größten, ist Gott am nähsten

Von Almut am .

Ja, das kann ich nur bestätigen! Danke für den guten, ehrlichen Artikel! Es sind nicht die Hoch-Zeiten, die uns näher zu Gott bringen, sondern gerade die Zeiten innerer oder äußerer Not! Und diese Zeiten können sich oft über Jahre hinziehen. Da braucht man einen langen Atem... und Menschen, die einen nicht fallen lassen, denn "das Wort, das dir hilft, kannst du dir nicht selber sagen." Ja, oft ist es nur eine Tagesration, die uns in der Wüste zuteil wird, auch wenn man gern länger davon zehren mehr


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